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Verfolgte Minderheit in Myanmar - Rohingya in Bangladesch: Flucht ins Elend

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Der Strom der Menschen, die aus Myanmar nach Bangladesch fliehen, reißt nicht ab. Hilfsorganisationen melden furchtbare Zustände aus den überfüllten Camps. Mehr als die Hälfte der über 400.000 Rohingya-Flüchtlinge sind Kinder. Der Monsunregen verschärft die Not.

Die Situation der mehr als 400.000 aus Myanmar geflohenen Rohingya wird immer aussichtsloser: Sie dürfen die Lager in Bangladesch nicht mehr verlassen, Monsunregen vergrößert die Seuchengefahr. Etwa 60 Prozent der Flüchtlinge sind Kinder.

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Schnell sein, beharrlich bleiben - auch die Jüngsten der Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch haben begriffen: Es geht ums nackte Überleben. Was der Lkw bringt, wird wieder nicht für alle reichen.

Elend trifft auf Elend

Mehr als 400.000 Mitglieder der muslimischen Minderheit sind nach UN-Angaben aus Myanmar Richtung Bangladesch geflohen. Viele bleiben noch vor der Grenze im Niemandsland hängen. Und die, die es bis nach Bangladesch schaffen, merken schnell, dass sie nicht willkommen sind.

Durchsagen verkünden harsch, dass die Flüchtlinge in den Lagern bleiben müssen und sich fern von Dörfern und Städten halten und nicht bei Verwandten oder Freunden wohnen sollen. Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, keine Flüchtlinge bei sich aufzunehmen,

Bangladesch ist ein armes Land, das zudem gerade mit den Folgen von verheerenden Überschwemmungen kämpft. Hier trifft Elend auf Elend. Der anhaltende Monsunregen verschärft die Not, Epidemien drohen. Und wie so oft, trifft es die Kinder besonders hart.

UN: Schätzungsweise 240.000 Kinder unter Flüchtlingen

"Wir schätzen, dass 60 Prozent der Flüchtlinge Kinder sind - an die 240.000", sagt Christophe Boulierac vom Kinderhilfswerk UNICEF. "Und sie sind in Gefahr. Wir können sie nicht versorgen. Wir versuchen alles, aber die Kinder sind die Verletzlichsten in dieser Situation." Ärzte in Bangladesch starteten ein Impfprogramm – Zehntausende Kinder werden in diesen Tagen geimpft - gegen Masern, Röteln, Polio.

Der Leiter der US-Hilfsorganisation Refugees International, Eric Schwartz, sagte, er habe noch nie ein derartiges Flüchtlingselend gesehen wie in Bangladesch. Der frühere Abteilungsleiter im US-Außenministerium rief zu internationalem Druck auf Myanmar auf, die Gewalt gegen die Rohingya zu stoppen. "Ich habe gestern ein Krankenhaus besucht, Kinder im Alter von einem, fünf und zehn Jahren mit Brand- und Schusswunden, Menschen, die wie Tiere behandelt wurden", berichtete er.

Die Regierung in Myanmar hielt an ihrer Darstellung fest, in der an Bangladesch grenzenden Region Rakhine würden Rebellen der muslimischen Minderheit bekämpft. Die Rohingya hätten von sich aus 176 ihrer 471 Dörfer aufgegeben. Militante Rohingya und Dorfbewohner hätten ihre Häuser selbst in Brand gesteckt, bevor sie geflohen seien.

UNO erwartet Schritte von Suu Kyi

Beweise dafür legte die Regierung nicht vor. Die Vereinten Nationen nennen den seit 25. August andauernden Exodus eine Vertreibung - "ethnische Säuberung", Myanmar spricht von "Säuberungsaktionen" zur Vernichtung der Rebellen. Die UN befürchten, die Zahl der Flüchtlinge könne auf eine Million ansteigen.

UN-Generalsekretär Guterres sagte dem britischen Rundfunksender BBC, wenn Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi "die Situation jetzt nicht herumdreht, dann wird die Tragödie absolut furchtbar".  Myanmars De-facto-Regierungschefin will am Dienstag die bislang wichtigste Rede ihrer Amtszeit halten. Wegen ihres Schweigens zu den Geschehnissen in der Region Rakhine wird Suu Kyi international kritisiert. Eine Reise zur Generaldebatte der UN-Vollversammlung kommende Woche in New York sagte sie ab.

Konflikt Ende August eskaliert

Im zu mehr als 90 Prozent von Buddhisten bevölkerten Myanmar werden die muslimischen Rohingya als illegale Einwanderer angesehen, obwohl viele von ihnen seit Generationen im Land leben.

Der seit Jahren andauernde Konflikt in Rakhine war Ende August eskaliert, als Rohingya-Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und Dutzende Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit brutaler Gegengewalt. Hunderte Menschen wurden getötet, ihre Häuser niedergebrannt.

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