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Neonazi-Treffen in Thüringen - Rechtsrock-Konzert in Mattstedt geplatzt

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3.000 Neonazis wollten sich heute im thüringischen Mattstedt versammeln. Doch daraus wird nichts. Die Veranstaltung wurde abgesagt. Viele Bewohner sind erleichtert.

An einem Polizeiauto ist die Anzeige "Konzert Mattstedt abgesagt!" zu lesen.
An einem Polizeiauto ist die Anzeige "Konzert Mattstedt abgesagt!" zu lesen.
Quelle: dpa

Das für Samstag im thüringischen Mattstedt geplante Neonazi-Rockfestival darf nicht stattfinden. Das Verwaltungsgericht Weimar bestätigte am Freitagabend ein von der Gemeinde ausgesprochene Nutzungs- und Betretungsverbot für das Gelände und wies damit einen entsprechenden Widerspruch der Organisatoren zurück. Dies sagte eine Gerichtssprecherin am Samstagmorgen auf Anfrage. Via Twitter kündigte die Polizei an, anreisende Versammlungsteilnehmer zurückzuweisen.

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Eigentlich wollte sich der Kern der deutschen Neonaziszene in Mattstedt zu einer der größten Neonazi-Veranstaltungen der Bundesrepublik versammeln. Der kleine Ort, der sich im Juni gerade erst für die 800-Jahr-Feier herusgeputzt hatte, geriet deswegen bundesweit in die Schlagzeilen.

Den Stellenwert des Treffens für die Neonazi-Szene spiegelte auch das Programm. Neben Reden von NPD-Funktionären und Mitgliedern freier Kameradschaften sollte es Auftritte diverser Szene-Bands geben. Darunter "Gigi & Die Braunen Stadtmusikanten". Deren Titel "Döner-Killer" erschien im Sommer 2010 auf der CD "Adolf Hitler lebt!". Im Liedtext werden neun Morde an Migranten bejubelt, es wird von "Angst und Schrecken am Dönerstand" gesungen. All das ein Jahr, bevor die Öffentlichkeit von den Morden erfuhr, die der selbsternannte Nationalsozialistische Untergrund (NSU) begangen hatte. 

Anmelder mit NSU-Verbindung

Steffen R., der Anmelder der Versammlung in Mattstedt, zählt zum Kern der Thüringer Neonazi-Szene, in der sich auch das NSU-Trio radikalisiert hatte. Der ehemalige NPD-Kreistagskandidat gilt seit vielen Jahren als Freund des gerade im NSU-Prozess zu zehn Jahren Haft verurteilten Ralf Wohlleben und als einer der Organisatoren einer Solidaritätskampagne, mit der Neonazis Freiheit für ihn forderten. Wohlleben gilt in der Neonaziszene als Held. Da das Urteil gegen ihn noch nicht rechtskräftig ist und er seit 2011 in Untersuchungshaft saß, ist er derzeit auf freiem Fuß.

Thüringen - Hotspot für Neonazi-Versammlungen

Veranstalter Steffen R. trägt auf seiner Lederkutte und seiner Mütze die Abzeichen der Neonazi-Kameradschaft "Turonen". Diese Gruppierung hat Erfahrung mit großen Konzerten für die rechtsextreme Szene. Maßgeblich waren Mitglieder der "Turonen" 2016 an der Organisation eines Konzertes im schweizerischen Unterwasser mit 5.000 Teilnehmern beteiligt. Hitlergrüße und Heil-Rufe inklusive. Szenebeobachter Christoph Lammert vom Verein MOBIT meint: "Das sind ganz klar gewalttätige, ideologisch gefestigte Neonazis." Mehrere Personen, die dem Umfeld der "Turonen" angehören, haben im Jahr 2012 in Ballstedt eine Kirmesgesellschaft überfallen und mehrere Menschen schwer verletzt. Der Prozess machte bundesweit Schlagzeilen.

Einwohner in Sorge

Tausende Neonazis, die sich am Rand des kleinen Ortes auf einem alten Fabrikgelände versammeln wollten - das versetzte viele Einwohner in Angst. Die meisten möchten gar nicht öffentlich über das Thema sprechen, erzählt Horst Sommer. Der 59-Jährige wohnt in Sichtweite des Geländes und sorgte sich, wie viele seiner Nachbarn, um sein Haus und um sein Grundstück. Den Hund wollte er an diesem Wochenende nicht rauslassen, seine Frau wollte auswärts schlafen. Viele Mattstedter fürchteten sich außerdem vor möglichen Ausschreitungen zwischen linksradikalen Protestgruppen und Neonazis.

Widerstand von "Wir für Mattstedt"

Aus Mattstedt und den umliegenden Städten haben sich Menschen zur Initiative "Wir für Mattstedt" zusammengeschlossen. Sie wollen ein Zeichen gegen rechtsextreme Hassmusik setzen - mit einer Fahrrad-Sternfahrt nach Mattstedt und einer "Straße der Demokratie". An den Protesten wollen die Gegner trotz Absage festhalten.

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