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Spott für Wolfsburg - "Und Ihr wollt Erste Liga sein?!"

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Der VfL Wolfsburg bleibt im Fußball-Oberhaus - und muss trotzdem Spott ertragen. Kiel bleibt zweitklassig. Alles beim Alten also? Von wegen - bei beiden Klubs muss sich was ändern.

Bundesliga: Holstein Kiel - VFL Wolfsburg, Rückspiel im Holstein-Stadion am 21.5.2018 - Wolfsburger Mannschaft bedankt sich bei den Fans
Verhaltene Freude: Wolfsburger Spieler nach dem Sieg in Kiel bei Fans.
Quelle: dpa

Am Ende blieb dem unterlegenen Außenseiter nur Hohn und Spott für den Gegner. "Und Ihr wollt Erste Liga sein", hallte es am Montagabend in der Nachspielzeit durch das Kieler Stadion. Die Fans von Holstein hatten längst eingesehen, dass der Durchmarsch ihrer Störche von der Dritten bis in die Bundesliga innerhalb eines Jahres am VfL Wolfsburg scheitern wird. Der Bundesliga-16. aus Niedersachsen führte nach dem 3:1-Heimspielerfolg in Kiel 1:0 - und musste nur noch wenige Minuten überstehen.

Als Schiedsrichter Daniel Siebert um 22:22 Uhr abpfiff, war klar: Wolfsburg bleibt einer von 18 Klubs im Deutschen Fußball-Oberhaus - und Kiel Zweitligist. Es war also das eingetretenen, was viele erwartet hatten. Und dennoch waren die Reaktionen komplett gegensätzlich. Die Holstein-Spieler sackten zu Boden, wurden teilweise von Wolfsburgern getröstet. Beim VfL indes jubelte niemand. Warum auch? Die Rettung in der Relegation war das Minimum, das sie aus dieser so enttäuschenden Spielzeit noch herausholen konnten. Wie bereits vor einem Jahr. Verdient, ja. Aber die Ansprüche bei den Niedersachsen waren ganz andere, als erneut zwei extra Spiele zur Sicherung der Ligazugehörigkeit absolvieren zu müssen.

Von Real Madrid in die Relegation

"Ich hoffe nur, dass ich nie wieder Relegation spielen muss", sagte VfL-Kapitän Maximilian Arnold. Er hatte bereits vor einem Jahr gezittert, als Wolfsburg gegen Eintracht Braunschweig den erstmaligen Absturz gerade noch verhindern konnte. Anschließend sollte so vieles anders gemacht, und deshalb besser werden beim Verein, der 2015 noch Bundesliga-Zweiter sowie DFB-Pokalsieger und Supercup-Gewinner geworden war - und im April 2016 im Champions League-Viertelfinale nur ganz knapp (2:0, 0:3) an am spanischen Renommierklub Real Madrid scheiterte.

Doch letztlich bedurfte es mit Bruno Labbadia des dritten Trainers in dieser Saison, um den Absturz zu verhindern. Der Relegations-Erprobte Hesse, der 2015 bereits den Hamburger SV gerettet hatte, war im Wolfsburger Wirrwarr der einzige Ruhepol, strahlte selbst nach dem Abrutschen auf Platz 16 immer noch Gelassenheit und Zuversicht aus. "Als Trainer darfst du nicht zweifeln", sagte Labbadia. Allerdings hob er nach seiner zweiten geglückten Rettungsmission hervor, dass die Aufgabe in Wolfsburg seine "schwierigste" gewesen sei, die er "bislang als Trainer gehabt habe".

An den Stellschrauben drehen

Ob Labbadia, der einen Vertrag bis 2019 besitzt, nun in der Autostadt etwas konstruieren darf, soll bald entschieden werden - und hängt von den Vorstellungen des neuen Sportchefs ab. Dieser, das ist kein Geheimnis, wird Jörg Schmadtke heißen. Doch ob mit Labbadia oder einem anderen auf dem Trainerposten, Arnold fordert Veränderungen. "Es sollten gewisse Stellschrauben gedreht werden, weil, ich glaube, wir hatten in zwei Jahren fünf Trainer und zwei Sportdirektoren. Es sollte mal ein bisschen Kontinuität reinkommen", so Arnold.

Seine Worte waren nicht nur ehrlich, sondern auch erfrischend. Der VfL Wolfsburg hat zwar eine globale Größe als Sponsor im Rücken. Dennoch ist der Klub in der Bundesliga in den vergangenen beiden Spielzeiten nur eine kleine Nummer gewesen - und wäre fast im Unterhaus verschwunden. Arnold hält es daher für sinnvoll, "ein bisschen kleiner zu denken. Jeder, der da involviert ist, sollte es begriffen haben - speziell nach der zweiten Relegation in Folge", betont der Kapitän. "Wir sollten kleinere Brötchen backen und in ruhigeres Fahrwasser kommen", so Arnold weiter. 

Gegentreffer bricht Kiel das Genick

Er hatte in der 75. Minute vor 12.000 Zuschauern mit einem Eckball das einzige Tor des Abends durch Robin Knoche vorbereitet. Der Torschütze war nach seinem Kopfball direkt über die Werbebande gesprungen und Richtung Fankurve weitergelaufen. Wolfsburg hatte eine seiner wenigen Chancen konsequent genutzt. Kiel hingegen, wie schon im Hinspiel, zu viele Gelegenheiten ausgelassen. "Das hat uns ein bisschen das Genick gebrochen. Ich kann trotzdem sagen, dass ich stolz auf die Leistung bin", meinte David Kinsombi.

Wenn in einigen Tagen der Frust über die verpasste Sensation verflogen ist, werden sie in Kiel merken, was sie da eigentlich diese Saison geleitet haben. Als Aufsteiger gestartet, erfolgreichste Offensive der Liga, mit Marvin Ducksch den Torschützenkönig der Zweiten Liga in seinen Reihen - viel Begeisterung, viel Freude. Kiel, die Stadt, die deutschlandweit vor allem mit den Handballern des THW Kiel in Verbindung gebracht wird und seit 36 Jahren erstmals wieder in der Zweiten Bundesliga dabei war, ist eine Bereicherung für das Fußball-Unterhaus gewesen.

Wer verlässt nach Anfang noch den Klub?

Doch was wird davon bleiben? Trainer Markus Anfang, der von den Fans mit Sprechchören verabschiedet wurde, wechselt zum 1. FC Köln. Geschäftsführer Ralf Becker gilt als Kandidat beim Hamburger SV. Die ausgeliehenen Marvin Ducksch und Aaron Seydel werden wohl zum FC St. Pauli und Mainz 05 zurückkehren. Ein Dominik Drexler soll für mehrere Bundesligisten interessant sein. Gut möglich, dass Holstein nur wenige Tage nach dem knapp verpassten größten Coup der Vereinsgeschichte vor einem sportlichen Neuanfang steht.

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