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Russland-Affäre in den USA - Der Druck auf Trumps Sohn wächst

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Donald Trump Jr. gerät zunehmend unter Druck. Zwar verteidigte US-Präsident Donald Trump seinen ältesten Sohn, nachdem bekannt wurde, dass der sich im Wahlkampf mit einer russischen Anwältin getroffen hatte. Doch mit Vize-Präsident Mike Pence suchte einer der prominentesten Republikaner Distanz. 

Donald Trump junior übt Schadensbegrenzung: Der Präsidentensohn veröffentlichte selbst den Mailverkehr, in dem ihm belastende Informationen über Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton angeboten wurden - angeblich direkt von der russischen Regierung

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Nach der Veröffentlichung brisanter E-Mails zu seinen Russland-Kontakten wächst der Druck auf den ältesten Sohn von US-Präsident Donald Trump. Die Dokumente belegen, dass Donald Trump Jr. sich während des US-Wahlkampfs auf ein Angebot einließ, belastendes Material über die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton aus russischer Quelle zu erhalten. Während der US-Präsident seinen Sohn verteidigte, distanzierte sich sein Stellvertreter Mike Pence von dem 39-Jährigen.

Der Mailwechsel stammt aus den Tagen vor einem Treffen zwischen Donald Trump Jr. und der Anwältin Natalia Veselnitskaja im Juni 2016, das bereits in den vergangenen Tagen bekannt geworden war. Der Trump-Sohn veröffentlichte die E-Mails am Dienstag selbst, um "vollkommen transparent" zu sein. Allerdings war der Mailwechsel bereits in die Hände der "New York Times" gelangt und wurde von der Zeitung nahezu zeitgleich verbreitet.

Russland-Affäre gewinnt neue Dimension

Durch diese Enthüllungen gewinnt die Russland-Affäre in den USA eine neue Dimension: Denn damit kam nun erstmals ans Licht, dass der Trump-Kampagne angeblich direkte Hilfe der russischen Regierung im Wahlkampf angeboten wurde - und diese zumindest ein Stück weit darauf einging.

Wie aus den E-Mails hervorgeht, wurde der Trump-Sohn von dem britischen Publizisten Rob Goldstone mit dem Angebot kontaktiert, er könne ihm "sehr hochangesiedeltes" und "ultra-heikles" Material über Russland-Verbindungen Clintons verschaffen, das vom russischen Generalstaatsanwalt stamme. Dieses Material "wäre für ihren Vater sehr nützlich".

Die Informationen entstammten den Bemühungen "Russlands und seiner Regierung zur Unterstützung" der Präsidentschaftskampagne des US-Immobilienmoguls, schrieb Goldstone. Der Trump-Sohn reagierte innerhalb weniger Minuten: "Wenn es das ist, was Sie sagen, liebe ich das."

Präsident verteidigt seinen Sohn

Goldstone vertritt als Agent den russischen Popsänger Emin Algarow, dessen Vater geschäftlich mit Donald Trump zusammengearbeitet hat. Veselnitskaja bezeichnete der Brite als "Anwältin der russischen Regierung". Der Kreml hatte am Montag bestritten, Veselnitskaja zu kennen.

US-Präsident Trump stärkte seinem Sohn am Dienstag den Rücken. "Mein Sohn ist eine Person von großer Qualität und ich begrüße seine Transparenz", hieß es in einer Erklärung Trumps.

Vize-Präsident Pence war hingegen um Distanz bemüht. Er habe von dem Treffen nichts gewusst, ließ er mitteilen. Pence beschäftige sich nicht mit Vorfällen aus dem Wahlkampf, insbesondere nicht aus der Zeit, bevor er selbst als Trumps Stellvertreter kandidierte, hieß es in einer Erklärung seines Büros.

Trump-Sohn relativiert

An dem Gespräch mit Veselnitskaja nahmen auch der Trump-Schwiegersohn und heutige Präsidentenberater Jared Kushner sowie der damalige Trump-Wahlkampfmanager Paul Manafort teil. Donald Trump Jr. hatte noch im März jegliche Treffen mit russischen Staatsbürgern im Zusammenhang mit dem Wahlkampf bestritten. Über sein Treffen mit Veselnitskaja informierte er in den vergangenen Tagen erst, als er mit entsprechenden Recherchen der "New York Times" konfrontiert wurde.

Der Trump-Sohn versuchte das Treffen als normalen Vorgang darzustellen. Er führte auch ins Feld, entgegen der Ankündigung habe Veselnitskaja "kein bedeutsames" Material über Clinton gehabt. Der demokratische Vizepräsidentschaftskandidat Tim Kaine erklärte hingegen, die neuen Enthüllungen deuteten auf einen Meineid und "möglichen Verrat" hin.

Die Bundespolizei FBI, ein Sonderermittler und mehrere Kongressausschüsse gehen dem Verdacht nach, dass es Kontakte illegaler Art zwischen dem Trump-Wahlkampfteam und der russischen Regierung gegeben haben könnte. Die US-Geheimdienste gehen davon aus, dass die Hackerangriffe auf die Trump-Rivalin Clinton auf die russische Regierung zurückgehen und direkt von Präsident Wladmir Putin angeordnet wurden.

Sanktionen möglich

Wegen der Cyberinterventionen hatte der frühere US-Präsident Barack Obama kurz vor seinem Ausscheiden Sanktionen gegen Russland verhängt. 35 russische Diplomaten wurden ausgewiesen und russische Grundstücke in New York und Maryland beschlagnahmt.

Bislang verzichtete Moskau auf Gegenmaßnahmen, möglicherweise aufgrund der Erwartung, dass Trump diese Sanktionen aufheben und abmildern könnte. Dies geschah nicht. Wenige Tage nach dem ersten Treffen zwischen Trump und Putin am Rande des G20-Gipfels in Hamburg sagte nun der russische Außenminister Sergej Lawrow, der Kreml erwäge konkrete Gegenmaßnahmen. Laut russischen Medienberichten könnten 30 US-Diplomaten ausgewiesen und US-Besitz in Russland beschlagnahmt werden.

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