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Karawane im Süden Mexikos - Auf dem Weg ins gelobte Land

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Die Flüchtlingskarawane aus Honduras ist inzwischen im Süden Mexikos eingetroffen und kommt voran. Ein Besuch bei den Menschen im Bundesstaat Veracruz.

Lorena und ihre Tochter hoffen auf ein besseres Leben in den USA.
Lorena und ihre Tochter hoffen wie alle Flüchtlinge der Karawane auf ein besseres Leben in den USA.
Quelle: ZDF/Tobias Käufer

"In Honduras ist die Lage aussichtslos", sagt Lorena (24). "Ich will, dass es meine Tochter einmal besser hat." Gemeinsam mit ihrem kleinen Mädchen sowie zwei Freundinnen hat sich die junge Mutter der Migrantenkarawane aus Honduras angeschlossen. "Wir haben davon bei Facebook gelesen. Woher der Aufruf stammt weiß ich auch nicht."

Viele Hintergründe der Migrantenkarawane sind unklar, es gibt Nichtregierungsorganisationen wie "Pueblo sin Fronteras" (Volk ohne Grenzen), die legale Migrationsrouten durchsetzen wollen und als inoffizielle Sprecher der Karawane gelten.

Hoffnung auf eine Chance in den USA

Die Friedensfahne als Symbol: Jose will Präsident Trump überzeugen, dass die Migranten mit guten Absichten kommen.
Die Friedensfahne als Symbol: Jose will Präsident Trump überzeugen, dass die Migranten mit guten Absichten kommen.
Quelle: ZDF/Tobias Käufer

Doch einigen Migranten ist die politische Instrumentalisierung nicht ganz geheuer. "Ich respektiere Donald Trump und seine Entscheidungen. Er will nur Gutes für sein Land. Ich hoffe trotzdem, dass er uns eine Chance gibt, zu beweisen, dass wir hart arbeiten können", sagt Jose (34), der mit einer weißen Friedensfahne über die Straßen Mexikos marschiert. "Als Zeichen dafür, dass wir friedliche Absichten haben. Wir sind keine Kriminellen", sagt der Mann, der zwei Töchter in Honduras zurückgelassen hat. "Für sie nehme ich das alles auf mich. Sie sollen eine Chance bekommen."

In ihrer Heimat sehen die meisten Migranten, die sich dieser Karawane angeschlossen haben, keine Chance. Begonnen hat alles vor gut zwei Wochen in der honduranischen Großstadt San Pedro Sula, eine der gefährlichsten Städte weltweit. Erst via sozialer Netzwerke, dann berichteten das Fernsehen und die Zeitungen darüber. Immer mehr Leute fassten spontan den Entschluss, ihre Heimat zu verlassen, um zu versuchen, in die USA zu gelangen. Nicht wenige hatten sogar eine Arbeit, wie Lorena: "Aber ich habe so wenig verdient, es hat nicht gereicht. Nicht einmal ansatzweise."

Unterwegs auf einem LKW: Die Migranten nutzen jede Möglichkeit um in Richtungen Norden zu kommen.
Die Migranten nutzen jede Möglichkeit um nach Norden zu kommen.
Quelle: ZDF/Tobias Käufer

Nun ziehen sie weiter. Die Karawane wird zumindest im Süden Mexikos getragen von einer Welle der Unterstützung. Zwar gibt es auch ablehnende Reaktionen, wie die des Bürgermeisters der Ortschaft Matias Romero in Oaxaca. Laut Hilfsorganisationen stellte er bewusst nur einen Sportplatz als Rastplatz zur Verfügung stellte. So mussten die Menschen unter freiem Himmel schlafen. Am nächsten Tag dürfen die Migranten rund 100 Kilometer weiter in einem Gemeindezentrum übernachten. Zwar auf Betonboden, dafür mit einem Dach über dem Kopf.

Einheimische helfen Flüchtlingen

Die Einheimischen aber unterstützen die Karawane: Kinder werfen den Migranten Obst zu, kleine Nachbarschaftsgruppen organisieren ehrenamtliche Verpflegungsstätten. Trotz der Strapazen sind die Migranten deshalb bei ihrer Etappe von Oaxaca nach Veracruz verhältnismäßig gut gelaunt. Vor allem, weil die Angst abfällt. Denn der Süden Mexikos ist berüchtigt für seine Verbrechen an Migranten.

Viele hatten bisher alleine auf sich gestellt die Flucht angetreten und waren Opfer krimineller Banden geworden. Frauen wurden in die Zwangsprostitution gezwungen, es gab Entführungen und Überfälle. Die Karawane aber bietet Schutz, weil das mediale Interesse enorm ist.

Die mexikanische Regierung hat sich entschieden, den Migranten einen Schutz zu bieten, den es so bislang noch nicht gab. Sie lässt die Bundespolizei entlang der Strecke kontrollieren und zeigt Präsenz, kirchliche Gruppen bauen an den Etappenzielen mobile Krankenstationen auf, das Rote Kreuz sammelt jene Migranten auf, die wegen der starken Hitze und der Anstrengung nicht mehr weiterkönnen. Vor allem kleine Kinder leiden enorm unter den Anstrengungen.

Solidarität innerhalb der Gruppe

Dass US-Präsident Donald Trump den Migranten die Einreise verweigern will, verdrängen die meisten Flüchtlinge. Im Vordergrund steht der nächste Tag, das nächste Ziel, die nächste Transportmöglichkeit. Und es wächst in der Gruppe die Solidarität. Keiner wird zurückgelassen, in der Not rücken die Menschen zusammen.

Auch Lorena fühlt sich als Frau sicher. Bislang habe sie noch von keinen Übergriffen gegen über Frauen und Mädchen aus dieser Karawane erfahren. Trotzdem hängt über allem die Frage, wie es weitergehen soll, wenn es tatsächlich nicht klappen sollte mit der Einreise in die USA. "Mexiko ist eine Alternative", sagt Lorena. "Aber die USA haben Priorität."

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