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Erzgebirge bleibt zweitklassig - Aue feiert Bertram - KSC will zurückkommen

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Die Stimmungen gingen auseinander wie die Fernsehgelder in Liga zwei und drei: Erzgebirge Aue feierte ein rauschendes Fest; der KSC trauerte einer verpassten Chance nach.

Sören Bertram von FC Erzgebirge Aue
Sören Bertram hat für den FC Erzgebirge Aue zum 3:1 getroffen. Damit war das Spiel gegen den KSC endgültig entschieden.
Quelle: dpa

Der entscheidende Moment geschah in der 75. Spielminute. Sören Bertram, seines Zeichens Torjäger beim FC Erzgebirge Aue, hatte eigentlich schon angedeutet, dass er mit Krämpfen raus wollte. Doch einmal tauchte er im Relegationsrückspiel noch im Strafraum des Karlsruher SC auf. Nach einem Pass von Fabian Kalig donnerte er den Ball ins Tor. Das 3:1. Die Entscheidung. Bertrams dritter Treffer am Abend.

Bertram versuchte noch, die Bank zu erreichen, doch er wurde von seinen Mitspielern schon abgefangen. An die Jubeltrauben und das kollektive Umarmen im ganzen Stadion konnte sich Bertram danach gar nicht mehr erinnern. "Es lagen alle auf mir drauf, ich habe nur noch meinen Kopf geschützt. Ich war froh, als ich rauskam, denn ich war echt komplett am Ende", sagte Bertram lachend.

Gegen seinen Herzensverein

Für Bertram persönlich war es eine besondere Geschichte. Vor zwei Jahren wechselte er vom Drittligisten Hallescher FC ins sächsische Erzgebirge. Allerdings mit der Hypothek eines Kreuzbandrisses inklusive Knorpelschaden. Fast das komplette erste Vertragsjahr fiel er aus. Auch in dieser Saison plagten ihn immer wieder Verletzungen. Erst in den letzten Spielen wurde er wieder fit und ist jetzt "Mr. Relegation" in Aue.

"Das war ein riesen Vertrauensvorschuss. Für mich ist es wunderschön, dass ich was zurückgeben kann", sagte Bertram, der noch lange von den Auer Fans im Stadion gefeiert wurde. In der kommenden Saison wird es für den bekennenden HSV-Fans auch gegen seinen Herzensverein gehen.

"Abnutzungskampf" in letzten Wochen

Die Verantwortlichen der Auer waren dagegen vor allem erleichtert. "Damit ist alles, was in Darmstadt passiert ist, passé. Wir haben sportlich gezeigt, dass wir in die Zweite Liga gehören", meinte Trainer Hannes Drews, der vor Erleichterung nach Abpfiff sogar ein paar Freudentränen vergossen hatte. "Die letzten Wochen waren schon Abnutzungskampf", meinte auch Präsident Helge Leonhardt.

Zum Kaderplanung und der juristischen Aufarbeitung der 0:1-Niederlage in Darmstadt, wegen der Aue in die Relegation musste, wollte Leonhardt am Abend noch nichts sagen: "Wir trinken erst mal einen. Und morgen wachen wir mit einem schweren Kopf auf und sagen: Wir sind noch in der zweiten Bundesliga!" Für den Verein ist der Klassenerhalt wirtschaftlich enorm wichtig, hat zudem Strahlkraft für die ganze Region. "Es gibt den Menschen ein Selbstwertgefühl", ist sich der Präsident sichert.

Schon an zweiter Liga geschnuppert

Karlsruhe muss dagegen ein weiteres Jahr mit den wirtschaftlich eingeschränkten Möglichkeiten in der dritten Liga haushalten. "Es ist gerade ein bisschen Leere da", gestand Innenverteidiger Daniel Gordon. "Ich hatte das Gefühl, dass wir einen Ticken zu zaghaft waren, zu mutlos."

Sportdirektor Oliver Kreuzer wurde noch deutlicher: "Keiner kam so richtig an die 100 Prozent ran. Wir haben Minimum zwei Fehler zu viel gemacht". Dabei hatte der KSC durch das zwischenzeitliche 1:1 durch Fabian Schleusener (44.) kurz vor der Halbzeit sogar an der zweiten Liga geschnuppert. Doch trotz des Aufwindes war Karlsruhe defensiv nie so stabil wie im Hinspiel. Oder Aue am Dienstagabend einfach besser?

Faire Verlierer

"Aue hat das Spiel verdient gewonnen", gab KSC-Trainer Alois Schwartz als guter Verlierer zu. Er sprach trotzdem von einer "sehr guten Saison". Und etwas Positives bleibt aus Badener Sicht: Die Mannschaft hat Potential, kann vielleicht ja schon im nächsten Jahr erneut angreifen. "Die Mannschaft bricht nicht auseinander. Die meisten Spieler haben gültige Verträge", meinte Kreuzer.

Torjäger Schleusener und Verteidiger Jonas Förenbach sind allerdings beide nur vom Freiburger SC ausgeliehen und werden nur schwer zu halten sein. Gleiches gilt für Eigengewächs Matthias Bader, den der "Kicker" mit dem 1. FC Köln in Verbindung gebracht hat und dessen Vertrag ausläuft. Dennoch wollen die Karlsruher - deren Selbstverständnis immer noch eher Bundesliga denn Drittklassigkeit lautet - in der nächsten Saison wieder angreifen. "Wir werden aufstehen und wir werden wiederkommen", versprach Gordon.

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