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Debatte um Grundrente - Die deutsche Rente in Zahlen

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Die Grundrente ist beschlossen. Wie viele Menschen würden davon profitieren? Wie viele Rentner gibt es überhaupt? Und wie viel Geld bekommen die im Schnitt?

Demonstrant trägt T-shirt mit der Rückenaufschrift "Rente muss zum Leben reichen"
Ein Demonstrant auf einem Protest gegen Altersarmut.
Quelle: bidas/delta

Mit dem am Wochenende beschlossenen Grundrente-Kompromiss wollen Union und SPD eine der drängendsten Sorgen der Deutschen angehen: die Rente. Eine Anfang des Jahres veröffentlichte Studie der OECD hat ergeben, dass die Bürger langfristig vor allem wegen ihres Ruhestands besorgt sind.

Viele dieser Menschen könnten in Zukunft von der Grundrente profitieren - bis zu 1,5 Millionen. Das ist aber nur ein kleiner Teil der Rentner insgesamt - knapp sechs Prozent.

Wann gehen die Deutschen in Rente?

Den größten Anteil machen die Altersrentner aus - und die sind zuletzt immer später in Rente gegangen. In den vergangenen Jahren ist das durchschnittliche Renteneintrittsalter leicht gestiegen. In den alten Bundesländern gehen die Menschen im Schnitt mit 64,2 Jahren in Rente - in den östlichen Bundesländern beginnen die Altersrentner im Schnitt ein halbes Jahr früher mit ihrem Ruhestand.

Allerdings verteilen sich die Altersrentner nicht gleichmäßig über die verschiedenen Jahrgänge. Die meisten Menschen gehen entweder mit 63 oder 65 Jahren in Rente. 2018 starteten jeweils über 300.000 Menschen in die Rente. 65 ist im Moment noch das faktische Renteneintrittsalter. Die Rente mit 67 wird erst in einigen Jahren voll greifen, weshalb die Gruppe der 65-jährigen Rentner derzeit noch so groß ist.

Die vielen Rentner mit 63 gehen auf Kosten der sogenannten "Altersrente für besonders langjährig Versicherte" - die 2014 eingeführte, abschlagsfreie Rente mit 63, wenn man mindestens 45 Beitragsjahre vorweisen kann. Knapp 244.000 Deutsche entschieden sich im vergangenen Jahr für diese Rente - die meisten waren 63 Jahre alt.

Wer sind die Menschen, die nicht in Altersrente gehen?

Bei diesen Werten sind aber nur die regulären Altersrentner eingeschlossen. Viele Menschen müssen aber aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in Rente gehen. Deshalb kritisieren Gewerkschaften wie die IG Bau Bestrebungen, das Renteneintrittsalter weiter zu erhöhen. Für Dachdecker oder Bauarbeiter sei das ein "Albtraum".

Und es stimmt: Viele Menschen mit schweren Erkrankungen müssen deutlich früher in Rente gehen. Muskel- oder Skelettkrankheiten sind einer der häufigsten Gründe für verminderte Erwerbsfähigkeit. Männer, die so eine Rente beziehen, müssen im Schnitt schon mit 56 Jahren in den Ruhestand gehen, Frauen mit 55.

Am ehesten sind aber psychische Krankheiten der Grund für Erwerbsminderung - knapp 24.000 waren es im vergangenen Jahr. Menschen, denen eine Erwerbsminderungsrente aufgrund psychischer Krankheiten bewilligt wird, gehen durchschnittlich schon mit 50 Jahren in Rente.

Diese Gruppe ist im Vergleich zu den Altersrentnern aber ziemlich klein. Im Jahr 2018 sind insgesamt 1,35 Millionen neue Rentenbezieher hinzugekommen, aber nur jeder Achte davon musste wegen verminderter Erwerbsfähigkeit in den vorzeitigen Ruhestand gehen. Weit über die Hälfte der neuen Rentenbezieher waren Altersrentner. Die übrigen Renten bekommen Witwen und Witwer oder Waisen.

Wie viel Geld bekommen Rentner durchschnittlich?

Menschen mit verminderter Erwerbsfähigkeit bekommen auch weniger Rente - durchschnittlich zwölf Prozent weniger als Altersrentner. 906 Euro ist der durchschnittliche "Zahlbetrag" für Altersrenten in Deutschland, also die Bruttorente abzüglich der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Dieser Wert sagt allerdings noch nichts über die Rentenhöhe aus, wenn man lange gearbeitet hat. Der Durchschnittswert bezieht sich auf alle ausgezahlten Altersrenten - also auch auf Menschen mit nur fünf Beitragsjahren.

Etwas aussagekräftiger ist die durchschnittliche Altersrente nach mindestens 35 Beitragsjahren. Laut Rentenversicherung sind das bei Männern derzeit 1.520 Euro brutto. Frauen mit so vielen Beitragsjahren bekommen im Schnitt 27 Prozent weniger, das sind 1.106 Euro brutto.

Wie viel kostet die Rente?

Knapp 308 Milliarden Euro hat die Deutsche Rentenversicherung im vergangenen Jahr ausgegeben. 277 Milliarden davon wurden als Renten ausgezahlt. Der größte Teil wird dabei von den erwerbstätigen Menschen beigesteuert.

Doch die Renten in Deutschland werden nicht alleine aus den Beiträgen der 38 Millionen aktiv Versicherten finanziert. Aus dem Bundeshaushalt stammt ein nicht unerheblicher Teil des Geldes der Rentenversicherung, knapp ein Viertel der Einnahmen. Der Anteil des Bundes ist in den vergangenen 14 Jahren aber stabil geblieben - und zuletzt sogar leicht gesunken.

Doch die finanziellen Herausforderungen, die auf die Rentenversicherung zukommen, werden in Zukunft größer. Der demografische Wandel - unter anderem die Baby-Boomer, die im kommenden Jahrzehnt in Rente gehen werden - setze ihre Finanzen unter Druck, schreibt zum Beispiel die Bundesbank in einem Oktober veröffentlichten Bericht. Friert man das Rentenniveau und Renteneintrittsalter auf aktuellem Stand ein, würde der Beitragssatz von derzeit 18,6 Prozent laut Berechnungen der Bundesbank bis 2070 auf 31 Prozent steigen.

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