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Neue Partner - Russland und das Öl

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Russlands Wirtschaft und Staatsfinanzen sind abhängig von Öl und Gas. Da ist die richtige Förderstrategie entscheidend. Beim Öl hat sich Russland dafür gerade neue Partner gesucht.

Wladimir Putin und Bin Salman am 14.06.2018 in Moskau
Russlands Präsident Wladimir Putin und der saudische Kronprinz Bin Salman Quelle: reuters

makro: Wie sah Russlands Strategie bezüglich des Öls in den letzten beiden Jahren aus?

Bernhard M. Klinzing: In der Vergangenheit versuchte Russland in der Regel auf eigene Faust, seine Einnahmen zu maximieren. Bei Förderkürzungen der OPEC sprang Russland ein, um die Nachfrager zu bedienen. So war beispielsweise bis 2016 Saudi-Arabien größter Öllieferant des weltweit zweitgrößten Verbrauchers China. Nun ist es Russland. Aber seit gut zwei Jahren hält es Russland für effektiver, sich mit den anderen Förderern in der OPEC abzustimmen. Die Annäherung zwischen Russland und Saudi-Arabien 2016 machte die erste Förderkürzung seit 2008, die dann tatsächlich auch eingehalten wurde, erst möglich. Preise und Einnahmen lassen sich besser optimieren, wenn man mit- statt gegeneinander arbeitet.

makro: Wie ist das Verhältnis Russlands zu Saudi-Arabien bzw. zu den anderen ölfördernden Golfstaaten insgesamt?

Klinzing: Russland hat es auf bemerkenswerte Weise geschafft - im Gegensatz beispielsweise zu den USA - mit allen Staaten der Region gute Beziehungen zu unterhalten. Selbst mit den beiden Erzfeinden Saudi-Arabien und Iran. König Salman war der erste offizielle Vertreter seit Jahren, der Russland besuchte und umfangreiche Geschäfte einfädelte, auch um für seine "Vision 2030" Partner zu finden. Der Iran kauft in Russland vom Atomkraftwerk bis zu Weizen eine Reihe von Gütern. Für Russland ist der Iran ein wichtiger Verbündeter beim Thema Syrien und Assad.

Russland ist für den sonst stark isolierten Iran eine Überlebensversicherung. Allerdings muss hier auch China einbezogen werden, das dem Iran in früheren wie zukünftigen Zeiten eines Embargos das Öl abkauft und dafür in einer Dreiecksbeziehung Russland und dem Iran über verschlungene Wege Investitionsgüter zukommen lässt, die wegen der Handelssanktionen (Iran-Atom-Deal, Krim) sonst nicht in die Staaten gelangen. Gerade für die russische Ölindustrie ist das überlebenswichtig.

makro: Russland hat einen Anteil des teilstaatlichen Ölkonzerns Rosneft verkauft. Umgekehrt will Saudi-Arabien demnächst einen Teil des staatlichen Ölförderkonzerns Saudi-Aramco an die Börse bringen. Wie wird sich Russland da verhalten?

Klinzing: Russlands Staatsfonds hat bereits mehrfach Interesse an einem Anteil an der dann größten börsennotierten Gesellschaft bekundet. Es würde die Kooperation der - neben den USA - beiden größten Ölförderer intensivieren. Obwohl Rosneft auch zum größten Teil in staatlicher Hand ist, wird es bei der Vergabe neuer Förder- und Verkaufslizenzen im Öl- und Gasgeschäft gegenüber Gazprom und Lukoil benachteiligt. Das ist problematisch, weil die Vorkommen in Russland ihren Höchststand bereits überschritten haben und dringend Ersatzinvestitionen geleistet werden müssen. Rosneft ist deshalb dazu "ausersehen", sich zu internationalisieren. So hat man von der italienischen Eni ein Erdgasfeld vor der Küste Ägyptens gekauft, das größte bekannte Gasvorkommen im Mittelmeer. Auch beim Bau einer Erdgaspipeline in Kurdistan hat man die Finger im Spiel.

makro: Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft der Ölförderung und der Ölexporte Russlands aus? Behauptet das Land seine Rolle und seine Marktanteile am Ölmarkt? Und was heißt das für den Ölpreis?

Klinzing: Russland ist der weltgrößte Rohölförderer, der weltgrößte Exporteur von Kohlenwasserstoffen und zweitgrößte Gasförderer. Allerdings wanderten in der Vergangenheit die Erlöse zum überwiegenden Teil in die Taschen der Oligarchen und wurden nicht für Investitionen genutzt. Russland muss beispielsweise netto Benzin einführen, weil kaum Verarbeitungskapazitäten geschaffen wurden. Auch Ersatzinvestitionen blieben aus.

Würde die Klimaveränderung nicht die Tundra enteisen und aufweichen, müsste in Sibirien bereits eine Reihe von Produktionsstätten die weiße Fahne hissen. Wir beobachten ein Auf und Ab. Im letzten Jahr ging die Förderung wegen veralteter Anlagen zurück, in diesem Jahr wieder nach oben. Außerdem belastet die Rivalität unter den russischen Ölkonzernen eine nachhaltige Entwicklung der Industrie.  Die Zusammenarbeit mit der OPEC ist für Russland in den letzten beiden Jahren in Sachen Preisgestaltung und Erlösentwicklung ein Erfolgsmodell, das sicher fortgeführt werden wird. Wir erwarten bis 2021 einen Preiskorridor für Brent-Öl zwischen 50 und 80 Dollar. (Aktuell liegt der Preis bei 76,5 Dollar pro Barrel).

Das Interview führte Nadja Kaltwasser, 3sat-Redaktion makro.

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