Ein Schritt vor, zwei zurück

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Florida: Waffen für Lehrer - Ein Schritt vor, zwei zurück

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15 Monate nach dem tragischen Amoklauf in Parkland verabschieden Floridas republikanische Abgeordnete ein Gesetz, das es einfacher macht, Lehrer zu bewaffnen.

Waffen in den USA
Waffen in den USA
Quelle: ap

US-Politiker diskutierten im Kapitol in Tallahassee gerade über die Bewaffnung von Lehrern, da löste sich in einer Schulkantine im Bezirk Pasco eine Kugel aus der Waffe eines Securities. Die Kugel blieb in der Wand stecken, niemand wurde verletzt. Es war ein Warnschuss, der nicht gehört wurde.

Ideengeber Donald Trump

65 republikanische Abgeordnete verabschiedeten im Repräsentantenhaus Floridas ein Gesetz, das es Lehrern erleichtert, sich mit einer Waffe auszustatten. Die Idee dafür stammt von US-Präsident Donald Trump, der eine Woche nach dem Massaker an der Parkland High School im Februar 2018 suggerierte, der Amokläufer hätte durch bewaffnete Lehrer gestoppt werden können. Auch die National Rifle Association (NRA) geht damit konform: bewaffnete Lehrer seien die beste Verteidigung.

Die Fakten sprechen hingegen eine andere Sprache. Die Präsenz und damit der Zugang zu Waffen erhöht das Risiko für Selbstmorde in den USA um ein Dreifaches, das Risiko für Morde verdoppelt sich. Eine Statistik des FBIs zeigt, dass von 250 Amokläufen nur sieben durch bewaffnete Zivilisten erfolgreich beendet wurden, wohingegen unbewaffnete Zivilisten 22 Mal erfolgreich intervenieren konnten.

Meiste Lehrer lehnen Tragen von Waffen ab

Hinzu kommt, dass bewaffnete Personen vor Ort im Falle einer Schießerei zum Risikofaktor werden. Indem sie zum Beispiel von der Polizei für den Täter gehalten werden, oder selbst unbewaffnete Beteiligte angreifen. Eine zusätzliche Befürchtung, die im Repräsentantenhaus auch heftig diskutiert wurde: dass das Racial Profiling nun auch an den Schulen Einzug hält. Das bedeutet, dass Menschen allein aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit für gefährlicher als andere gehalten werden. Und wer garantiert, dass ein Lehrer bei einer Auseinandersetzung mit einem schwierigen Schüler nicht plötzlich überreagiert?

Die Mehrheit der Lehrer in den USA lehnt den Griff zur Waffe ab, auch weil es an vielen Schulen ohnehin Securities gibt, die diese Aufgabe übernehmen. Die Schüler der Parkland High School, wie Emma Gonzalez und David Hogg, haben sich immer wieder dagegen ausgesprochen noch mehr Waffen ins Spiel zu bringen, mobilisierten dafür auch Hunderttausende US-Schüler. Dennoch kam die Kommission, die den Amoklauf vor mehr als einem Jahr untersucht hat, zur gegenteiligen Empfehlung. Mit ein Grund dafür dürfte auch der federführende Sheriff Bob Gualtieri gewesen sein, der damit den Personal- und Ressourcenmangel bei der lokalen Polizei ausgleichen will.   

Debatte dreht sich im Kreis

Florida ist bei weitem nicht der einzige Bundesstaat, der es Lehrern erlaubt eine Waffe zu tragen. Dennoch ist das neue Gesetz Beweis dafür, dass sich die Debatte um Waffengewalt in den USA weiterhin im Kreis dreht. Politische Realitäten verhindern, dass die Lösungsvorschläge der jungen Aktivisten umgesetzt werden. Die Verteidigung des 2. Zusatzartikels der US-Verfassung, der den Besitz und das Tragen von Waffen regelt, wird unter den Republikanern weiterhin als non-plus-ultra gesehen.

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