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"Rote Liste" aktualisiert - Bedrohte Arten: Gejagt, verspeist, verschwunden

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Das weltweite Artensterben hält an. Die aktualisierte "Rote Liste" attestiert einen ökologischen Ausnahmezustand. Zu viele Tier- und Pflanzenarten werden vom Mensch übernutzt.  

Massai-Giraffen
Massai-Giraffen
Quelle: picture alliance / blickwinkel

Sie sehen inzwischen auch Rot: Massai-Giraffen und Geigenrochen. Denn seit neuestem werden diese beiden Tierarten in der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) als "stark gefährdet" aufgeführt. Insgesamt werden nun 105.732 Arten auf der Internationalen Roten Liste geführt, 27 Prozent davon - das entspricht 28.338 Arten - gelten als "bedroht". Jörg-Andreas Krüger vom WWF Deutschland ordnet das Update der aktualisierten Liste so ein: "Was der Asteroideneinschlag für die Dinosaurier war, ist die Menschheit für die heute vorkommende Tier- und Pflanzenwelt."

Ökologischer Ausnahmezustand

Die Rote Liste bescheinigt eine zunehmende Bedrohung für Meeresbewohner. So mussten 15 Geigenrochen-Arten in die Kategorie "vom Aussterben gefährdet" hochgestuft werden. Davon sei eine Art möglicherweise bereits ausgestorben - so die IUCN. Geigenrochen sind vom Aussehen her eine Mischung aus Hai und Rochen und können bis zu drei Meter groß werden. Ihr Lebensraum sind die flachen küstennahen Gewässer des Pazifiks und Atlantiks. In den vergangenen drei Jahrzehnten sind die Bestände dieser Art um mehr als 80 Prozent zurückgegangen. Die zunehmende Bebauung von Küsten zerstört ihren Lebensraum. Zudem werden sie trotz Bedrohungsstatus gezielt befischt. Denn die wertvollen Flossen gelten in einigen asiatischen Ländern als Delikatesse. Daher sollen die vom Aussterben bedrohten Geigenrochen-Arten künftig über das Washingtoner Artenschutzabkommen besser geschützt werden. Das würde eine Kontrolle des internationalen Handels mit diesen Arten besser ermöglichen.

Geigenrochen
Geigenrochen
Quelle: picture alliance/imageBROKER

Die ungebremste illegale Jagd auf die Massai-Giraffen in Kenia und Tansania hat dazu geführt, dass sie nicht mehr in der Kategorie "gefährdet" gelistet sind, sondern zukünftig als "stark gefährdet" eingestuft werden. Zählte diese Giraffen-Unterart vor 30 Jahren noch 69.000-71.000 Tiere, sind es heute nur noch geschätzte 35.000 Exemplare - eine Halbierung also in nur drei Jahrzehnten. Afrikanische Wildtierexperten gehen davon aus, dass in 30 Jahren keine frei lebenden Giraffen mehr in Afrika zu sehen sind und nur noch wenige Exemplare in Zoos bestaunt werden können. Denn das Giraffenfleisch wird auf den einheimischen Märkten angeboten, ihre Haut dient als Material für den Bau von Trommeln, wasserdichten Behältern oder Schuhen.

Rotscheitel-Mangabe
Rotscheitelmangabe
Quelle: picture alliance / blickwinkel

Die weiteren Verlierer

Sechs Affenarten in Westafrika sind laut Roter Liste dem Aussterben noch weiter entgegen gerückt.

  • Eine Art gilt bereits als möglicherweise ausgestorben: Der Miss Waldrons Rote Stummelaffe.
  • Ein Exemplar dieser Art wurde 1978 letztmalig gesichtet. Die Roloway-Meerkatze gilt nun als direkt vom Aussterben bedroht.
  • Die Rotscheitelmangabe, eine Primatenart, gilt ab sofort als stark gefährdet.

Auch vor Pflanzenarten macht das Artensterben nicht Halt. Laut IUCN gelten nun 90 Prozent der Palisanderarten Madagaskars, die aufgrund ihres wertvollen Holzes ausgebeutet werden, als bedroht.

Roloway-Meerkatze
Roloway-Meerkatze
Quelle: dpa

Das Update der Roten Liste ist für die anstehende Konferenz zum Washingtoner Artenschutzabkommen Ende August eine wichtige Grundlage. Denn der globale Notstand bei Tieren und Pflanzen wird mehr und mehr zur Gefahr auch für den Menschen. Denn mit dem Verlust wertvoller Genpools gerät das biologische Gleichgewicht in Gefahr. "Wir brauchen ein ambitioniertes UN-Abkommen für Mensch und Natur, getrieben von den Staats- und Regierungschefs, unterfüttert mit funktionierenden Prüfmechanismen", so die Forderung von IUCN und WWF. Und auch Deutschland müsse sich auf internationaler Ebene für mehr Schutzmaßnahmen einsetzen.              

Christine Elsner ist Redakteurin in der ZDF-Umweltredaktion.

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