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Renten steigen ab dem 1. Juli

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Mehr als drei Prozent - Renten steigen ab dem 1. Juli

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Auf die Konten der Rentner fließt ab Juli mehr Geld. Doch nicht alle profitieren von den höheren Bezügen. Und politischer Streit ist programmiert.

Archiv: Senioren am 06.03.2019 in Rostock
Das Bundeskabinett in Berlin hat am Dienstag grünes Licht für die Rentenerhöhung zum 1. Juli gegeben.
Quelle: dpa

Die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland erhalten ab dem 1. Juli spürbar höhere Bezüge. In Westdeutschland legen die Renten zum 1. Juli um 3,18 Prozent zu, im Osten sogar um 3,91 Prozent. Das Bundeskabinett billigte die neue Verordnung des Sozialministeriums.

(...) außerordentlich erfreulichen Entwicklung bei den Renten.
Hubertus Heil, Sozialminister (SPD)

Eine monatliche Rente von 1.000 Euro, die nur auf West-Beiträgen beruht, erhöht sich dadurch um 31,80 Euro, eine gleich hohe Rente mit Ost-Beiträgen um 39,10 Euro. Sozialminister Hubertus Heil von der SPD sprach von einer "außerordentlich erfreulichen Entwicklung bei den Renten". Im vergangenen Jahr waren die Renten im Westen um 3,22 Prozent und im Osten um 3,37 Prozent gestiegen. Zugleich nähern sich die Ostrenten weiter an die Westbezüge an. Der Rentenwert im Osten steigt auf 96,5 Prozent des Westwerts. Bis zum Jahr 2024 steigt er aufgrund einer Gesetzesvorgabe von 2017 schrittweise auf 100 Prozent der Westrente.

Die Rentenerhöhung kostet knapp 11 Milliarden Euro pro Jahr. Im laufenden Jahr fallen demnach Kosten von knapp 5,5 Milliarden Euro an. Das Rentenniveau erhöht sich damit leicht auf 48,16 Prozent. Es berechnet sich aus dem Verhältnis der Rente zum Durchschnittslohn und gibt so Auskunft über die Absicherungskraft der Rente.

Grund für die Rentenerhöhung

Zwar wird die Rentenerhöhung per Verordnung festgelegt, sie bedarf aber auch noch der Zustimmung des Bundesrats. Doch beruht sie nicht auf einer einmaligen Entscheidung etwa der Regierung, sondern auf einer festgelegten Formel. Vor allem folgt sie der Lohnentwicklung. Die für 2019 maßgebliche Lohnsteigerung lag in Westdeutschland bei 2,39 Prozent und bei 2,99 Prozent in den neuen Ländern. Aber auch die Beitragsentwicklung und das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentnern spielen hinein. Künftig wird sich daher verstärkt das ungünstiger werdende Verhältnis von zahlreicheren Rentnern und weniger werdenden Beitragszahlern bei den Rentenanpassungen auswirken.

Nicht jeder profitiert

Durch die Rentenerhöhung bleibt den Betroffenen unterm Strich mehr Geld im Portemonnaie. Denn die Rentenanpassung liegt über der Inflationsrate. Die Verbraucherpreise waren im März um 1,3 Prozent gemessen am Vorjahresmonat gestiegen. Allerdings kommt die Rentenerhöhung nicht bei allen komplett an. Laut Bundesfinanzministerium werden voraussichtlich rund 48.000 Rentner zusätzlich von einer Einkommensteuer belastet. Gut 4,4 Millionen Personen und zusammen veranlagte Paare mit Renteneinkünften müssen Steuern zahlen. Versicherungspflichtige Rentner müssen auch prozentuale Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Mit einer höheren Rente steigen auch die Beiträge.

Streit um Grundrente bleibt bestehen

Einer 74-jährigen Rentnerin aus Berlin geht es wie hunderttausenden bundesweit: Ihre Rente von nur 550 Euro erhöht sich jetzt auf etwa 570 Euro
Verena Bentele, Präsidentin Sozialverband VdK Deutschland

Minister Heil betonte, das milliardenschweren Volumen der Rentenanpassung zeige, "dass Deutschland ein wirtschaftlich starkes Land ist, das sich eine verlässliche Alterssicherung leisten kann". Der CDU-Sozialexperte Peter Weiß machte auf den wirtschaftlichen Hintergrund des Rentenplus aufmerksam: "Auch weil die Zahl der Beitragszahler weiter zugenommen hat, können die Renten in diesem Jahr deutlich steigen."

Der Sozialverband VdK Deutschland wies hingegen auf die Situation von Menschen mit Minirente hin. "Einer 74-jährigen Rentnerin aus Berlin geht es wie hunderttausenden bundesweit: Ihre Rente von nur 550 Euro erhöht sich jetzt auf etwa 570 Euro, sagte Präsidentin Verena Bentele. Sie pochte darauf, dass die geplante Grundrente nun auch kommt. Die Aufwertung kleiner Renten müsse wie von Heil vorgesehen ohne Bedürftigkeitsprüfung erfolgen. "Das Thema steht auf der Agenda", bekräftigte eine Ministeriumssprecherin. Die Union will die Grundrente hingegen nur für jene, die sie auch brauchen. Trotz der zunächst guten Renten-Zeiten ist vor diesem Hintergrund also weiterer Streit in der Koalition über das Thema programmiert.

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