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Gedenken an Luxemburg und Liebknecht - Die umstrittenen Symbolfiguren der Linken

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Für die Linke sind sie Vorkämpfer des Sozialismus, für die CDU Feinde der Demokratie: Heute wird an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht erinnert. Vor 100 Jahren wurden sie ermordet.

Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin am 10.01.2019
An dieser monumentalen Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Friedhof Berlin-Friedrichsfelde erinnert die Linke jeden Januar an Luxemburg und Liebknecht.
Quelle: dpa

15. Januar 1919. Ein gutbürgerliches Wohnhaus im Berliner Westen in der Mannheimer Straße 27. Am frühen Abend verhaftet eine Wilmersdorfer Bürgerwehr drei Revolutionäre in ihrer letzten Zufluchtsstätte. Es sind der junge Wilhelm Pieck, später erster Präsident der DDR, und die beiden Führer der KPD, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg.

Pieck kann sich absetzen. Liebknecht und Luxemburg sind nur wenige Stunden später tot. Erschossen von Angehörigen des Garde-Kavallerie-Schützen-Regiments. Die Soldaten werfen die Leiche Luxemburgs in den Landwehrkanal. Die Täter werden nie zu Verantwortung gezogen. Der Mord vor 100 Jahren ist voller Dramatik und spaltet die deutsche Linke bis heute.

Die Ermordung von Liebknecht und Luxemburg war das blutige Finale des von der SPD-Führung mit Hilfe von Freikorpstruppen niedergeschlagenen "Spartakus-Aufstandes". Am Ende des "Januar-Putsches" der KPD wurden in Berlin 165 Tote gezählt. Die neue Regierungspartei SPD hatte sich während der November-Revolution in drei verfeindete Fraktionen aufgespalten. Die Mehrheitssozialdemokraten um Friedrich Ebert, die linken SPD-Abweichler in der USPD und die zum Jahreswechsel 1918/19 neugegründete KPD um Liebknecht und Luxemburg, die eine sowjetische Räterepublik anstrebte.

Zu Lebzeiten berühmter als Lenin

Portrait von Rosa Luxemburg
Rosa Luxemburg
Quelle: picture alliance/imageBROKER

Völlig neu war: Mit Rosa Luxemburg stand eine kleine kämpferische Frau an der Spitze der Revolutionsbewegung. Nur 1,46 Meter groß, aber ehrgeizig in ihren Zielen. Sie träumte von einer sozialistischen Gesellschaft. Wer war Rosa Luxemburg? Eine Jüdin polnischer Herkunft aus bürgerlichen Verhältnissen. Studium in Zürich. Mitglied der SPD. Charismatische Rednerin, brillante Rhetorikerin. Zu Lebzeiten berühmter als Lenin und dessen wirkungsvollste Gegenspielerin. Die 47-Jährige bezeichnete sich selbst als "Anhängerin der Diktatur des Proletariats", lehnte jedoch den "roten Terror" nach Vorbild Lenins entschieden ab.

Im Ersten Weltkrieg wurde sie wegen "Majestätsbeleidigung und Aufforderung zu Ungehorsam" inhaftiert. Der Grund: ihre konsequenten Anti-Kriegspositionen. Im Gefängnis von Breslau schrieb sie 1918 ihre berühmte Antwort auf Lenins Revolutionsmodell in Russland: "Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei - mögen sie noch so zahlreich sein - ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden."

Das Dilemma der Parteiführerin: Sie war eine Frau, die an die Revolution glaubte, aber an der Wirklichkeit scheiterte. Eine Revolutionärin, die keine Gewalt wollte, aber Gewalt hervorrief. Keine Frau ihrer Zeit wurde derart verehrt und war so verhasst wie Rosa Luxemburg. Die damaligen Zeitungen nannten sie die "blutige Rosa".

Streit ums Erbe dauert bis heute

In der späteren DDR-Geschichtsschreibung feierte die SED Rosa Luxemburg als "Heilige und Märtyrerin". Dabei wurden ihre Ideen und Positionen, so Luxemburgs Biograf Ernst Piper, in der Sowjetunion stets als "Abweichlertum" und "Luxemburgismus" verdammt. Der Historiker, der das Buch "Rosa Luxemburg. Ein Leben" verfasst hat, erklärt: "Rosa Luxemburg war keine Demokratin im klassischen Sinne, aber immer gegen terroristische Methoden wie in Russland."

Andrea Nahles und Sarah Wagenknecht blicken zurück und erklären die historische Spaltung der Linken, die bis heute in die Gesellschaft wirkt.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

100 Jahre nach der Revolution hält der Streit um das Erbe von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg an.

Der Jurist und Politiker Karl Liebknecht (undatierte Aufnahme)
Karl Liebknecht
Quelle: dpa

Während sich Vertreter der Linken zum ehrenden Gedenken auf dem "Friedhof der Sozialisten" in Berlin-Friedrichsfelde versammeln, kritisiert die Berliner CDU das Gedenken der Linkspartei an KPD und Revolution als "geschichtslose Huldigung der Feinde unserer Demokratie".

Auch für den Liedermacher Stephan Krawczyk gibt es nichts zu feiern. "Das kommunistische System hat mehr Opfer gefordert als jedes andere", betont der ehemalige DDR-Autor und Sänger, der 1988 am Rande der Luxemburg-Liebknecht-Kundgebung verhaftet worden war. Krawczyk hatte in der DDR Berufsverbot, weil er bei Auftritten das weltberühmte Rosa-Luxemburg-Wort öffentlich zitiert hatte: "Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden."

Doku | Die Deutschen - Rosa Luxemburg und die Freiheit

Sie stammte aus dem von Russland annektierten Teil Polens. Rosa Luxemburg (1871-1919) wurde politische Aktivistin in einer Zeit, in der Frauen in Deutschland noch nicht wählen durften.

Videolänge:
43 min
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