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Nach Terroranschlägen - Der Tourismus kehrt nach Tunesien zurück

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Terroranschläge haben die Zahl der Touristen in Tunesien in den letzten Jahren einbrechen lassen. Doch nach Investitionen in die Sicherheit kommen die Urlauber langsam zurück.

Touristen am Strand von Djerba, Tunesien
Touristen am Strand von Djerba (Archivfoto, 7.9.2016) Quelle: reuters

"I love Tunis" - fast trotzig stehen die mannshohen Buchstaben in leuchtendem Rot am Ende der Prachtstraße von Tunis, der Avenue Habib Bourghiba. Von hier aus sind es nur wenige Meter bis zur Medina, früher Hauptanziehungspunkt für Touristen, in den Jahren nach der Revolution von 2011 eher ausgestorben. Dabei zählt die Altstadt von Tunis zum Weltkulturerbe und gilt als eine der schönsten der arabischen Welt.

Früher spuckten die Kreuzfahrtschiffe, die auf ihrer Tour rund ums Mittelmeer in Tunis anlegten, tausende Besucher aus. Auf dem Programm: Gang durch die Medina inklusive Einkauf, Besuch des Bardo-Museums und ein Ausflug nach Karthago oder Sidi Bou Said. Doch damit war Schluss, nachdem im März 2015 Terroristen ein Blutbad im Bardo-Museum anrichteten. Kein Schiff legte mehr an in Tunis. Und nach dem Attentat am Strand des Badeortes Sousse, bei dem 38 Touristen getötet wurden, brach auch der vor allem bei Deutschen so beliebte Badetourismus ein. Dramatisch für Tunesien, gehört doch der Tourismus zu den Haupteinnahmequellen des Landes.

Sicherheitsstandards deutlich erhöht

Die Regierung hat reagiert und massiv in die Sicherheit investiert: Bevor man heute ein Hotel betritt, wird das Gepäck durchleuchtet - es mutet an wie Sicherheitskontrollen am Flughafen. Und seit einem Jahr zeigt auch die Polizei massiv Präsenz an den Stränden. Ob das wirklich Attentate verhindern kann, weiß niemand - aber es beruhigt. Die Zahl der Touristen stieg im März dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent. Tunesien erwartet dieses Jahr voraussichtlich acht Millionen Touristen.

Tunesien war einst ein beliebtes Reiseland. Vor drei Jahren jedoch erschütterte ein schweres Attentat das Land, bei dem im Badeort Sousse 38 Touristen erschossen wurden. Nun feiert das Land ein kleines Comeback.

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Die malerischen Gassen der Medina von Tunis mit ihren Handwerksläden waren ausgestorben in den letzten Jahren. Heute brummt hier wieder das Leben. Das Ehepaar Leihs aus Wien hatte sich genau erkundigt, bevor sie nach Tunis kamen, sie fühlen sich sicher. Und auch Marc Lecaille aus Belgien schlendert unbesorgt durch die Medina. Er sagt, die Sicherheitsmaßnahmen seien gut, das sei beruhigend. In der Tat: Die Polizeipräsenz ist nicht zu übersehen.

Hoffnungsschimmer nach schweren Jahren

Die Händler atmen auf. Denn sie haben schwere Jahre hinter sich. Die Familie von Belkassel zum Beispiel fertigt seit 50 Jahren landestypisches Kunsthandwerk, Lampen, Schalen und Teekannen. Früher hat er von den Passagieren der Kreuzfahrtschiffe gelebt. Als die wegblieben, hat Belkassel versucht, auch tunesische Kundschaft für seine Waren zu interessieren, ist durchs Land gereist, hat Kontakte geknüpft. Das hat sich ausgezahlt. Inzwischen sind seine Erzeugnisse sehr beliebt als Hochzeitsgeschenke. So konnte er die mageren Zeiten überleben.

Karte Tunesien - Tunis
Quelle: ZDF

Und so wurde auch Tahar Momtathel auf ihn aufmerksam. Momtathel ist Direktor des Hotels Royal Victoria am Eingang der Medina. Das Gebäude war von 1662 bis 2004 Sitz des britischen Botschafters. Und Momthahel hat es - mitten in der touristenlosen Zeit - liebevoll renoviert. Ausschließlich mit Erzeugnissen tunesischer Handwerker. Belkassel hat sämtliche Lampen für ihn gefertigt. Tahar Momtathel hat ein erhebliches Risiko auf sich genommen, als er das Haus kurz nach den Attentaten eröffnete. Doch für ihn ging es nicht nur ums Geld, es ging auch um das Ansehen von Tunesien. Auch für ihn hat es sich ausgezahlt: Das Hotel ist fast immer ausgebucht. Trotz spürbarer Erleichterung blickt die Mehrheit der Händler in der Medina dennoch mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Die Touristen sind zwar zurück, doch das Portemonnaie sitzt nicht mehr so locker.

Wiederbelebte Viertel

Sidi Bou Said liegt nur wenige Kilometer von Tunis entfernt, thront hoch über dem leuchtend blauen Mittelmeer. Fast eine Puppenstube: die Häuser leuchtend weiß, Türen und Fensterläden knallblau. Das hatte auch 1914 Paul Klee fasziniert, der mit seinen Malerfreunden Louis Moilliet und August Macke nach Tunesien gereist war. Er begegnete hier in Sidi Bou Said einer Welt im Überfluss: Farben, Formen, alles fremd - und alles voller Licht.

Durch die Straßen von Sidi Bou Said drängeln sich heute wieder Reisegruppen, machen Selfies, trinken den obligatorischen Minztee im Café les Délices und sind - wie Macke - fasziniert vom Blau des Himmels und vom Blau des Meeres. Drei Jahre nach den Terroranschlägen haben die Reisenden wieder Vertrauen in die Sicherheit von Tunesien. Und das Land hofft, dass es jetzt auch wirtschaftlich wieder bergauf geht.

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