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Energiewende - Rettungsschirm fürs Klima gefordert

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Vorschlag der Hamburger Stiftung World Future Council beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos: Institutionen wie Zentralbanken sollen eine Art Rettungsschirm fürs Klima aufspannen.

Archiv: Eisbrocken brechen vom Perito-Moreno-Gletscher ab, aufgenommen am 10.03.2016 in El Calafate (Argentinien)
Archiv: Eisbrocken brechen vom Perito-Moreno-Gletscher ab, aufgenommen am 10.03.2016 in El Calafate (Argentinien) Quelle: ap

In der Finanzkrise 2008 waren Staaten und Regierungen eingesprungen, um eine Kernschmelze des Finanzsystems zu verhindern: Sie stützten und retteten Banken vor dem Kollaps. Eine vergleichbare Situation sieht der World Future Council aktuell in Bezug auf die Energiebranche: "Eines der Hauptprobleme unserer Zeit ist, dass in der fossilen Energieindustrie zahlreiche Vermögenswerte versteckt sind, die vom notwendigen schnellen Ausstieg aus der fossilen Wirtschaft bedroht sind - also quasi entwertet werden", sagt Matthias Kroll, Chefvolkswirt der Hamburger Stiftung. Investoren, die ihr Geld in Unternehmen aus dem Bereich fossiler Energien gesteckt haben, werden auf dem Weg zu erneuerbaren Energien also empfindliche Wertabschläge hinnehmen müssen. Das ist die eine Seite des Risikos für das Finanzsystem.

Teufelskreis für Energiewirtschaft

Die andere birgt der Klimawandel selbst: Sollte das Umstellen auf erneuerbare Energien nicht oder nicht schnell genug geschehen, dürften die Pariser Klimaziele nicht zu erreichen sein. Das wiederum birgt Risiken beispielsweise für Versicherungen, die für Klimaschäden aufkommen müssen. Ein klassisches Dilemma: "Der Verzicht auf einen schnellen Ausstieg aus der fossilen Wirtschaft führt ungebremst in die Klimakatastrophe", sagt Kroll. Der schnelle Umstieg auf erneuerbare Energien aber führe dazu, dass "gigantische Vermögenswerte in einem Tempo entwertet werden, was ebenfalls zu systemischen Risiken in der Ökonomie führt".

Sein Lösungsvorschlag: eine Hilfsaktion ähnlich der Bankenrettung während der großen Finanzkrise. "Giftige" Teile und Werte von Unternehmen aus den alten Zeiten der fossilen Energiegewinnung könnten gebündelt und durch Institutionen wie Zentralbanken aufgekauft werden. Bedingung dieses Modells: Die durch den Verkauf erzielten Gewinne müssten vollständig in Investitionen in erneuerbare Energien fließen. Damit würde ein Anreiz geschaffen, die Energiewende voran zu bringen. "Die grundlegende Idee dahinter ist extrem attraktiv", sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Diba. "Weil es um die Frage geht: Wie schaffe ich es, den Klimawandel zu unterstützen und Unternehmen soweit zu bekommen, dass sie sich vermehrt auf Erneuerbare Energien konzentrieren?"

Steuerzahler langfristig belastet

Allerdings stellt sich die Frage, was dann mit den Altlasten geschieht. Denn gebündelte Wertpapiere, die am Ende das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt waren, hatten den US-Hypothekenmarkt in Schieflage gebracht - und sie waren der Auslöser der darauf folgenden Finanz- und Wirtschaftskrise. "Wenn man einfach nur Schrott bündelt, dann wird daraus nicht Gold", sagt Brzeski. Matthias Kroll sieht dieses Problem weniger. Denn in den Bilanzen von Zentralbanken könnten solche toxischen Papiere theoretisch ohne größere Probleme lagern. "Zentralbanken können auch mit negativem Eigenkapital 100 Jahre alt werden - insofern wäre der Steuerzahler wenig belastet."

Bleibt das Problem des Moral Hazard, also der moralischen Versuchung oder des moralischen Irrweges. Denn eine Abnahme solcher Altlasten würde Fehlinvestitionen oder eine zu zögerliche Reaktion auf die Energiewende am Ende belohnen. "Das ist schon richtig", meint auch Matthias Kroll. "Aber wir stehen vor der Frage, ob wir das 1,5-Grad-Ziel schaffen oder nicht. Da muss man sich neue Ideen ausdenken."

Notenbanken wie die Europäische Zentralbank allerdings dürften dankend ablehnen - zumal ein solcher Schritt erst einmal nicht in ihre Aufgabe fällt. "Es ist nicht die Aufgabe der EZB, Unternehmen zu retten, auch keine Banken. Also wird da aus dem Euro Tower ein ganz klares Nein kommen", vermutet Carsten Brzeski. Aber die Idee, auf hoher politischer und wirtschaftlicher Ebene Anreize zu schaffen, um den Klimawandel zu stoppen - ein solches Projekt könnte dem Wandel hin zu erneuerbaren und zukunftsträchtigen Energien durchaus einen Schub verleihen, ist er überzeugt.


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