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Straßenkarneval - Von Rohrkrepierer-Schulz bis Schildkröten-Merkel

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Für Tausende Narren ist der Straßenkarneval der Höhepunkt der fünften Jahreszeit. Nun wurden die aktuellen Motivwagen vorgestellt. Doch die Veranstalter haben zunehmend Probleme.

Die schwierigen Versuche, eine neue Bundesregierung zu bilden, werden beim Mainzer Rosenmontagsumzug mit teils drastischen Bildern satirisch aufgespießt. Einer von 13 am Dienstag vorgestellten Motivwagen zeigt SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz als Rohrkrepierer in einer zerborstenen Kanone. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird als "lebendes Fossil" in einen Schildkrötenpanzer gesteckt, in dem sie "selbst die größten Katastrophen der Erdgeschichte mit stoischem Gleichmut überstanden hat".

Auch US-Präsident Donald Trump spielt erneut eine zentrale Rolle. Gleich zwei Motivwagen sind ihm gewidmet. Eine übergroße Figur stellt ihn als Golfspieler dar, der dabei ist, die ganze Welt zu ruinieren, weil er mit dem Golfschläger auf die Erdkugel zielt. Ein anderer Wagen nimmt Trumps Konflikt mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un aufs Korn: Hier vergleichen beide Politiker als Sandkasten-Knirpse die Größe ihrer aus Windeln herausragenden Raketen.

Themen: Gerhard Schröder, Dieselskandal und die AfD

Der größte Motivwagen des Mainzer Carneval-Vereins macht sich über Gerhard Schröder (SPD) und dessen Engagement für den russischen Staatskonzern Rosneft lustig. Er zeigt einen zufriedenen Altkanzler, der mit Zigarre und Geldkoffer aus dem Hintern eines riesigen russischen Bären herausschaut. "Nur für den Unterbau haben wir schon einmal 100 Styroporblöcke verbraucht", berichtete Wagenbauer Dieter Wenger. Auch der Dieselskandal, die AfD und lokale Themen wie das marode Mainzer Hallenbad werden auf dem Rosenmontagszug am 12. Februar dargestellt.

Die katholische Kirche bekommt ebenfalls ihr Fett weg: Ein Motivwagen thematisiert, wie der in Mainz geborene Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller bei Papst Franziskus in Ungnade fällt. Der Papst bindet den konservativen Kirchenmann an einer Rakete fest, die er in Richtung Mainz abfeuert.

Mainz zählt neben Köln und Düsseldorf zu den Fastnachtshochburgen in Deutschland. Zum Rosenmontagsumzug werden in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt etwa 500.000 Zuschauer erwartet. Rund 8.800 Teilnehmer werden auf einer rund sieben Kilometer langen Zugstrecke durch die Innenstadt marschieren. Wie in den vergangenen Jahren findet der Umzug unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen statt, im Zentrum von Mainz wird es ein Fahrverbot für Lastwagen geben.

Sicherheitsauflagen setzen kleinere Umzüge unter Druck

Gerade diese Sicherheitsmaßnahmen sind ein Problem für Deutschlands Oberkarnevalist Klaus-Ludwig Fess. Er sieht in den höheren Auflagen bei Narrenumzügen und den damit einhergehenden Kosten eine Gefahr für das Brauchtum. Gerade im ländlichen Raum und mittleren Städten "erdrückten" Zusatzkosten wegen Vorkehrungen zur Terrorabwehr die Vereine, sagte der Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK). Mancherorts stehe der Umzug auf der Kippe, anderenorts sei er abgesagt worden, weil die Kosten nicht finanzierbar seien.

Die verschärften Auflagen sehen unter anderem vor, dass an Kreuzungen und Zufahrtswegen Sperren - Wassertanks, Poller oder Container mit Sand gefüllt - aufgebaut würden. Hinzu kommen zusätzliche Kräfte, die diese Stellen bewachen müssten, sagte Fess. Für einen Verein könnten so schon mal Mehrkosten von 3.000 bis 4.000 Euro entstehen, die je nach Größe "an die Existenz" gingen. Er forderte, dass die Ausrichter bei den Veranstaltungen finanziell unterstützt werden müssten.

Fess: Terrorabwehr ist die ureigene Aufgabe des Staates

Fess will im kommenden Sommer einen Runden Tisch mit Bund, Ländern und Kommunen ins Leben rufen. "Der Bund Deutscher Karneval vertritt den Standpunkt, dass Terrorabwehr die ureigene Aufgabe des Staates ist. Das kann nicht einem Verein auferlegt werden." Es müsse dringend "eine Kehrtwende" eingeleitet werden "in der Politik durch die Politik", forderte der BDK-Präsident. "Ansonsten werden wir da Riesenprobleme bekommen, dass die Ausübung unserer Bräuche und unsere Traditionen verloren gehen", sagte er.

Zudem sagte Fess, ein übermäßiger Alkoholkonsum zu Fastnacht habe "nichts mit dem Brauchtum" zu tun, ebenso wenig wie eine wachsende "Partykultur" rund um Narren-Veranstaltungen. "Da müssen wir uns klipp und klar abgrenzen."

Der BDK vertritt mehr als 2,6 Millionen Menschen, die in mehr als 5.300 Mitgliedsvereinen und 35 Regionalverbänden organisiert sind.

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