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Anlegeverbot für "Lifeline" - Rettungsschiff mit Flüchtlingen auf Irrfahrt

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Die "Lifeline" irrt übers Mittelmeer. Italien droht, die Besatzung festzunehmen, sollte sie anlegen. Weil auch Malta abwinkt, versucht ein weiteres Land nun wohl zu vermitteln.

Das Schiff Lifeline mit 200 Flüchtlingen an Bord versucht, einen Hafen zu finden, in dem es anlegen darf. Zuvor wurde von Italien und Malta die Hafeneinfahrt verweigert.

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Erneut ist ein Rettungsschiff mit vielen Flüchtlingen an Bord auf Irrfahrt auf dem Mittelmeer. Sowohl Italien als auch Malta verweigerten dem Schiff "Lifeline" der deutschen Organisation Mission Lifeline die Einfahrt in einen Hafen. Italiens Innenminister Matteo Salvini drohte Hilfsorganisationen mit der Beschlagnahmung ihrer Schiffe und der Festnahme der Besatzung. Flüchtlinge nannte er dabei "Menschenfleisch". Unterdessen starben nach Angaben des UN-Flüchtlingswerkes binnen weniger Tage bei mehreren Unglücken etwa 220 Menschen im Meer.

Die "Lifeline" hatte am Donnerstag nach eigenen Angaben mehr als 200 Flüchtlinge in internationalen Gewässern gerettet. Italien und Malta sehen das jedoch anders und schieben sich die Zuständigkeit zu. Weder habe Malta die Rettung koordiniert, noch sei es die zuständige Stelle dafür, sagte ein Regierungssprecher am Freitagabend in Valletta. Die Rettungsaktion habe zwischen Libyen und der italienischen Insel Lampedusa stattgefunden. Italiens Verkehrsminister Danilo Tonanelli, zuständig für die Häfen des Landes, warf Valletta dagegen "Verantwortungslosigkeit" vor. Andere private Retter hatten erst gar keine Flüchtlinge aufgenommen, weil sie davon ausgingen, dass sie nirgends landen dürfen.

Hilfe durch Spanien?

Die Hilfsorganisation drängt derweil auf eine Lösung der Situation. "Das Schiff liegt vor Malta in internationalen Gewässern", sagte Lifeline-Sprecher Axel Steier dem Evangelischen Pressedienst. Inzwischen liefen diplomatische Verhandlungen zwischen mehreren Ländern, unter anderem zwischen Malta und Spanien, so Steier. Spanien hatte kürzlich das Rettungsschiff "Aquarius" mit 629 Menschen an Bord nach tagelanger Irrfahrt in den Hafen von Valencia einlaufen lassen. Italien hatte dies verweigert.

Die Verhältnisse auf dem Schiff "Lifeline" seien sehr beengt, sagte Steier. Viele Menschen seien krank. "Sie brauchen dringend einen sicheren Hafen", betonte er. "Sie dürfen nicht länger auf dem Wasser hin- und hergeschickt werden." Zur Versorgung der Flüchtlinge müsse für 6.000 Euro ein zusätzliches Transportschiff eingesetzt werden, um Decken, Medikamenten, Lebensmitteln und Trinkwasser auf die "Lifeline" zu bringen.

Italiens Innenminister Salvini, Chef der fremdenfeindlichen Lega, kritisierte Mission Lifeline mit deutlichen Worten. Die NGO aus Dresden hätte die Anweisungen der Behörden, dass die libysche Küstenwache die Menschen aufnehme, ignoriert. "Sie riskieren das Leben der Migranten auf den Schlauchbooten, hören nicht auf die italienischen und libyschen Behörden und intervenieren, um diese wertvolle Ware von Menschen - von Menschenfleisch - an Bord zu laden." Für ihn sind die NGOs "Vize-Schlepper", die Geld mit den Flüchtlingen machen wollen.

Rettungsboote brechen Missionen ab

Unklarheit gibt es auch über die Beflaggung des Schiffes: Während Mission Lifeline angibt, es fahre unter niederländischer Flagge, wiesen das die dortigen Behörden zurück. Seenotretter sehen einen direkten Zusammenhang zwischen den vielen Toten und der Abweisung privater Rettungsboote in Italien. "220 Menschen sterben innerhalb von drei Tagen und Matteo Salvini redet von 'Menschenfleisch', verheerend", twitterte die deutsche Organisation Sea-Eye, die ihre Rettungsmission im Mittelmeer mittlerweile abgebrochen hat.

Nach Angaben des UNHCR steigt die Zahl der Toten im Mittelmeer seit Anfang des Jahres mit den geschätzten 220 Toten der vergangenen Tage nun auf über 1.000. Unter anderem am Dienstag war ein Holzboot gesunken. Nach Schätzungen sollen 100 Menschen an Bord gewesen sein, aber nur fünf hätten das Unglück überlebt. Die libysche Küstenwache habe sie gerettet. Am selben Tag sei ein Gummiboot mit 130 Menschen an Bord gesunken. Fischer hätten nur 60 der Bootsinsassen retten können. Am 20. Juni hätten andernorts auf See gerettete Flüchtlinge und Migranten von 50 Mitreisenden berichtet, die ertrunken seien.

Viele Flüchtlinge sitzen in Libyen fest, wo sie nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen Folter und Vergewaltigungen ausgesetzt sind. Für die meisten Flüchtlinge ist es keine Option, aus Libyen in ihre Heimatländer zurückzukehren, weshalb sie trotz schlechter Aussichten den Weg übers Mittelmeer wagen. Vor allem im Sommer legen viele Boote aus dem Bürgerkriegsland Libyen ab. Die libysche Küstenwache nahm zum Beispiel am Donnerstag innerhalb eines Tages nach eigenen Angaben 680 Flüchtlinge im Mittelmeer auf.

Italien hat erneut einem Schiff, das Flüchtlinge aus Seenot gerettet hat, das Anlegen in seinen Häfen untersagt. An Bord der "Lifeline" sind mehr als 200 Menschen.

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