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Voss gegen Beckedahl - Mr. Uploadfilter besucht seine Hater

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Das Internet soll verbinden, aber oft trennt es auch. Die Älteren verstehen nicht mehr, was die Jüngeren machen. Das hat Folgen, wie auf der re:publica zu beobachten ist.

Streitgespräch: Axel Voss (links) und Markus Beckedahl (rechts) auf der re:publica

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Eigentlich will das niemand. Hier die Alten, die keine Ahnung haben. Da die jungen Netzauskenner. Große Mühe gibt sich in diesem Jahr die Digitalkonferenz re:publica in Berlin, um die digitale Kluft zwischen den Generationen nicht größer werden zu lassen. Beim zweitägigen Netzfest vor Beginn der Konferenz am Montag haben die Jungen den Älteren Instagram erklärt. Und wo und warum GIFs nie fehlen dürfen, was diese ganzen Abkürzungen bedeuten. Und trotzdem ist sie eben da, diese Kluft.

Erwachsenen-Eingang geradeaus, gelbes Schild. U21 nach rechts, blaues Schild. Die Ticon-Messe für unter 21-Jährige findet zwar diesmal zeitgleich zur re:publica und direkt nebenan statt, aber die Jungen sollen unter sich bleiben dürfen. In dem Gebäude gibt es eine Etage, zu der die Erwachsenen keinen Zutritt haben. Hier wird das erdaddelt, erdacht, erfunden, was später auf dem Netzfest und nebenan den Älteren erklärt werden muss. Das hat jetzt schon Folgen. Beispiel: der Streit um die Urheberrechtsreform, kurz: der Streit um Uploadfilter.

Mit der Schrotflinte auf Youtube

Axel Voss ist für viele das Gesicht für die digitale Kluft zwischen den Generationen. Er ist Mr. Upload-Filter. Der CDU-Abgeordnete im Europaparlament ist hauptsächlich dafür verantwortlich, dass kürzlich eine Richtlinie des Urheberrechts in der EU geändert wurde. Damit sollen große Internetplattformen wie Youtube künftig verpflichtet werden, die Rechte von Urheber besser zu schützen. Kleinere Plattformen, fürchten Kritiker, könnten damit aber völlig ausgebremst werden. Weil, so die Kritiker, bei der Umsetzung dieser Richtlinie auf nationaler Ebene verstärkt Uploadfilter eingesetzt und alles, was urheberrechtlich bedenklich ist, blockiert werden könnte. Tausende sind gegen diese Reform deswegen auf die Straße gegangen, immer mit dem Vorwurf: Ihr Politiker macht uns unser Internet kaputt. Axel Voss wusste, dass er bei der re:publica eher weniger auf Fans trifft. Er ist trotzdem gekommen.

Weil er, wie er den fast 700 Zuhörern sagt, jetzt endlich einmal die Möglichkeit habe, "vernünftig zu erklären, warum wir das gemacht haben". Auch nach gut 30 Minuten Diskussion mit Markus Beckedahl, Mitbegründer der re:publica und Gegner der Reform, dürften allerdings die wenigsten viel schlauer als vorher gewesen sein. Einbetoniert bleiben die Positionen. Die von Beckedahl, das EU-Parlament hätte "mit der Schrotflinte auf Youtube geschossen und damit das halbe Internet mitgetroffen". Die Ausnahmen, die für kleinere Plattformen gelten sollen, seien unrealistisch, so Beckedahl. Und wenn Youtube einen urheberrechtlich geschütztes Bild zum Beispiel identifiziert, wer bekommt dann die Lizenzgebühren: der Urheber des Bildes oder der, der es hochgeladen hat? Und wo meldet man seine Anspruch auf Lizenzgebühren eigentlich an?

"Wie soll man es denn sonst machen?"

Lauter Fragen, die Voss auch nicht beantworten kann. Und mit einer Gegenfrage beantwortet: "Wir soll man denn es sonst machen?" Wer das Urheberrecht wolle, könne zu keiner anderen Regelung kommen. "Ich stehe hinter dem, was wir gemacht haben." Die Richtlinie sei eine "absolut arbeitsfähige Grundlage", man könne nicht jede Einzelheit darin regeln. Da lachen viele Zuhörer, aber Voss lässt sich nicht beirren. "Wir machen nur eine europäische Richtlinie." Wie die jetzt nun in den einzelnen Ländern umgesetzt werde, sei Sache vor Ort. Und das sei doch "eine schöne Chance, dass sich alle einbringen". Und seinen Kritikern wirft er vor, dafür noch "keinen praktischen Vorschlag" gehört zu haben. "Ich bin doch nicht der Politiker“, ruft ihm Beckedahl da zu. Ein Zwischenruf, der im Gelächter fast wieder untergeht.

Voss ist Rheinländer, und sein fröhliches Gemüt scheint so schnell nicht zu erschüttern zu sein. Dazu steht er noch im Wahlkampf, Ende Mai wird ein neues EU-Parlament gewählt. "Die CDU und die EU haben mehr zu bieten als Artikel 13", sagt er auf die Frage, wie er den Frust der jungen Generation wegen dieser ganzen Geschichte denn wieder gut machen will. Auf die Proteste, ist er sich sicher, habe man ausreichend reagiert, der User werde keine großen Veränderungen spüren. Wenn es dennoch "zu Verwerfungen" kommen sollte, dann müsse man eben schnell reagieren, sagt Voss. Zwischen dieser Novelle des Urheberrechtes und der vorigen lagen 16 Jahre. "Lass Sie uns weiter dranbleiben.“ Am Ende reichen sich Beckedahl und Voss trotzdem die Hand. Immerhin: Hoffnung bleibt, dass sich die Kluft schließen könnte.

Wenn alle wischen

Wirksamer könnte aber dafür auch etwas anderes sein. Nebenan, bei der Ticon-Messe für die unter 21-Jährigen, erklärt Bundesfamilienministerin Franziska Giffey bei einer Fragestunde, dass sie für das Wahlrecht ab 16 Jahren ist. Also zwei Jahre früher als heute. "Menschen", sagt Giffey, "sind auch mit 16 Jahren in der Lage, eine politische Position zu vertreten."

Für mehr Verständnis untereinander scheint das aber keine Garantie zu sein. Selten noch fährt die Ministerin U-Bahn. Wenn aber, "da kann dann auch ein großer Elefant in der U-Bahn fahren. Es merkt ja keiner", sagt Giffey. "Es wischen alle.“

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