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Russland-Affäre in den USA - Trump Jr.: "Es gab nichts zu erzählen"

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In der Russland-Affäre geht Donald Trump Jr. in die Offensive: Nach der Veröffentlichung von E-Mail-Absprachen mit einem Musikverleger rechtfertigt sich der älteste Sohn des US-Präsidenten bei Fox News. Der Tenor: Es war doch nichts dabei. ZDF-Korrespondentin Ines Trams spricht von einem "großen politischen Fehler".

Seit der US-Wahl wird Trump vorgeworfen, Russland habe ihm ins Amt geholfen. Der US-Präsident bestreitet das. Jetzt ein neuer Verdacht: seinem Sohn wurde belastendes Material über Hillary Clinton aus angeblich offizieller russischer Regierungsquelle …

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Donald Trump Jr., der älteste Sohn des US-Präsidenten, hat seinem Vater nach eigenen Angaben nie von dem Treffen mit einer russischen Anwältin erzählt, das in der Russland-Affäre belastend ausfallen könnte. "Es war einfach nichts. Es gab nichts zu erzählen", sagte Trump Jr. in einem Interview mit dem US-Fernsehsender Fox News am Dienstag (Ortszeit). Im Rückblick habe er die Dinge rund um das Treffen im Sommer 2016 vielleicht etwas anders machen sollen. Dennoch sah er bei sich kein Fehlverhalten.

Trump Jr. spricht von "Recherche"

In dem Interview verteidigte er seine Reaktion auf die E-Mails, die bloßstellende Informationen über die damalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton versprachen. "Jemand hat mir eine E-Mail geschickt. (...) Ich lese sie, ich antworte entsprechend." Die Sache sei für ihn Recherche gewesen: "Sie hatten etwas, was konkrete Hinweise auf alle Geschichten hätten sein können, die ich gehört hatte."

Schlussendlich sei das Gespräch mit der Anwältin Natalia Weselnizkaja aber Zeitverschwendung gewesen, sagte er. Der 39-Jährige wiederholte seine vorherige Aussage, bei dem Treffen sei es nicht zu einem Informationsaustausch gekommen. Bei Zusammenkünften mit seinem Vater habe er nicht darüber gesprochen.

Trump Jr. hatte an dem Treffen im Trump Tower teilgenommen, weil der Organisator der Zusammenkunft - der Musikverleger Robert Goldstone - per E-Mail erklärt hatte, die Anwältin habe schädigende Informationen über Clinton. Sie war damals die Rivalin von Donald Trump im Wahlkampf. Zudem deutete Goldstone in einer E-Mail an, dass die Informationen von der russischen Regierung stammten.

"Ultraheikles Material"

Wie aus den E-Mails hervorgeht, wurde der Trump-Sohn von Goldstone mit dem Angebot kontaktiert, er könne "sehr hochangesiedeltes" und "ultra-heikles" Material über Russland-Verbindungen Clintons verschaffen, das vom russischen Generalstaatsanwalt stamme. Dieses Material "wäre für ihren Vater sehr nützlich". Trump Jr. reagierte innerhalb weniger Minuten: "Wenn es das ist, was Sie sagen, liebe ich das."

Im Wahlkampf war Trump Jr. einer der lautstarken Verfechter seines Vaters. Nach dessen Wahl blieben er und sein jüngerer Bruder Eric jedoch in New York, um das familiäre Immobilienimperium zu führen. Bei Twitter setzt sich Trump Jr. dennoch weiterhin für seinen Vater ein und macht regelmäßig die "Fake News"-Medien für schlechte Publicity verantwortlich.

Russland-Affäre gewinnt neue Dimension

ZDF-Korrespondentin Ines Trams betont, es gebe jetzt zum ersten Mal einen Beleg dafür, dass enge Berater von Donald Trump senior großes Interesse während des Wahlkampfes hatten, an solche Informationen heranzukommen.

"Informationen, mit denen sie Hillary Clinton schaden konnten und wollten. Und zwar egal, von wo diese Informationen herkommen, wer die Quelle für solche Informationen gewesen sein soll." Nach Trams' Einschätzung ist das Ganze nicht unbedingt kriminell, nicht strafrechtlich relevant, wohl aber sei es ein großer politischer Fehler gewesen.

Ob diese Entwicklung Trump senior gefährlich werden könnte, hänge davon ab, was er davon wusste. Sein Anwalt beteuere, dass er von dieser Unterredung des Sohnes mit der russischen Anwältin erst in den vergangenen paar Tagen erfahren habe.

Unterstützung vom Vater

Der US-Präsident selbst stärkte am Dienstag seinem Sohn den Rücken. Dieser sei eine Person mit ausgezeichneten Qualitäten, teilte Donald Trump in einer kurzen Erklärung mit, die er von Regierungssprecherin Sarah Huckabee Sanders verlesen ließ. Er lobe "seine Transparenz".

Die Anwältin Weselnizkaja beteuerte indes, keine schädigende Informationen über Clinton besessen zu haben. "Ich habe niemals kompromittierende Informationen gehabt und konnte sie nicht gehabt haben", sagte sie vor Reportern. Sie repräsentiere niemand anderen als sich selbst, fügte sie hinzu.

Weselnizkaja bestand darauf, dass ihr angeboten worden sei, sich mit Trump Jr. in einem privaten Umfeld zu treffen, das nicht mit dem Fakt zusammenhänge, "dass er der Sohn des Präsidentschaftskandidaten ist". Sie sei sich zu diesem Zeitpunkt nicht einmal sicher gewesen, dass der ältere Trump bereits die republikanische Präsidentschaftsnominierung gewonnen habe.

Auch Kushner nahm teil

An dem Gespräch mit Veselnitskaja nahmen auch der Trump-Schwiegersohn und heutige Präsidentenberater Jared Kushner sowie der damalige Trump-Wahlkampfmanager Paul Manafort teil. Donald Trump Jr. hatte noch im März jegliche Treffen mit russischen Staatsbürgern im Zusammenhang mit dem Wahlkampf bestritten. Über sein Treffen mit Veselnitskaja informierte er in den vergangenen Tagen erst, als er mit entsprechenden Recherchen der "New York Times" konfrontiert wurde.

Die Bundespolizei FBI, ein Sonderermittler und mehrere Kongressausschüsse gehen dem Verdacht nach, dass es Kontakte illegaler Art zwischen dem Trump-Wahlkampfteam und der russischen Regierung gegeben haben könnte. Die US-Geheimdienste gehen davon aus, dass die Hackerangriffe auf die Trump-Rivalin Clinton auf die russische Regierung zurückgehen und direkt von Präsident Wladmir Putin angeordnet wurden.

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