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"Living Planet Report 2018" - Ressourcenverbrauch ungebremst

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Geplündert, geschunden, gefährdet - es steht schlecht um den Zustand der Erde. Der "Living Planet Report 2018" präsentiert die neuesten Ergebnisse des globalen Gesundheitschecks.

Viele Fischarten sterben aus, weil zu große Mengen gefangen werden.
Viele Fischarten sterben aus, weil zu große Mengen gefangen werden.
Quelle: dpa

Es hat etwas von einem alljährlichen Gesundheits-Check. Der WWF International stellt unsere Erde auf den Prüfstand und fasst die Ergebnisse in einem Bericht zusammen. Dabei geht es um fünf Bedrohungsfaktoren:

  • Verlust von Lebensräumen
  • Übernutzung von Arten
  • Umweltverschmutzung
  • Invasion von Arten und Krankheiten
  • Klimawandel

Ergebnisse ernüchternd

Aus der Auswertung des Ist-Zustandes entsteht der "Living Planet Index". Dieser kann als Gradmesser für den weltweiten ökologischen Gesundheitszustand der Erde bezeichnet werden. Der Report wird seit 1998 veröffentlicht. Nun liegt die 12. Ausgabe vor. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Ökologisch gesehen ist die Erde am Tiefpunkt angelangt. Denn die Menschheit verbraucht 70 Prozent mehr Ressourcen als die Erde bereithält. "Unser Lebensstil ist wie Kettenrauchen und Komasaufen auf Kosten des Planeten", sagt Jörg-Andreas Krüger vom WWF Deutschland.

Besonders stark schrumpfen die Bestände von Säugetieren, Vögeln, Fischen Amphibien und Reptilien in Süd- und Zentralamerika. Dort sank ihr Bestand um 89 Prozent gegenüber den Erhebungen im Jahr 1970. Auch deutsche Konsumenten tragen eine Mitschuld an dieser Entwicklung. Für unseren Lebensstil werden Wälder gerodet und Flüsse verschmutzt.

Beispiel Sojaanbau: In der Gran Chaco-Region - dazu gehören der Norden Argentiniens, der Westen Paraguays sowie der Südosten Boliviens - werden Tausende Hektar Urwald gerodet, um Flächen für den Sojabohnenanbau zu schaffen. Soja - ein wesentlicher Bestandteil des Tierfutters - wird in Monokulturen angebaut. Das laugt die Böden aus. Zudem gelangen Pestizid- und Düngemittelrückstände in die Flüsse. Der Report fordert daher EU-weite Nachhaltigkeitskriterien für importierte Agrarrohstoffe sowie die Einrichtung eines Fonds für die Wiederaufforstung der Wälder. Das Jahresbudget dafür müsse mindestens 100 Millionen Euro betragen.

Plastikwelt mit Nebenwirkung

Sorge bereitet den Autoren des Reports auch die weltweit wachsende Plastikflut in den Ozeanen. Jörg-Andreas Krüger vom WWF kommentiert das Ergebnis der Analyse schonungslos: "Deutschland und die EU sind gefordert, mit gutem Beispiel voran zu gehen, mit Recyclingvorgaben für Lebensmittelverpackungen oder strikten Regelungen für Mikroplastik." Immerhin hat das EU-Parlament am 24. Oktober 2018 ein umfassendes Verbot von Einweg-Plastikprodukten in der Europäischen Union auf den Weg gebracht. Mit 571 zu 53 Stimmen votierten die Abgeordneten für einen Vorschlag, dem zufolge Produkte wie Plastikstrohhalme und Plastikteller ab 2021 nicht mehr verkauft werden dürfen. Die genaue Verbotsliste und weitere Details müssen allerdings noch mit den EU-Mitgliedsstaaten erarbeitet werden.

Hoher Flächen- und Ressourcenverbrauch

Die menschlichen Einflüsse auf Boden und Wasser nehmen ungebremst zu. Dazu zählen Bereiche wie Stadtbevölkerung, Bau von Staudämmen, Verkehr, Wasserverbrauch, Meeresfischfang und internationaler Tourismus. Doch all deren Vorteile und positiven wirtschaftlichen Effekte gehen immer auch auf Kosten der Natur, der Artenvielfalt und der Funktionsfähigkeit der Ökosysteme.

So attestiert der "Living Planet Report 2018" schließlich, dass die Überbeanspruchung der Erde in dem jetzigen Ausmaß nicht mehr von Dauer sein kann. "Viel Zeit bleibt nicht mehr für die Trendwende, aber sie ist machbar", meint WWF-Experte Krüger. "Dazu müssen wir national und international mutiger und konsequenter handeln."

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