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WMO-Bericht zum Klimawandel - "So wenig Eis gab es noch nie"

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Temperaturen und Meeresspiegel steigen, extreme Wetterereignisse wie Zyklon "Idai" nehmen zu. Der Weltklima-Bericht verheißt nichts Gutes.

Wellen an der Küste von Derveni im Golf von Korinth, Griechenland
Wellen an der Küste von Derveni im Golf von Korinth, Griechenland
Quelle: dpa

Die Klimakrise ist allgegenwärtig und sie beschleunigt sich immer weiter. Die sozialen und ökonomischen Auswirkungen sind jetzt schon immens. Die Treibhauskonzentration nimmt immer weiter zu und liegt bereits weit über dem stabilen Klima des Holozäns, des Nacheiszeitalters seit etwa 10.000 Jahren vor Christus. Es war eine Jahrtausende lange stabile Phase, in der sich die Hochkulturen und alles, was den heutigen Menschen ausmacht, entwickelt haben. Eine derart hohe Treibhausgaskonzentration wie zurzeit gab es zuletzt vor 800.000 Jahren, als es vom "Homo Sapiens" nicht mal ansatzweise eine Spur gab.

Eigentlich dürfte kein Zehntel Grad noch dazukommen

"Die in diesem Bericht veröffentlichten Daten geben Anlass zu großer Sorge", schreibt UN-Generalsekretär António Guterres in dem in New York vorgestellten aktuellen Bericht der Weltmeteorologie-Organisation (WMO). "Zum Zögern ist keine Zeit mehr", warnte Guterres. Demnach sind die vergangenen vier Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen. Der durchschnittliche Anstieg des Meeresspiegels seit 1993 betrage 3,15 Millimeter pro Jahr.

Die Gefahr, dass Rückkopplungen im Klimasystem sich verselbständigen, wird immer größer, je weiter die globale Mitteletemperatur steigt. Mehr Wärme, bedeutet mehr Energie, die auf der Erde verbleibt und Strömungen in der Atmosphäre und in den Ozeanen verändert und bereits verändert hat. Knapp ein Grad mehr führt bereits zu Veränderungen im geologischen Maßstab, kein einziges Zehntel dürfte eigentlich noch dazu kommen, das ist aber nur Wunschdenken. Bei weiterem ungebremsten CO2-Ausstoß wird die 1,5 Grad Marke im Jahr 2030 überschritten sein. Eigentlich sollte das erst Ende des Jahrhunderts der Fall sein.

Die Ozeane versauern

Einige Punkte, die der WMO-Bericht anführt, sind besonders schwerwiegend. Ein großer Teil der Wärme verbleibt gar nicht in der Atmosphäre, sondern wird von den Ozeanen aufgenommen. Es ist mehr als 90 Prozent. Im Jahr 2018 wurden neue Rekorde für den Wärmegehalt in den Ozeanen festgestellt. Bis in eine Tiefe von 700 Metern und weiter bis 2.000 Metern gab es eine ungewöhnlich hohe Energiezunahme.

Die Ozeane versauern. Das ist auf die hohe Kohlendioxid-Konzentration in der Luft zurückzuführen. Das Kohlendioxid wird vom Wasser aufgenommen und reagiert zu Kohlensäure. Das verändert wiederum die Chemie im Wasser. Lebewesen, die Schalen bilden wie etwa Muscheln, werden gestört. In den letzten 30 Jahren absorbierten die Ozeane etwa 30 Prozent des vom Menschen zusätzlich ausgestoßenen Kohlendioxids.

Eis geht dramatisch zurück

Besonders das Eis ist weltweit auf dem Rückzug. Die Gletscher in den Alpen, der Permafrost in den Bergen, aber auch Permafrost in der Arktis taut auf. Dabei wird zusätzlich Kohlendioxid frei. Noch heftiger sind die Methanemissionen, denn im auftauenden Boden sind tote Pflanzen und Tiere, die wiederum von den Bakterien zersetzt werden. Jahrtausende alte Lebewesen werden zersetzt, die bisher im gefrorenen Boden verborgen waren.

Das Arktis-Eis nimmt in den letzten 30 Jahren massiv ab. Im Januar und Februar waren es für die jeweiligen Monate Rekordwerte. So wenig Eis gab es noch nie. Der Trend weist weiter nach unten, und Szenarien zeigen, dass ab den 2030er-Jahren mit einer eisfreien Arktis zu rechnen ist. Das würde den bereits jetzt schon gestörten Jetstream noch weiter aus dem Gleichgewicht bringen. Das hätte extreme Wetterereignisse zur Folge, wie zum Beispiel die Dürre im vergangenen Jahr in weiten Teilen Europas.

Grönland verliert unvorstellbare Mengen an Eis, seit 2002 sind 3.600 Milliarden Tonnen Eis abgeschmolzen. Eine Studie untersuchte Eisbohrkerne aus Grönland, in denen Schmelzereignisse bis Mitte des 15. Jahrhunderts festgehalten wurden. Die Studie ergab, dass im grönländischen Eisschild in den letzten 500 Jahren keine derartig großen Mengen abgeschmolzen waren. Das führt zum weiteren Anstieg der Meere. Die Zunahme der Temperatur in den Ozeanen führt auch dazu, dass sich das Wasser ausdehnt und den Meeresspiegel anhebt.

Özden Terli ist Diplom-Meteorologe in der ZDF-Wetterredaktion.

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