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Flüchtlinge in Bangladesch - Die Angst der Rohingya vor der Heimkehr

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Rückkehr verschoben: Bangladesch will zunächst keine Rohingya-Flüchtlinge zurück nach Myanmar schicken. Die meisten Geflüchteten dürften froh über diese Entscheidung sein.

Rohingya-Flüchtlinge sollten ab heute von Bangladesch in ihre Heimat zurückkehren. Doch dort sind sie laut Flüchtlingskommission nicht sicher.

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Heute sollten eigentlich die ersten Rohingya-Flüchtlinge nach Myanmar zurückgeführt werden. Darauf hatten sich Bangladesch und Myanmar Anfang Januar geeinigt. Im Zeitraum von zwei Jahren will Myanmar wöchentlich 1.500 Flüchtlinge zurücknehmen. Das wären bis Januar 2020 ungefähr 160.000 Menschen. Doch nur einen Tag vor Beginn der Rückführung signalisierte Bangladesch, dass es noch zu viele offene Fragen gibt. In den Flüchtlingscamps hatte es bereits am Wochenende Proteste gegeben.

"Lieber ertrinke ich, als nach Myanmar zurückzukehren", sagt der 27-jährige Yasin Zohar leise. Er ist einer von mehr als 650.000 Rohingya, die seit August vergangenen Jahres aus Myanmar geflohen sind. Seit vier Monaten lebt er jetzt behelfsmäßig im Flüchtlingslager Kutupalong in Bangladesch. Dort sitzt die Angst bei den Flüchtlingen tief. Immer wieder erzählen sie über ähnliche Schock-Erlebnisse. Familienangehörige seien ermordet, Frauen vergewaltigt, ihre Häuser in Brand gesteckt worden. Sie beschuldigen Soldaten von Myanmars Armee, diese Verbrechen begangen zu haben. Doch bisher lautet die offizielle Erklärung der Regierung in Naypidaw, dass die Armee nur gegen Aufständische einer selbsternannten Rohingya- Heilsarmee ("Arsa") vorgehe, deren Ziel ein autonomer Staat sei.

UN sprach von "Paradebeispiel für ethnische Säuberung"

Dem widersprechen internationale Hilfsorganisationen und die UN: "Die Situation [in Myanmar] ist ein Paradebeispiel für ethnische Säuberung", erklärte Zeid Ra‘ad al-Hussein, Menschenrechts-Hochkommissar, bei einer UN-Anhörung im September 2017. Überraschenderweise legte die Armee nun vor kurzem ein seltenes Schuldgeständnis ab. Soldaten seien an der Ermordung von zehn Rohingya beteiligt gewesen. Man werde gegen die Schuldigen vorgehen.

Karte: Myanmar - Bangladesch
Karte: Myanmar - Bangladesch
Quelle: ZDF

Die Rohingya sind eine von vielen ethnischen Minderheiten in Myanmar. Die meisten von ihnen sind Muslime im ansonsten buddhistisch geprägten Land. Laut Schätzungen lebten Anfang 2017 ungefähr eine Million Rohingya in Myanmar, die meisten davon im Bundestaat Rakhine, der an Bangladesch grenzt. Sie betrachten sich als Nachfahren arabischer Händler, die seit Generationen in diesem Gebiet leben. Doch die Regierung in Myanmar verweigert ihnen die Staatsangehörigkeit. Von einer Volkszählung 2014 wurden sie ausgeschlossen. Stattdessen werden sie als Bengalis, als illegale Einwanderer aus dem Nachbarland, bezeichnet.

Keine Einbürgerung ohne Ausweisdokumente

Bangladesch hat sich seit Beginn dieser Krise sehr hilfsbereit gezeigt und den enormen Flüchtlingsstrom aufgenommen. Doch langfristig sollen die Menschen dort nicht bleiben, schon gar nicht eingebürgert werden. Aus diesem Grund hat Bangladeschs Premierministerin Sheikh Hasina auf eine schnelle Lösung und baldige Rückkehr gedrängt. Myanmar seinerseits verspricht den Rückkehrern einen einfachen Einbürgerungsprozess, wenn sie die nötigen Papiere vorweisen können, die beweisen, dass sie seit Generationen schon im Land leben. Doch entweder fehlen vielen der Flüchtlinge diese Beweise oder sie haben sie bei ihrer chaotischen Flucht verloren.

Arif Hussein, der vor seiner Flucht an einer staatlichen Schule unterrichtet hat, bringt es auf den Punkt: "Wenn Myanmar mir einen Ausweis gibt, internationale Hilfsorganisationen vor Ort meine Sicherheit garantieren können und ich Hilfe für den Wiederaufbau meines Hauses bekomme, gehe ich natürlich zurück." In wieweit sich Wunsch und Realität vereinbaren lassen, bleibt offen. Genau wie die Frage, was mit den vielen Rohingya geschieht, die nach Ablauf der zwei Jahre noch immer in den Lagern in Bangladesch leben werden. Die Rolle der UN-Flüchtlingskommission in dieser Krise ist beschränkt, die Rückführung findet unter Ausschluss internationaler Überwachung statt. So bleibt UN-Generalsekretär Antonio Guterres nur die Möglichkeit, auf die Dringlichkeit einer freiwilligen Rückkehr zu verweisen und die Hoffnung zu äußern, dass die Rohingya in ihre alten Dörfer zurückkehren können und nicht wieder in Lagern landen. Nur eben in Myanmar.

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