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Hintergrund - Der Völkermord in Kambodscha

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Keine vier Jahre dauerte die Schreckensherrschaft der Roten Khmer. Für den radikal-kommunistischen Bauernstaat mussten mindestens 1,7 Millionen Menschen grausam sterben.

Archiv: Rote Khmer - Killing Fields, aufgenommen am 17.04.1981 in Phnom Penh (Kambodscha)
Auf den Killing Fields der Roten Khmer wurden bis zu 100.000 Menschen in Massenmorden umgebracht. (Archivfoto)
Quelle: AP

  • Wer waren die Roten Khmer?

Die Roten Khmer, eine maoistisch-nationalistische Guerillabewegung, kamen 1975 unter der Führung von Pol Pot in Kambodscha an die Macht. Sie wollten eine maoistische Bauerngesellschaft durchsetzen, trieben dafür die Stadtbevölkerung aufs Land, schafften Geld und Schulen ab und zwangen alle Menschen auf die Felder. Brillen wurden zertrampelt, Bücher verbrannt. Das Regime witterte bald überall Spione. Massenverhaftungen folgten.

Durch Hungersnöte, Zwangsarbeit, Folter und Ermordungen kamen in dem kleinen südostasiatischen Land nach Schätzungen mindestens 1,7 Millionen Menschen ums Leben - also etwa 20 Prozent der Bevölkerung. Das Regime wurde 1979 von Vietnam zerschlagen und Pol Pot entmachtet.

Karte: Kambodscha - Vietnam - Laos
Karte: Kambodscha - Vietnam - Laos
Quelle: ZDF

  • Wer ist angeklagt?

"Bruder Nummer 2" Nuon Chea (92) und "Bruder Nummer 4" Ex-Staatschef Khieu Samphan (87). Regimeführer Pol Pot, "Bruder Nummer 1", starb 1998. "Bruder Nummer 3", Außenminister Ieng Sary, war auch angeklagt. Er starb während des Prozesses 2012. Der Prozess gegen seine Frau und Ex-Sozialministerin, Ieng Thirith, wurde wegen Demenz ausgesetzt. Ieng Thirin starb 2015.

Der 2. Vorsitzende der Roten Khmer Nuon Chea im Gerichtssaal am 16.11.2018 in Phnom Penh (Kambodscha)
Neben Pol Pot der wichtigste Mann bei den Roten Khmer: Nuon Chea beim Prozess in Phnom Penh.
Quelle: AP

  • Was wird ihnen vorgeworfen?

Unter anderem Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Völkermord, Verstoß gegen die Genfer Konventionen. Das Regime hatte zehntausende Mitläufer, von denen viele ihre Familienangehörigen, Nachbarn und Kollegen überwacht, verraten, drangsaliert, gefoltert und ermordet haben.

Stichwort Killing Fields: Etwas mehr als 300 Stätten in Kambodscha werden als Killing Fields bezeichnet. Dort wurden durch die Roten Khmer schätzungweise bis zu 100.000 Menschen in Massenmorden umgebracht. Eines der bekanntesten Killing Fields ist Choeung Ek, ein ehemaliger Obstgarten südlich von Phnom Penh, auf dem zwischen 1975 und 1979 etwa 17.000 Menschen hingerichtet wurden. Heute ist Choeung Ek eine Gedenkstätte.

Archiv: Kambodschaner auf der Flucht, aufgenommen am 28.01.1974
Kambodschaner auf der Flucht (Archivfoto)
Quelle: AP

  • Wie stehen die Angeklagten dazu?

Sie leugnen, von den Gräueltaten gewusst zu haben. Im Sommer 2017 hat Khieu Samphan in seinem Schlussplädoyer jegliche Verantwortung für den Tod von Millionen seiner Landsleute zurückgewiesen. "Ich weise die Bezeichnung Mord kategorisch zurück", sagte er. Nuon Chea bezeichnete die gegen ihn gerichteten Vorwürfe als "Fake News".

  • Warum läuft der Prozess erst jetzt?

Kambodscha versank nach 1979 im Bürgerkrieg. Unter UN-Vermittlung kam in den 1990er Jahren die Befriedung. Seitdem regiert Hun Sen, selbst Roter Khmer, ehe er dem Regime den Rücken kehrte. Er hat das Tribunal, ein UN-kambodschanisches Hybridgericht (gemischt-internationales Strafgericht), lange torpediert.

Das Tribunal verhandelt seit 2011. Das Verfahren wurde wegen der vielen Anklagepunkte zweigeteilt. Im ersten Teilverfahren stand die Vertreibung der Kambodschaner aus den Städten zur Zwangsarbeit auf dem Land im Mittelpunkt. Schon dieses Verfahren endete 2014 mit dem Urteil "lebenslänglich" für die beiden Angeklagten. Im zweiten Prozessteil ging es jetzt um Verbrechen gegen ethnische Minderheiten, Zwangsarbeit, Folter und Zwangsehen während der Herrschaft der Roten Khmer.

Pol Pot, aufgenommen am 10.12.1979 in Kambodscha
Der Anführer der Roten Khmer, Pol Pot, 1979.
Quelle: AP

  • Ist jemals jemand zur Verantwortung gezogen worden?

Als erster stand der Vorsteher des Foltergefängnisses Toul Sleng vor dem Tribunal. Kaing Guek Eav alias "Kamerad Duch" wurde 2010 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Folter und Mord verurteilt. Seine Haftstrafe wurde nach Berufung der Staatsanwaltschaft 2012 auf lebenslang ausgeweitet.

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