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Nach Pass-Einzug - Russischer Theater-Regisseur verhaftet

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Schon seit Mai haben die russischen Behörden seinen Pass eingezogen. Nun wurde der russische Theater-Regisseur und Regime-Kritiker Kirill Serebrennikow verhaftet. Serebrennikow selbst bezeichnet die Vorwürfe gegen ihn als absurd.

Landesweit wurden dutzende Anhänger des Kremlkritikers Alexej Nawalny festgenommen. Die Anhänger hatten Luftballons und Flugblätter verteilt. Nawalny will 2018 bei der Präsidentenwahl antreten.

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Der prominente russische Theaterregisseur Kirill Serebrennikow (47) ist unter Betrugsverdacht festgenommen worden. Das teilte das Staatliche Ermittlungskomitee am Dienstag in Moskau mit. Der Leiter des Moskauer Gogol-Theaters stehe im Verdacht, zwischen 2011 und 2014 staatliche Gelder von 68 Millionen Rubel (knapp eine Million Euro) veruntreut zu haben, die für eine Produktion an seinem Theater vorgesehen waren.

Nach Serebrennikows Angaben werfen die Ermittler ihm vor, eine bestellte Inszenierung von Shakespeares "Sommernachtstraum" sei nicht zustande gekommen. Die Aufführung ist allerdings mehrfach in Russland und im Ausland gezeigt worden. Serebrennikow selbst stellt die Vorwürfe als absurdes Theater dar: "Wir brauchen Hilfe in einer absurden, schizophrenen Situation", schrieb er. Zuschauer sollten bitte bezeugen, dass sie seine Version von William Shakespeares "Sommernachtstraum" gesehen hätten. "Die Ermittler sagen uns, dass es das nicht gibt und nie gegeben hat."

Mitarbeiter Serebrennikows verhaftet

Die Behörden hatten die Wohnung des Regisseurs und das Gogol-Theater im Mai durchsucht. Drei frühere Mitarbeiter wurden mit Untersuchungshaft oder Hausarrest belegt. Serebrennikow war nach Behördenangaben zunächst Zeuge in dem Verfahren. Weil aber sein Pass eingezogen war und er nicht ins Ausland reisen durfte, fürchtete auch er eine Verhaftung.

Serebrennikow hat jegliches Fehlverhalten zurückgewiesen. Seine Anhänger sehen in den Ermittlungen eine Vergeltung konservativer Kreise des Kremls wegen Serebrennikows satirischer Kritik an russischen Behörden. Seine Produktionen sind seit Jahren ausverkauft.

Allerdings hat ihn die frühere Chefbuchhalterin seiner Produktionsfirma "Siebtes Studio" in Vernehmungen belastet.

Unterstützung für Serebrennikow aus Stuttgart

Im Juli hatte das Bolschoi-Theater eine mit Spannung erwartete Ballett-Inszenierung unter der Leitung von Serebrennikow drei Tage vor der Premiere abgesagt. In der Moskauer Kunstszene sprachen viele Beobachter daraufhin von einer Rückkehr zur Zensur. Das Bolschoi wies Berichte zurück, wonach die Inszenierung wegen ihrer freimütigen Darstellung der homosexuellen Beziehungen des Protagonisten gestrichen worden sei.

Viele russische Künstler haben eine Freilassung der inhaftierten Theatermacher gefordert. Auch die Staatsoper Stuttgart setzte sich für Serebrennikow ein. Im September soll er in Stuttgart die Märchenoper "Hänsel und Gretel" inszenieren.

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