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Kampf um Netzzugang - Routerwahl: Provider wollen Macht zurück

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Seit 2016 gilt in Deutschland die freie Routerwahl. Das könnte sich wieder ändern. Die Netzbetreiber wollen dafür eine europäische Richtlinie nutzen.

Router: Netzwerkkabel
An welchem Punkt hört das öffentliche Telekommunikationsnetz auf, und wo fängt das private Netz an?
Quelle: imago

Seit drei Jahren darf in Deutschland jeder selbst entscheiden, wie er ins Internet geht. Die Verbraucher können frei wählen, über welches Modem oder über welchen Router sie ihre Internet-Verbindung aufbauen. Denn das öffentliche Telekommunikationsnetz endet an der Anschlussdose.

Wo fängt das private Netz des Kunden an?

Welche Geräte an die Anschlussdose gehängt werden, ist Sache des Verbrauchers. Nach Meinung der Deutschen Telekom und vier Anbieterverbänden sollte das im nächsten Jahr anders werden. In einem gemeinsamen Positionspapier fordern sie eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes.

Das Gesetz sieht bisher vor, dass die Hoheit der Provider nur bis zur Anschlussdose, dem sogenannten passiven Netzabschlusspunkt, reicht. Die Telekommunikationsanbieter fordern hingegen einen aktiven Netzabschluss - der läge dann hinter dem Modem.

Denn an jeder Anschlussdose hängt mit Modem und Router ein aktives Gerät. Das ist sowohl bei DSL-Anschlüssen als auch bei Kabelanschlüssen oder Glasfaseranbindung der Fall.

Es geht also um die Frage: An welchem Punkt hört das öffentliche Telekommunikationsnetz auf, und wo fängt das private Netz des Kunden an? Hintergrund der neu aufgeflammten Debatte um die Router- und Modemfreiheit ist der neue europäische Kodex für elektronische Kommunikation, der bis zum 21. Dezember 2020 in nationales Recht umgesetzt werden muss.

Provider machen Sicherheitsaspekte geltend

Eigentlich sind alle Fragen, die die Netzbetreiber jetzt wieder aufwerfen, schon mit Abschaffung des Routerzwangs durch den Bundestag im Jahr 2016 beantwortet worden.
Susanne Blohm, Verbraucherzentrale Bundesverband

In diesem Zusammenhang hat das Gremium der europäischen Regulierungsstellen um Stellungnahmen gebeten, wie denn der Netzabschlusspunkt definiert werden soll. Und so witterten die deutschen Provider eine Chance, ihren Herrschaftsbereich wieder auszuweiten.

"Ich wundere mich, dass diese Diskussion wieder aufgemacht wird seitens der Provider", meint Susanne Blohm vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Und sie erläutert: "Eigentlich sind alle Fragen, die die Netzbetreiber jetzt wieder aufwerfen, schon mit Abschaffung des Routerzwangs durch den Bundestag im Jahr 2016 beantwortet worden."

Die Provider sehen das anders. Sie machen Sicherheitsaspekte geltend und die Notwendigkeit, die Netze schnell auszubauen. Das lege nahe, den Netzabschlusspunkt hinter das Modem zu legen. Tatsächlich gibt es viele Sicherheitslücken in der Betriebssoftware von Modems und Routern. Aber hier sind die Gerätehersteller in der Pflicht.

Die Hersteller müssen Sicherheitslücken aufspüren und beseitigen.
Hartmut Pohl, Informatiker

"Die Hersteller müssen Sicherheitslücken aufspüren und beseitigen", meint auch der Informatiker Hartmut Pohl aus Sankt Augustin. Dabei spiele es keine Rolle, ob der Verbraucher sich für ein Modem oder einen Router entschieden hat oder ihm das Gerät vom Provider vorgegeben wurde.

"Verwickelte juristische Debatte" erwartet

Die Provider argumentieren weiterhin, dass die unterschiedlichen kundeneigenen Geräte nicht genug aufeinander abgestimmt seien. Das würde nicht nur den Betrieb stören, sondern auch den Ausbau der Netze behindern.

Wenn Gerätehersteller und Netzbetreiber die geltenden technischen Standards zum Beispiel für die Kabel- und Glasfasernetze beachten, können sich auch unterschiedliche Geräte im Netz verstehen und zusammenarbeiten.

Schließlich pochen die Provider noch darauf, dass der bisher im Telekommunikationsgesetz geregelte Netzabschlusspunkt gegen europäisches Recht verstoße. "Da steht uns eine verwickelte juristische Debatte bevor", so ein Mitarbeiter der Bundesnetzagentur.

Router-Debatte und die Folgen

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