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Flüchtlingslager in Bangladesch - Rohingya-Kinder im Ort ohne Hoffnung

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Knapp 700.000 Rohingya sind im vergangen Jahr von Birma nach Bangladesch geflüchtet - viele von ihnen Kinder. Für logo! hat Jennifer Sieglar ein Flüchtlingslager besucht.

Jennie reist nach Bangladesch
Jennie reist nach Bangladesch und besucht dort ein Flüchtlingslager der Rohingya. In einem Online-Tagebuch berichtet sie von ihrem Erlebnissen. Quelle: ZDF

Es ist staubig, es ist heiß und es stinkt ein wenig nach Exkrementen. Bei meinem ersten Besuch in den Flüchtlingscamps der Rohingya in Bangladesch bin ich überwältigt von den Eindrücken. Egal in welche Richtung ich gucke, die Hütten gehen bis zum Horizont. Etwa 900.000 Menschen wohnen hier. Ein Teil lebt schon seit Jahren hier, 680.000 von ihnen sind seit August angekommen. In aller Eile haben sie sich mit dem bereitgestellten Material von Hilfsorganisationen Hütten aus Plastikplanen und Bambus gebaut. Sie schlafen dort auf Matten auf dem Lehmboden.

Ein Spielzeugauto aus Müll

Überall wo ich mit meinem Team hinkomme, werden wir umringt von Kindern. Diese Flüchtlingskrise ist die kinderreichste der Welt. Etwa die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder. Da keines von ihnen Spielzeug aus der Heimat mitnehmen konnte, haben sich die Kinder Spielzeug aus Müll gebaut. Zwei kleine Jungs lassen Plastikteile in einer kleinen Pfütze schwimmen. Und ich treffe Mohammed, der sich ein Auto aus einer seitlich aufgeschnittenen Plastikflasche, einer Schnur und vier Schraubverschlüssen gebastelt hat. In Myanmar hatte er einen Fußball, erzählt er mir.

Im Vorfeld hatte man mir geraten in den Camps weder eine der Toiletten zu benutzen, noch etwas zu essen, da es Fälle von Diphterie gegeben hatte und es Angst vor einem Ausbruch der Cholera gibt. Daher machte ich mich auf das Schlimmste gefasst. Doch überall gibt es Brunnen mit Trinkwasser und recht saubere Toiletten, allerdings ohne Abwassersystem. Die Exkremente werden von Freiwilligen regelmäßig aus der Latrine geholt.

Das Camp ist erstaunlich gut organisiert

Reporterin Jeniffer Sieglar im Gespräch mit Flüchtlings-Familie
Reporterin Jeniffer Sieglar im Gespräch mit Flüchtlings-Familie Quelle: ZDF

Ich bin überrascht, wie gut das Camp organsiert ist. Schilder sagen einem in welchem Teil des Camps man sich befindet. Alle Flüchtlinge haben einen Camp-Ausweis, auf dem steht, wie sie heißen und wo sie wohnen. Mithilfe dieser Ausweise ist auch die Essensausgabe organisiert. Je nachdem wie groß eine Familie ist, bekommt sie alle zwei Wochen eine bestimmte Menge Reis, Linsen und Öl.

Die Kinder gehen zwei Mal am Tag zur Schule und es gibt Spielhütten, in denen Spielzeug bereitgestellt wird. Das alles ist nur möglich durch die Hilfsorganisationen aus aller Welt, die gemeinsam mit dem bangladeschischen Militär und dem UN-Flüchtlingswerk die Hilfe organisieren.

Aber reicht das zum Leben? Alle Flüchtlinge erzählen mir, wie dankbar sie für die Hilfe sind, doch trotzdem ist ihr Leben trostlos und vor allem hoffnungslos. Alle, die ich anspreche, wollen grundsätzlich gerne in ihre Heimat zurück. Doch das nur unter der Bedingung, dass sie dort anerkannt werden, also einen Pass bekommen und in Freiheit und Sicherheit leben können. Da solch ein Angebot der Regierung von Myanmar aber bisher in weiter Ferne liegt, ist ihre Zukunft ungewiss.

Bewegende Begegnungen

Auch das Land Bangladesch will die Rohingya nicht haben. Sie dürfen zwar in den Camps bleiben, aber noch nicht mal in die angrenzenden Städte gehen. Wie sollen die Kinder so eine Zukunft haben?

Meine bewegendste Begegnung im Camp habe ich mit Azida und ihrer Familie. Der Vater ist vor Jahren an einem Fieber verstorben, die Mutter alleine mit ihren sieben Töchtern geflohen. Die 10-Jährige ist sehr zierlich und trotzdem kräftiger als ich. Als ich sie treffe, trägt sie ein riesiges Holzbündel auf dem Kopf und als ich ihr später beim Wasserholen helfe, breche ich unter der Last des 10-Liter-Trogs fast zusammen. Sie hebt ihn mühelos hoch und trägt ihn auf der Hüfte in die Hütte. Dort erzählt sie mir, dass sie früher gerne mit einer Puppe gespielt hat, aber nun nur noch ihrer Familie hilft. Auch das Baby ihrer Tante versorgt sie tagsüber. Als sie mir unter Tränen erzählt, dass ihr Haus angezündet wurde und sie auf der Flucht viele Leichen gesehen hat, müssen der Kameramann und auch ich weinen. 

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