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Roboter in der Pflege - Die Autonomie muss erhalten bleiben

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Roboter können den Pflegenotstand in Deutschland mildern. Was wir dabei beachten müssen und welche Aufgabe der Gesetzgeber hat, erläutert Indra Spiecker genannt Döhmann.

Demenzkranke mit Roboter
Quelle: ZDF

heute.de: Von wem würden Sie sich lieber versorgen lassen? Von einem Pflegeroboter, der Sie morgens mit einem freundlichen "Guten Morgen" begrüßt, oder von einem übellaunigen Pfleger, der aus Zeitnot, morgens noch nicht mal ein Lächeln für Sie hat?

Indra Spiecker genannt Döhmann: Man muss darüber nachdenken, wo ein Pflegeroboter sinnvoll sein kann und wo nicht. Schon heute werden Roboter eingesetzt, beispielsweise wenn Pflegerinnen und Pfleger schwer heben müssen. Wenn ein Behinderter schwimmen geht, wird er über einen automatisierten Rollstuhl ins Wasser gelassen.

heute.de: Das sind aber nur klassische Hilfsfunktionen.

Spiecker: Sie sind unproblematisch und wichtig - übrigens auch zur Entlastung des Pflegepersonals. Umfragen haben ergeben, dass es Patienten durchaus schätzen, wenn Pflege, sogar im Intimbereich, durch einen Roboter gemacht wird, weil dieser scheinbar neutral ist. Der Eingriff in die Privatsphäre wird nicht so deutlich empfunden wie durch einen Menschen, der mich nackt und hilfsbedürftig erlebt. Aber die Zuwendung und die individualisierte Kontrolle des Gesundheitszustandes eines Patienten kann der Roboter nicht übernehmen.

heute.de: Den Gesundheitszustand könnte eine Pflegerin heute schon mit einem mobilen Computer kontrollieren, der mit Kameras und Sensoren in der Wohnung eines alten Menschen verbunden ist. Wäre das überhaupt rechtens?

Spiecker: Angesichts des Pflegenotstandes und dass wir ja alle lange in unseren vier Wänden bleiben wollen, kann ein alter Mensch in einem Smarthome tatsächlich gut ergänzend betreut werden. Aber er kann auch überwacht und manipuliert werden mit Hilfe der dort gewonnenen Daten. Darin liegt eine Gefahr. Der Datenschutz gebietet, dass kein Mensch total überwacht wird.

heute.de: Heute ist es bereits möglich, Pflegebots äußerlich wie Menschen aussehen zu lassen. Manche Wissenschaftler halten das für ethisch bedenklich. Warum?

Spiecker: Die Akzeptanz von Computern steigt, wenn sie wie Menschen aussehen. Das ist gut, wenn wir ihn in der Pflege einsetzen wollen, weil er einem alten, vielleicht dementen Menschen keine Angst einjagt. Befürchtungen gibt es, weil speziell bei Dementen oftmals wegen der Vermenschlichung nicht mehr erkannt wird, dass es sich tatsächlich um einen Roboter handelt. Im Grunde ist es aber egal, wie er aussieht, weil es auf die Technik innen drin ankommt. Auf keinen Fall darf er dem Menschen dessen Autonomie rauben oder ihn manipulieren.

heute.de: Wie kann eine Manipulation aussehen?

Spiecker: Im Computer sind immer standardisierte Werte, mit dem ein konkreter Mensch und sein Verhalten abgeglichen wird. Möglicherweise hat eine Person schon Zeit ihres Lebens kalte Hände - der Computer meldet es dennoch als bedenklich, weil es dem Standard nicht entspricht. In Wirklichkeit ist es keine bedrohliche Situation und doch wird vielleicht eine Behandlung verordnet.

heute.de: Wo wird es datenschutzrechtlich grenzwertig?

Spiecker: Spätestens wenn die Autonomie uneinholbar eingeschränkt wird, selbst wenn dahinter eine gut gemeinte Absicht steckt. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir uns anders verhalten, wenn wir wissen, dass wir beobachtet werden. Deswegen kann der Einsatz von Computern die Situation verfälschen. Interaktive Systeme sind viel sinnvoller, weil sie dem Einzelnen erlauben, Technik nicht zu nutzen. Dazu gehört beispielsweise eine Kamera, die nicht ständig angeschaltet ist, sondern die vom Patienten oder Pflegebedürftigen aktiv und in wechselseitiger Kenntnis zugeschaltet werden kann.

heute.de: Haben wir hierzulande dafür schon die passenden Gesetze und die nötige Aufklärung?

Spiecker: Das Recht hinkt der technischen Entwicklung noch hinterher; die Politik ist wenig sensibilisiert. Leider wird das Thema Gesundheitsrobotik bislang noch zu wenig beachtet, obwohl darin wirtschaftlich und sozial riesige Potenziale liegen. Es wird sich etwas verbessern, wenn im kommenden Mai die europäische Datenschutzgrundverordnung in Kraft tritt. Die Rechtfertigungshürden für die Verarbeitung von Gesundheitsdaten werden höher, beispielsweise bei der Kontrolle der Medikamenteneinnahme.

heute.de: Sollte nicht jeder Mensch selbst entscheiden dürfen, welche Medikamente er nehmen will oder nicht?

Spiecker: Die Dunkelziffer all jener Patienten, die verschriebene Medikamente in der Apotheke zwar abholen, aber nicht einnehmen, liegt bei 30 bis 40 Prozent. Das ist für das Solidarsystem der Krankenversicherung ein teurer Spaß, vor allem, wenn die Medikamente sehr kostspielig sind, wie zum Beispiel bei solchen gegen Rheuma oder andere Immunerkrankungen mit 30.000 Euro Kosten oder mehr im Quartal. Wenn der Patient das Rezept einlöst, das Medikament aber nicht einnimmt, sollte man über digitalisierte Kontrolle in einem gewissen Rahmen und unter engen Voraussetzungen vielleicht doch nachdenken.

heute.de: Damit stirbt jedes Vertrauen.

Spiecker: Natürlich ist es viel besser, zunächst einen kommunikativen Ansatz zu wählen. Patienten akzeptieren Medikamente besser, wenn sie verstanden haben, warum sie diese nehmen sollen. Dafür haben die meisten Ärzte aber keine Zeit mehr, dafür werden sie nicht bezahlt und auch nicht ausgebildet. Die Technik soll das dann heilen. Wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte darüber, wie viel Verantwortung der Einzelne für das Solidarsystem tragen sollte. Das darf natürlich niemals dazu führen, dass wir die Autonomie einer Person antasten und bringt uns zur Eingangsfrage zurück: Wenn ich vor der Entscheidung stehe, ob ich mich von einem Pflegebot versorgen lasse möchte oder einer übellaunigen Pflegerin, muss ich auch in Zukunft in bestimmten Bereichen die Pflegerin wählen können, wenn ich das will.   

heute.de: Umfragen zeigen, dass die Deutschen sehr vorsichtig mit ihren Gesundheitsdaten sind. Selbst bei vollständiger Datensicherheit würde nicht mal die Hälfte der Befragten ihre Gesundheitsdaten ihrer Krankenkasse zur Verfügung stellen. Woher kommt dieses Misstrauen?

Spiecker: Es gibt offenbar in der Bevölkerung ein durchaus berechtigtes Empfinden, dass die Kenntnis von Gesundheitsdaten heikel sein kann. Eine Krankenversicherung, ein Arbeitgeber, ein Vermieter, ein Vertragspartner hat fast immer das Interesse, möglichst viel von ihren Patienten zu wissen, um das eigene wirtschaftliche Risiko minimieren zu können.

heute.de: Soll man die Deutschen dafür loben, dass sie so vorsichtig sind?

Spiecker: Im Prinzip ja. Leider stimmt die Vorsicht aber nicht mit der Praxis überein. Viele nutzen zum Beispiel einen Fitness-Tracker und speisen ihre Daten, die sehr viel über ihren Alltag aussagen, unter sehr unsicheren Bedingungen ins Internet ein. Sie tun das auch aus einem Gefühl der Ohnmacht heraus, dass sie selbst ihre Daten gar nicht mehr schützen können.

heute.de: Wer kann sie schützen?

Spiecker: Der Einzelne kann die Risiken der digitalen Technik nicht umfassend beherrschen. Der Gesetzgeber muss die Digitalisierung im Gesundheitswesen regulieren und den Schutz von Patienten und Versicherten durchsetzen. Außerdem brauchen wir starke, gut ausgestattete Aufsichtsbehörden und zum anderen eine Technik, die von vorneherein durch datenschutzfreundliche Voreinstellungen Missbrauch verhindert.

Das Interview führte Katharina Sperber.

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