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"Er war der Architekt des modernen Schalke"

Rudi Assauer, der frühere Manager des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, ist am Mittwoch im Alter von 74 Jahren gestorben. Nicht nur in Gelsenkirchen ist die Trauer groß.

Archiv: Rudi Assauer am 12.03.2011 in Bochum
Rudi Assauer
Quelle: dpa

Der deutsche Fußball und besonders Schalke 04 trauern um Rudi Assauer. Der einst mächtige Manager der Königsblauen verstarb am Mittwoch im Alter von 74 Jahren. "Rudi ist heute Nachmittag gestorben. Es ist traurig, aber auch eine Erlösung für ihn. Wir sind alle wahnsinnig traurig", sagte seine ehemalige Lebensgefährtin Beate Schneider der Zeitschrift Bunte. Wie die dpa berichtet, schlief Assauer in seiner Wohnung in Herten in den Armen seiner Tochter Bettina Michel ein. Auch Zwillingsschwester Karin war bei ihrem Bruder. Assauer wäre im April 75 Jahre alt geworden.

Schweigeminute vor Schalke-Pokalspiel

Vizemeister Schalke erreichte die Nachricht vom Tod seiner Klublegende wenige Stunden vor dem Pokal-Achtelfinale gegen Fortuna Düsseldorf. "Du hast unseren Verein geprägt wie kaum ein Zweiter. Ruhe in Frieden, Rudi Assauer!", schrieb der Verein vor dem Anpfiff auf Twitter.

Zum Gedenken an Assauer, der als letzter Macho der Bundesliga gegolten hatte, fand vor dem Pokalspiel eine Schweigeminute statt. Außerdem spielten die Knappen wie auch die Fortunen mit Trauerflor. "Ohne Rudi wären wir alle heute nicht hier", sagte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies vor dem Anpfiff: "Er war der Architekt des modernen Schalke. Wir möchten ihm heute ein gutes Fußballspiel geben. Rudi, wir sind unendlich traurig und werden dich nie vergessen."

Alzheimerkrankheit war 2012 bekannt geworden

Im Januar 2012 war bekannt geworden, dass Assauer an Alzheimer erkrankt ist. Seitdem lebte der gelernte Stahlbauschlosser weitestgehend zurückgezogen. Denn die neurodegenerative Krankheit machte Assauer immer mehr zu schaffen. Bis zuletzt wurde er von seiner Tochter Bettina Michel (52), die mit ihm zusammen in einem Reihenhäuschen in Herten lebte, gepflegt.

"Mit Rudi Assauer verliert der deutsche Fußball eine herausragende Persönlichkeit", erklärte Präsident Reinhard Grindel vom Deutschen Fußball-Bund. Für seinen Kollegen Reinhard Rauball von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) war Assauer "ein Urgestein und eine Identifikationsfigur, über viele Jahre eines der prominentesten Gesichter des deutschen Fußballs. Einen Mann wie Rudi Assauer wird man im deutschen Fußball nicht vergessen". DFL-Geschäftsführer Christian Seifert sagte: "Er hatte die Gabe, andere Menschen für sich zu gewinnen - auch deshalb genoss er weit über die Stadtgrenzen von Gelsenkirchen hinaus einen hervorragenden Ruf."

307 Bundesligaspiele für Dortmund und Bremen

Assauer, den man praktisch nur mit Zigarre zwischen den Fingern kannte, konnte seit geraumer Zeit kaum noch sprechen. "Er hat mich immer unterstützt. Leider bekommt er nicht mehr alles mit", sagte bereits vor zwei Jahren Schalkes Jahrhundert-Trainer Huub Stevens, der Assauer regelmäßig besuchte.

Assauer, der auch als Frauenheld galt und durch seine Beziehung mit Schauspielerin Simone Thomalla Schlagzeilen machte, bestritt zwischen 1964 und 1976 für Borussia Dortmund und Werder Bremen insgesamt 307 Bundesligaspiele. Von 1976 bis 1981 war er bei Werder Bremen als Manager tätig und vom 15. Mai 1981 bis zum 4. Dezember 1986 in gleicher Funktion zum ersten Mal bei Schalke 04. Die erste Amtszeit bei den Königsblauen endete mit seiner Entlassung.

UEFA-Cup und DFB-Pokal als Manager

Nachdem sich der Fußball-Fachmann vier Jahre in der Immobilienbranche verdingt hatte, wurde Assauer 1990 Manager des damaligen Zweitligisten VfB Oldenburg. Am 1. April 1993 übernahm er zum zweiten Mal auf Schalke das Manager-Amt.

Während seiner zweiten Amtszeit gewann er mit Schalke 1997 den UEFA-Cup sowie 2001 und 2002 den DFB-Pokal. 2001 wähnte er sich für vier Minuten und 38 Sekunden mit den Königsblauen als deutscher Meister. Doch dann traf Patrik Andersson für die Bayern - und Schalke wurde nur der Meister der Herzen. In diese Ära fiel auch der Bau der Veltins-Arena.

2006 Rücktritt als Schalke-Manager

Ab dem 1. August 2006 sollte Assauer Vorstandsvorsitzender werden. Doch am 17. Mai 2006 trat er als Manager zurück, nachdem der Aufsichtsrat des Vereins ihn zuvor zur satzungsgemäßen Sitzung mit dem Tagesordnungspunkt Abberufung eingeladen hatte.

Eine seiner berühmtesten Aussagen skizzierte Assauers durchaus spannungsgeladenes Verhältnis zu den Knappen: "Entweder ich schaffe Schalke, oder Schalke schafft mich." Vergessen hat ihn auf Schalke aber kaum einer. Klub-Legende Klaus Fischer reagierte bestürzt auf die Todesnachricht und sprach gegenüber t-online.de von einem "riesigen Verlust". Assauer sei der "Motor" des Vereins gewesen: "Er konnte knallhart sein, doch trotzdem mochten ihn die Menschen."

"Die Platte ist leer"

Zu seinem 70. Geburtstag gaben sich ehemalige Spieler wie Marc Wilmots und Ebbe Sand, langjährige Manager-Kollegen wie Reiner Calmund und Heribert Bruchhagen und auch der damalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach die Klinke in die Hand. Das Geburtstagskind selbst bekam nicht mehr alles mit. "Die Platte ist leer", sagte Assauer, als er seine Krankheit öffentlich machte, und schrieb in seiner Autobiografie weiter dazu: "Man sollte das Kind beim Namen nennen. Zack, bumm."

Assauer wird in vielerlei Hinsicht in Erinnerung bleiben: als Architekt des sensationellen UEFA-Cup-Triumphs, als Meister der Herzen, der nicht mehr an den Fußball-Gott glaubt, als DFB-Pokalsieger, der im Überschwang des Jubels den Pott fallen lässt, als Vater der Schalker Arena, der sich über sein "Baby" freut, und als Macho, der mit Zigarre und Zeitung in der Sauna posiert. In ihre Ehrenkabine haben die Königsblauen ihn schon 2012 gewählt.
Ehrenmitglied Rudi Assauer bleibt auf Schalke unvergessen.

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