Sie sind hier:

Rentenkommission startet - Wie weiter mit der Rente?

Datum:

Immer weniger Beitragszahler, immer mehr Rentner - die Altersvorsorge in Deutschland steht unter Druck. Eine Rentenkommission soll nun Vorschläge für die Zukunft erarbeiten.

Rentner sitzen auf einer Bank
Das Rentenniveau wollen Union und SPD in den nächsten Jahren halten.
Quelle: dpa

Wie soll die Altersvorsorge in Deutschland langfristig abgesichert werden? Dazu will die Rentenkommission der Bundesregierung Vorschläge erarbeiten. Heute kommt sie erstmals in Berlin zusammen.

Bis 2020 soll sie einen Bericht vorlegen, in dem Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie die Rente nach 2025 gesichert werden kann. Hintergrund ist, dass es künftig deutlich weniger Beitragszahler, aber mehr Rentner und längere Rentenbezugszeiten geben dürfte. Denn in den kommenden Jahren geht die Generation der Babyboomer schrittweise in Rente, zugleich werden die Menschen immer älter. 

Bis 2025 wollen Union und SPD das Rentenniveau, also das Verhältnis von Rente zu Durchschnittseinkommen, auf dem heutigen Niveau von 48 Prozent halten. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Wir wollen die Alterssicherung für alle Generationen langfristig verlässlich und leistungsfähig ausgestalten." Die Kommission werde wichtige Impulse geben. Das Gremium besteht aus Vertretern der Sozialpartner, der Politik und der Wissenschaft. Heil hatte angekündigt, die Vorschläge noch in dieser Legislaturperiode gesetzlich umsetzen zu wollen.

IG-Metall fordert Kurswechsel

Zum Start der Kommission fordert die IG Metall einen Kurswechsel in der Rentenpolitik. "Die Kommission muss liefern, um das Vertrauen in die gesetzliche Rente zu sichern", sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Die Gewerkschaft verlangt das Rentenniveau nicht nur zu stabilisierung, sondern in der Zukunft auch wieder anzuheben. Zur weitergehenden Finanzierung sollten alle Erwerbstätigen in die gesetzliche Alterssicherung einzahlen und Leistungen wie die Mütterrente aus Steuern finanziert werden.

Der Präsident des Sozialverbands Deutschland, Adolf Bauer, schrieb in einem Brief an die Rentenkommission: "Um die Lebensstandardsicherung in der gesetzlichen Rente wiederherzustellen, ist nach der beabsichtigten Stabilisierung des Rentenniveaus auf 48 Prozent eine stufenweise Anhebung auf die früheren 53 Prozent netto vor Steuern nötig."

Kritiker: "Schlechter Witz" und "Feigenblatt"

Kritische Töne kommen von der Opposition. Der FDP-Rentenexperte Johannes Vogel sagte: "Die rentenpolitische Reihenfolge der großen Koalition ist ein schlechter Witz." Zuerst sollten noch dieses Jahr Leistungsausweitungen verbindlich ins Gesetz geschrieben werden, die weit über diese Legislaturperiode hinaus reichen würden. "Und dann darf die heute beginnende und bis 2020 tagende Rentenkommission sich Gedanken machen, wie das in Zukunft finanziert werden soll."

Auch der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen fürchtet, dass die neue Rentenkommission am Ende nur zum Feigenblatt für eine verfehlte Rentenpolitik werde, wie er dem "Handelsblatt" sagte. Der Paritätische Wohlfahrtsverband erwartet von der Kommission keine Lösungen, "die den Menschen wirklich helfen". Der Auftrag an die Kommission sei zu eng gefasst und der politisch vorgegebene finanzielle Spielraum viel zu gering. 

Mit 69 in Rente?

Keine Denkverbote - das fordert die deutsche Versicherungswirtschaft von der Kommission. Sie plädiert für eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters. Eine Erhöhung auf 68 oder 69 Jahre ab 2030 beziehungsweise 2040 dürfe angesichts einer steigenden Lebenserwartung nicht tabu sein, sagte Peter Schwark vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Dienstag in Berlin. 

Das Absicherungsniveau der gesetzlichen Rente könne künftig höher gehalten werden, und die Beiträge müssten nicht zu stark steigen, wenn die Menschen etwa bis 69 arbeiten, sagte Oliver Ehrentraut vom Institut Prognos, das die Entwicklung im Auftrag des GDV untersucht hatte.

Prognos und GDV stellten einen "Rentenminister" vor - einen Rechner im Internet - mit dessen Hilfe sich jeder Interessierte die Wechselwirkungen von Rentenhöhe, Beitragssätzen, Renteneintrittsalter und Bundeszuschuss darstellen lassen kann.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.