Sie sind hier:

Noch keine Erlaubnis vom Vatikan - Viel Unterstützung für Wucherpfenning

Datum:

Ein Pater soll wieder Rektor an einer katholischen Hochschule werden. Rom lässt das nicht zu - wegen dessen Haltung zu Homosexuellen? Der Pater erhält nun viel Zuspruch.

Rom hat dem Frankfurter Hochschulrektor für Theologie, Ansgar Wucherpfennig, die Unbedenklichkeitsbescheinigung verweigert und ihn damit faktisch abgesetzt. Wucherpfennig wünscht sich einen offeneren Umgang mit Homosexuellen.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Im Februar war Ansgar Wucherpfenning für eine dritte Amtszeit als Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt wiedergewählt worden. Die Verantwortlichen für Bildung in Rom erteilten ihm bislang jedoch noch nicht die erforderliche Unbedenklichkeitserklärung («Nihil obstat»), die für die Amtsverlängerung nötig ist.
Wucherpfennig hatte sich in Interviews kritisch zum Umgang der Kirche mit Homosexuellen und mit Frauen geäußert und unter anderem Segensfeiern für homosexuelle Partnerschaften befürwortet.

Im ZDF zeigt er sich sehr überrascht - und verletzt. Der Vatikan habe nie mit ihm geredet und seiner Verlängerung als Rektor an der katholischen Hochschule einfach nicht zugestimmt: "Das ist verletzend für mich, aber ich finde es vor allem auch verletzend für viele schwule Männer und lesbische Frauen, die angefangen haben aufgrund der Frankfurter Stadtkirche und der Initiative hier wieder einen Zugang zur Kirche zu finden - der noch sehr zart ist. Und jetzt hab ich den Eindruck, da wird mit dem Hammer drauf gehauen."

Archiv: Der Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig, aufgenommen am  24.07.2014  in Frankfurt am Main
Der Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig (Archivbild) Quelle: dpa

Offener Brief von empörten Pfarrern

Ansgar Wucherpfennig war bis vor Kurzem nicht nur Rektor an dieser katholischen Hochschule, er gehört auch zu einem Team, das sich um die Seelsorge für homosexuelle Gläubige kümmert. Diese Arbeit und ein Interview, das er vor zwei Jahren einer Zeitung gab, ist für Rom nun Stein des Anstoßes. Damals sagte er auf die Frage, warum die katholische Kirche Homosexuellen gegenüber ablehnend sei: "Mein Eindruck ist, dass das tiefsitzende, zum Teil missverständlich formulierte Stellen in der Bibel sind … Liebe sollte eine egalitäre, freie Beziehung sein".

Werner Otto, Pfarrer der Bonifatius-Kirche Frankfurt, springt ihm zur Seite. Diese Aussagen seien mit der katholischen Kirche völlig im Einklang. Otto hat zusammen mit anderen Frankfurter Pfarrern in einem offenen Brief seiner Empörung Luft gemacht. Dem ZDF sagt er: "Das ist schon ein Unding, dass sich der Vatikan da einmischt, und das verstößt auch ziemlich klar gegen das ganz katholische Subsidiaritätsprinzip, dass die Kirche sonst predigt. Hier wurden der Bischof von Limburg und auch der Provinzial der Jesuiten schlicht und ergreifend übergangen."

"So verschroben, so unklar, so verschämt"

Johannes Siebner ist Provinzial der Jesuiten in Deutschland und der direkte Vorgesetze von Ansgar Wucherpfennig. Er findet das Vorgehen des Vatikans ebenfalls inakzeptabel. Genauso wie dessen Haltung zu Homosexualität: "Erstens so verschroben, so unklar, so verschämt daherkommt. Huhu, da kann man nicht drüber reden, und zweitens, das ist meiner Meinung nach inzwischen auch obsolet. Wir müssen endlich die Beziehungen von gleichgeschlechtlichen Menschen als das akzeptieren, was sie sind."  

Eingang Sankt Georgen
An der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt werden Priesteranwärter aus den Bistümern Hamburg, Hildesheim, Limburg und Osnabrück ihre ausgebildet. Quelle: dpa

Immer wieder mahnt Papst Franziskus, homosexuelle Gläubige nicht zu diskriminieren: "Wer bin ich, um über sie zu richten" - nur eine seiner vielen Äußerungen dazu. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, meint, der Papst zeige, dass man auch in Rom anders denke als früher. Damals habe man noch sehr starr und schematisch gedacht. "Aber man hat den Eindruck je liberaler dieser Papst ist, desto schärfer werden die Seile angezogen in der Kurie".

Wucherpfennig fühlte sich eigentlich von Franziskus bestätigt

Von den Äußerungen des Papstes fühlte sich stets auch Priester Wucherpfennig bestätigt: "Darauf hab ich mich verlassen, hatte angefangen darüber weiterzudenken, und auch dementsprechend Seelsorge und auch Theologie zu entwickeln. Ich kann nicht nachvollziehen, warum das jetzt ausgebremst wird, ausgerechnet von engsten Mitarbeitern des Vatikans".

Ansgar Wucherpfennig hofft, dass diese ihre Meinung noch ändern - und er Rektor in Sankt Georgen bleiben kann.

Mit Material von kna.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.