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Flugbereitschaft - Regierungsflieger secondhand

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Sparen oder in neue Technik investieren? Die Frage stellte sich die Regierung bei der Flugbereitschaft. Heraus kam ein Kompromiss.

Archiv: Regierungsflugzeug, aufgenommen am 26.04.2018 auf dem Flughafen Berlin Tegel
Einige Meilen auf dem Buckel: Regierungsflieger in Berlin-Tegel
Quelle: dpa

Die Freude war groß bei der Lufthansa, als ihr funkelnagelneuer Airbus am 18. Mai 1999, in Dienst gestellt wurde. Die "Leipzig", Seriennummer 274, war modern und entsprach der Zeit. Mit bis zu 280 Sitzplätzen in drei Klassen konnte der A340-300 Ziele bis 12.700 Kilometer Reichweite anpeilen. Zehn Jahre später erhielt die Maschine noch Winglets - die hochgebogenen Flügelspitzen helfen, Sprit zu sparen. Das war auch notwendig - ein Flieger mit vier Triebwerken kostet und die Ölpreise zogen an - erst langsam, später massiv.

Die Lufthansa, die auf die Maschine gesetzt hat, erkannte den Trend zu Zwei-Turbinen-Fliegern auf der Langstrecke spät. Airbus hatte mit dem 330 vorgelegt, Boeing die 767 auf den Markt gebracht. Der Dreamliner und die A350 - noch sparsamer, weil leichter und mit neuer Technologie gebaut - eroberten schnell die Märkte.

Gebrauchtflieger für die Kanzlerin

Bei der Lufthansa jedenfalls dürften die Korken geflogen sein, als die Bundesregierung 2009 fast eine Milliarde Euro freigab, um acht Flugzeuge für die Flugbereitschaft zu kaufen - drei davon von der Lufthansa, secondhand sozusagen. Zu oft hatten die alten Flieger Probleme gemacht, zu oft waren die teils 25 Jahre Challenger CL 601 und die aufgerüsteten Langstreckenjets A310 - sie stammten noch aus Beständen der Interflug - ausgefallen und hatten Schlagzeilen gemacht. Vier neue Global 5000, zwei neuere A319 und zwei Langstreckenflieger A340-300 sollten es werden.

Eine neue Karriere stand also auch der alten "Leipzig" bevor, aufgerüstet und umgebaut bekam sie im März 2011 die Kennung 16+01 mit dem stolzen Namen "Konrad Adenauer" - traditionell der Name der Kanzlermaschine in der Flugbereitschaft der Luftwaffe. Glanz auch für die "Gummersbach": Baugleich wurde aus ihr die "Theodor Heuss". Sie verfügt jetzt genauso mehr als 15.000 Kilometer Reichweite und 143 Plätze.

Turbine, Hydraulik, Computerpanne ...

Das zuständige Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr in Koblenz begründete den Gebraucht-Kauf damals mit dem sparsamen Umgang mit Steuergeldern. Aber ob sich die Sparsamkeit ausgezahlt hat?

Mit technischen Probleme musste schon Bundespräsident Steinmeier im November in Südafrika kämpfen. Bei der "Heuss" sprang eine Turbine nicht an. Erst im Juni musste er wegen eines Hydraulikschadens kurz vor Abflug nach Weißrussland auf eine Ersatzmaschine umsteigen. Ende 2016 strandete Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen aufgrund eines Computerproblems bei ihrem A340 in der nigerianischen Hauptstadt Abuja - und muss dort übernachten. Die Liste ließe sich noch verlängern. In die Rubrik Pech indes gehört, was Finanzminister Scholz beim Währungsfonds-Gipfel in Bali passierte: Dort hatten Mitte Oktober Ratten und Mäuse Zugang zum Flieger gefunden und die Kabel der "Adenauer" angenagt.

Aus Kostengründen keine zweite Crew

Und jetzt die Kanzlerin: Fürs Image ein Schaden, aber kein ausgewachsenes Problem. Fragt sich nur, warum die Flugbereitschaft - und so heißt sie ja - nicht mit einer zweiten Crew für den 13 Stunden langen Flug in Bereitschaft war. Tatsächlich ist auch hier das Personal knapp, und mehr Stellen kosten Geld.

Ein Blick ins Ausland zeigt: Auch dort sind nicht immer die neuesten Maschinen unterwegs. Russlands Präsident Putin vertraut auf heimische Produktion. Er fliegt mit der Iljuschin 96-300, die etwa zwei Jahre alt ist. US-Präsident Donald Trump nutzt die Boeing 747-200B. Seit 1990 sind die beiden Airforce One Maschinen im Einsatz, sollen 2024 aber abgelöst werden. Vier Millarden Dollar sind für zwei neue Jets eingeplant. Vielleicht kommt es aber auch billiger: Derzeit gibt es ein Projekt, zwei Boings 747-800 der Pleite gegangenen russischen Fluggesellschaft Transaero umzubauen. Und ausgesprochenes Glück hatte der türkische Präsident Erdogan. Er bekam eine 747-800 geschenkt. Der Emir von Katar hatte wohl keine Verwendung mehr für seinen neuen Jet. 400 Millionen Dollar teuer das Geschenk.

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