Sie sind hier:

Forschungen im Weltall - Russische Raumfahrt - quo vadis?

Datum:

Russland will sich als Raumfahrtnation in der internationalen Kosmos-Forschung nicht abhängen lassen. Doch von ihrem einstigen Vorsprung ist nicht mehr viel übrig.

Archiv: Start der russischen Sojus-Rakete in Wstotschny, aufgenommen am 28.11.2017
Start der russischen Sojus-Rakete in Wstotschnij (Archivbild von November 2017)
Quelle: dpa

Neidvoll registrierte man in Moskau den Erfolg israelischer Wissenschaftler, die die eigene Sonde „Beresheet“ zum Mond geschickt hatten, auch wenn sie am Donnerstag bei der Landung zerschellte. Und das ausgerechnet vor einem der beliebtesten Feiertage der Russen, den 12. April - den Tag der Raumfahrt. Schließlich war es Juri Gagarin, der vor genau 58 Jahren als erster Mensch im All war und damit die Ära der bemannten Kosmosflüge einleitete. Nostalgie kommt da bei der russischen Bevölkerung auf, aber auch Stolz: Wir sind eine Raumfahrtnation.

Doch vom einstigen Vorsprung gegenüber anderen Nationen ist heute nur noch wenig geblieben. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Lange Zeit wurde nur unzureichend in die Forschung und Raumfahrtindustrie investiert, was ein Zurückbleiben auf dem Gebiet der Grundlagenforschung, Technik und Entwicklung verursachte. Geringe Gehälter führten dazu, dass sich nur wenig junge Leute für diesen Bereich interessierten. Die Überalterung des Personals – eine logische Konsequenz. Hinzu kamen der schwerfällige und aufgeblähte bürokratische Apparat, der viele notwendige und wichtige Entscheidungen verschleppte, und die Korruption. Generalstaatsanwalt Juri Tschaika erklärte dieser Tage, dass allein im vergangenen Jahr über 1,6 Milliarden Rubel (umgerechnet etwa 22 Millionen Euro) in den Unternehmen der russischen Raumfahrtagentur unterschlagen und geraubt wurden. Ganz zu schweigen davon, dass von den insgesamt bereitgestellten rund 500 Milliarden Rubel nur etwas mehr als 80 Prozent in Anspruch genommen wurden.

Neuer Roskosmos-Chef will aufräumen

Israel ist mit dem Versuch einer Mondlandung gescheitert. Beim Landeanflug schaltete sich das Triebwerk der Raumsonde "Beresheet" ab und die Sonde zerschellte auf dem Mond.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Mit solch einem Berg von Problemen wurde Dmitrij Rogosin konfrontiert, als er im Mai 2018 zum neuen Chef der Raumfahrtagentur ROSKOSMOS wurde. Der ehemalige Vizepremier fackelte nicht lange und begann aufzuräumen. Erfahrungen hatte er bereits beim Bau des neuen Kosmodroms Wostotschnyj im Fernen Osten gesammelt. Durch sein vehementes und rigoroses Durchgreifen wurden schließlich die massiven Bauverzögerungen überwunden, so dass am 28. April 2016 endlich die erste Rakete im Beisein von Kremlchef Wladimir Putin gestartet werden konnte.

Personalveränderungen unter anderem in den Raumfahrtkonzernen „Energija“ und „Chrunitschew“ machten Schlagzeilen, die Investitionspolitik wurde neu ausgerichtet und die Raumfahrtagentur an sich speckte personell ab und setzte auf die Gewinnung neuer, engagierter Leute. Freilich konzeptionell ging es in den ersten Monaten holprig voran.

Raumfahrt in Alleingang nicht zu stemmen

Welche Ziele hat Roskosmos heute im Visier? Dmitrij Rogosin macht aus den ambitionierten, neuformulierten Aufgaben für seine Agentur keinen Hehl. Die zweite Ausbaustufe von Wostotschnij soll in der nahen Zukunft in Angriff genommen werden. Schließlich will man sich aus der Abhängigkeit vom Kosmodrom Baikonur in der kasachischen Steppe lösen und einen eigenen Startplatz für schwere Raketen vom Typ "Angara" haben.

Parallel dazu werden die Entwicklungsarbeiten für andere neue Raketen und das Raumschiff "Föderation" forciert. Letzteres soll die bisherigen "Sojus"- und "Progress"-Raumschiffe ablösen und überdies mehrfach einsetzbar sein. Bis zu den ersten Flugtests werden wohl sicher noch mehr als drei Jahre ins Land gehen.

Fortgesetzt wird auch die internationale Zusammenarbeit, denn im Alleingang ist die bemannte Raumfahrt und weitere Erforschung des Weltalls heutzutage nicht zu stemmen. Konkret bedeutet dies unter anderem eine Fortsetzung der gemeinsamen Nutzung der internationalen Raumstation ISS mit der US-amerikanischen Raumfahrtagentur auch nach 2024, wobei ein stärkerer kommerzieller Einsatz nicht ausgeschlossen wird.

Dabei verdient die Tatsache große Beachtung, dass möglicherweise schon in diesem Jahr die Monopolstellung Russlands beim Transport von Astronauten zur ISS enden wird. SpaceX und Boeing entwickelten Raumschiffe, die künftig Nasa-Astronauten zur internationalen Raumstation bringen sollen. Und  Roskosmos will im Juli 2020 endlich sein neues multifunktionales Modul "Nauka" ("Wissenschaft") zur ISS schicken.

Mars-Landung im März 2021 geplant

Mit der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) konzentriert man sich derzeit vor allem auf das Projekt "ExoMars", in dessen Rahmen im Juli 2020 das TGO-Modul gestartet wird. Und sollte alles reibungslos verlaufen, landet das Modul im März 2021 auf der Mars-Oberfläche. Mit einem speziell von der ESA entwickelten Fahrzeug sollen die Bodenschichten des Mars tiefgründiger untersucht und mögliche Spuren von Leben gesucht werden.  Bis zu bemannten Flügen zum "Roten Planeten" wird jedoch noch viel Zeit vergehen.

Als reale Zwischenetappe bei den Vorbereitungen zu diesen Flügen wird daher unser Erdtrabant angesehen. Dazu sollen 2024 und 2025 die Mondsonden "Luna-26" und "Luna-27" gestartet werden. Überdies hat in Moskau am 19. März eine Langzeitstudie für bemannte Mondflüge begonnen, an der sich auch das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum mit mehreren Experimenten beteiligt. Die langfristigen Pläne sehen nämlich vor, dass der Mond als Hub für Flüge zum Mars genutzt werden sollte, so dass man gerade auf ihm bemannte Stationen für lange Aufenthalte einrichten will.

Von einem Wettrennen, wer als erster wieder einen Menschen auf den Mond bringt, will aber keiner sprechen. Obwohl: Wenn Präsident Putin am Tag der Raumfahrt beim Moskauer Festkonzert "Die ersten im Kosmos" auftritt und nicht nur Juri Gagarin würdigt, wird sicher manch ein Russe davon träumen, dass es ein Landsmann sein wird.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.