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Turbulenzen in Luftfahrtbranche - Rekordklagewelle wegen Flugausfällen

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Flugausfälle haben 2018 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen. Nicht immer zahlen die Airlines die gesetzliche festgelegten Entschädigungen. Die Folge: Immer mehr Klagen.

fluggaeste am hamburger flughafen
archiv - fluggaeste stehen am 16.10.2016 am flughafen in hamburg an den check-in-schaltern. von deutschlands flughaefen sind im vergangenen jahr so viele passagiere gestartet wie nie zuvor. (zu dpa "mehr passagiere starten von deutschen flughaefen - rekordwert" vom 28.02.2017) foto: daniel reinhardt/dpa +++(c) dpa - bildfunk+++
Quelle: dpa

Frank Mühlenbeck und seine Familie traf's im Zypernurlaub. Der geplante Rückflug platzte. Von der Airline gab's erstmal keinerlei Informationen. "Das war schlimm", meint er. "Mit zwei kleinen Kindern gestrandet, 17 Stunden Ungewissheit. Bis kurz vorm Abflug am nächsten Morgen wussten  wir nicht, ob und wann wir nach Hause kommen."

Zehntausende Passagiere betroffen

Ähnlichen Ärger hatten im vergangenen Jahr zehntausende Passagiere. 29.000 Flüge wurden 2018 in Deutschland gestrichen, hat das Beschwerdeportal EUClaim berechnet. Das sind 7.000 mehr als im Vorjahr.

Softwareprobleme bei Fluglotsen, technische Probleme bei Boeing, Germania und die Air Berlin Pleite. Die Luftfahrtbranche durchlebt turbulente Zeiten. Auf einem Branchengipfel mit Airlines und Flughäfen will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer am Donnerstag gegensteuern. Nötig ist das: Die Amtsgerichte Köln und Düsseldorf melden Grund eine Klageflut gegen die ansässigen Airlines.

Airlines winden sich

Elena Frick, Sprecherin des Amtsgerichts Düsseldorf bestätigt: "Bei uns hat sich die Zahl der Klagen von Reisenden mehr als verdoppelt. Von 5.000 im Jahr 2017 auf 12.700 Klagen im vergangenen Jahr."

Eigentlich stehen den Kunden Entschädigungen zu. Doch als Frank Mühlenbeck diese schriftlich einfordert, erhält er von seiner Airline drei Mal keine Antwort. Er nimmt sich einen Anwalt. Schließlich wären in seinem Fall 400 Euro pro Person fällig. Rechtsanwalt Chrsitian Solmecke wundert sich: "Interessanterweise haben die auf unsere Schreiben auch nicht reagiert. Wir mussten deshalb klagen."

Eindeutige Rechtslage

Dabei ist Rechtslage eindeutig: Kann man einen Flug wegen Überbuchung oder Annullierung nicht nutzen, so hat der Kunde Anspruch auf Erstattung des Flugpreises. Zusätzlich gibt's eine Entschädigung, die sich nach der Strecke richtet. Bis 1.500 Kilometer Entfernung sind das 250 Euro, bei 1.500 bis 3.500 Kilometer innerhalb der EU sind es 400 Euro und bei Fernreisen über 3.500 Kilometer 600 Euro.

Zudem muss sich die Airline um die Gestrandeten kümmern, stellt Beate Wagner von der Verbraucherzentrale NRW klar: "Den Passagieren stehen Betreuungsleistungen zu - also Essen, Hotel, Telefon." Bei Verspätungen von einigen Stunden reduzieren sich die Entschädigungen auf 125 bis 300 Euro. Allerdings gibt es Ausnahmen, bei denen die Airlines nicht haften müssen, so Wagner.

Das gelte bei außergewöhnlichen Umständen wie beispielsweise höherer Gewalt. Das könne ein Sturm sein oder ein Schaden durch Vogelschlag. Oder ein Streik bei Dritten - wie den Fluglotsen.

Immer mehr Fluggäste klagen

Eurowings allein musste 2018 in Düsseldorf 4.000 Klagen wegen Problemflügen hinnehmen. Die Airline erklärt das mit den Umbrüchen auf dem Reisemarkt 2018. "Eurowings ist nun seit Monaten wieder mit einer Zuverlässigkeit von mehr als 99 Prozent und Pünktlichkeitswerten von über 80 Prozent für unsere Kunden unterwegs - so dass der Beschwerdeeingang kontinuierlich sinkt", heißt es bei der Airline.

Auf jeden Fall sollten sich Geschädigte nicht abwimmeln lassen - das hat Mühlenbeck aus der Sache gelernt. Er bekam vom Gericht schließlich 1.600 Euro für seine vierköpfige Familie zugesprochen. "Ich rate: Standhaft bleiben. Zur Not vor Gericht gehen." Dazu entschließen sich immer mehr geprellte Fluggäste. Auf den Rekord bei Flugausfällen regieren sie mit einer Rekordklagewelle.

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