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Reise in das Herz Saudi-Arabiens

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Nach Drohnen-Angriffen - Reise in das Herz Saudi-Arabiens

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Nach dem Drohnenangriff auf ihre Ölanlagen lädt die saudische Regierung Journalisten aus aller Welt zu einer Pressefahrt ein. Eindrücke von einer Reise in das Herz Saudi-Arabiens.

Unsere Reporterin Isabelle Tümena war in Saudi-Arabien unterwegs und hat sich ein Bild vom Königreich nach den Angriffen auf die Ölanlagen gemacht. Die Huthi-Rebellen im Jemen haben sich zu der Attacke bekannt. Jedoch gehen unter anderem die USA, …

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Es ist 10 Uhr morgens und der Flieger in Riad steht bereit. Die saudische Regierung hat zur Pressereise geladen. Wir sollen uns ein Bild von den zerstörten Ölanlagen machen. Schon zwei Mal konnte ich in diesem verschlossenen Land drehen, dieses Mal ging die Visa-Vergabe ungewöhnlich schnell. Die Regierung will uns offensichtlich im Land haben.

Von den Angriffen, die vor elf Tagen die Ölfelder und Raffinerien getroffen haben, gibt es bisher nur leicht verschwommene Bilder und Satellitenaufnahmen. Gezielte Anschläge auf das Herz der saudischen Wirtschaft - mit Drohnen und Marschflugkörpern. Ich bin gespannt, was wir sehen werden. An Bord gibt es Kuchen, Saft und Aufpasser. Wir werden uns den ganzen Tag über nicht frei bewegen können. Die Soldaten der saudischen Armee bewachen unsere Dreharbeiten.

Die größten Ölfelder Saudi-Arabiens

Wir fliegen in den Osten des Landes, nach Churais. In der Wüste hier liegt der Schatz des Königreichs, die größten Ölfelder des Landes. Normalerweise werden hier täglich zehn Millionen Barrel Rohöl gefördert. Doch die Angriffe haben 50 Prozent der Produktion lahm gelegt.

Wir fahren mit dem Bus weiter. Die Ölförderanlagen von Saudi Aramco sind weltweit die größten. Eigentlich dürfen wir aus dem Bus nicht filmen, heimlich läuft unsere Kamera weiter. Die Pressevertreter der Regierung bringen uns zum ersten Stop, wir sehen einen zerstörten Ölturm. Man gibt uns fünf Minuten zum Drehen. Der Stahl ist geschmolzen, es riecht verbrannt, große Kräne sollen den Turm stabilisieren. Die Drohnenangriffe kamen gegen 3 Uhr nachts, erzählt man uns. Die Werksfeuerwehr sei sofort ausgerückt und habe in sieben Stunden die Flammen gelöscht. Tote und Verletzte hat es keine gegeben.

Vor der Kamera darf uns niemand ein Interview geben, wir können nur Bilder von den Trümmern machen. Manche Teile scheinen extra für uns hingelegt, wir werden zu abgezäunten angeschossenen Stahlrohren geführt, dürfen hier unsere Aufsager machen.

Zerstörter Turm der Ölraffinerie in Kuhrais
Zerstörter Turm der Ölraffinerie in Kuhrais.
Quelle: ZDF/Isabel Tümena

Saudische Raketenabwehr hat versagt

Die Saudis sind nervös, treiben uns zur Eile an. Wir werden schnell weiter gescheucht. Nächster Halt Abkaik. Hier wird das saudische Öl veredelt. Die größte Raffinerie der Welt verarbeitet zwei Drittel des saudischen Exports. Die Angriffe waren präzise und unbemerkt. Die Drohnen konnten buchstäblich unter dem Radar der Raketenabwehr fliegen. Wohl auch deshalb will uns hier niemand etwas sagen. Peinlich, dass das in einem hochgerüsteten Land passiert.

Karte: Jemen, Iran und Saudi Arabien mit Ölfeldern in Abkaik und Churais
Quelle: ZDF

Letzter Stop: die Lagertanks. Von hier wird das Öl in die Welt verschifft. Die Schäden sind immens, es gibt mehrere metergroße Einschusslöcher. Der Leutnant von der saudischen Armee raunt mir zu, ich solle mir mal die Himmelsrichtung der Einschusslöcher ansehen. Die Angriffe seien klar aus dem Norden gekommen. Also aus dem Iran. Vor der Kamera will er mir das nicht sagen.

Zum Schluss versichert man uns noch, die Schäden bis Ende des Monats behoben zu haben. Dann will Saudi Aramco wieder mit voller Kraft fördern.

Will der Kronprinz die USA zu einem Militärschlag bewegen?

Warum zeigen die Saudis ihre Verwundbarkeit so offen? Auf einer Pressekonferenz präsentieren sie angebliche Beweise für die Schuld Irans. Teile von Drohnen und Marschflugkörpern aus iranischer Herstellung. Will Kronprinz Mohammed bin Salman den Partner USA zu einem Waffengang bewegen? Er weiß, dass Saudi-Arabien allein dem Iran militärisch unterlegen ist.

Doch Donald Trump zögert - twittert von Verschärfung der Sanktionen gegen den Iran, von Krieg ist nicht die Rede. In seiner Rede auf der UN-Vollversammlung in New York spricht er von Amerika als Friedensnation.

Baugerüste um einen Turm der Ölraffinerie in Kuhrais
Baugerüste um einen Turm der Ölraffinerie in Kuhrais.
Quelle: ZDF/Isabel Tümena

Polizeipräsenz auf Riads Straßen nicht größer

Auf den Straßen von Riad läuft das Leben wie immer. Hier sehen wir keine erhöhte Militär- oder Polizeipräsenz. Auch hier werden unsere Dreharbeiten überwacht, im Königreich können sich Journalisten nicht frei bewegen. Wir sind beim saudischen Staatsfernsehen verabredet.

Bedoor Ahmed moderiert drei Mal die Woche die Presseschau. Für sie waren die Angriffe auf Aramco ein Akt des Terrors, der die Gesellschaft aber stärken wird. Niemand hier werde kapitulieren, sagt sie selbstbewusst, egal ob es sich um einen Terrorangriff handele oder um einen Versuch, den Ruf des Königreichs zu schädigen. Ihr Kollege Abdul Mageed leitet die Wirtschaftsredaktion. Er rechnet mit einer politischen Reaktion auf die Angriffe und sieht als Strategie hinter den Attacken den Versuch, das Königreich zu schwächen.

Auf den Straßen der Hauptstadt sehen wir am Abend die Vorbereitungen für den Nationalfeiertag. Die Menschen tanzen, die Stimmung ist fröhlich - Kriegsangst spüren wir nicht. Immer wieder sagen uns die Menschen, dass sie ihrer Regierung vertrauen, dass sie die Krise politisch löst. Einen Krieg am Golf will hier niemand.

Einschlagsloch in einem Trümmerteil
Einschlagsloch in einem Trümmerteil.
Quelle: ZDF/Isabel Tümena

Isabelle Tümena ist Redakteurin und Reporterin beim auslandsjournal.

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