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Russland-Affäre in den USA - Trumps "Hurrikan der Kategorie 5"

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Ausgerechnet sein Sohn bringt Donald Trump in große Bedrängnis. Ein Treffen mit einer russischen Anwältin im Juni 2016 offenbart vieles und ist Wasser auf die Mühlen seiner Gegner. Doch stichfeste Beweise für eine Zusammenarbeit mit Russland gibt es noch immer nicht.

Donald Trump Junior hat zugegeben sich während des US-Wahlkampfs 2016 mit einer russischen Anwältin getroffen zu haben, um belastendes Material über Gegenkandidatin Clinton zu bekommen. Das Bekenntnis sorgt in den USA für Wirbel.

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Es war eine besondere Art der Begrüßung, als Donald Trump an Bord der Air Force One vom G20-Gipfel in Deutschland wieder in der Heimat einschwebte: Die "New York Times" hatte pünktlich zur Rückkehr des schillernden Präsidenten eine Geschichte parat, die sich zu einem Wirbelsturm entwickeln sollte, einem "Hurrikan der Kategorie 5", wie es die "Washington Post" am Mittwoch nannte.

Das Weiße Haus sei in hellem Aufruhr, von "Chaos" ist die Rede. Trump hatte in Hamburg im Gespräch mit Kremlchef Wladimir Putin gerade erst versucht, die Russland-Affäre abzuschütteln - und dann das. Auslöser des Gewittersturms über Washington ist Trumps ältester Sohn. Der hatte sich im Juni 2016 mit der russischen Anwältin Natalja Veselnitskaja getroffen. Die 42-Jährige hatte bisher vor allem im Auftrag russischer Unternehmen gegen US-Sanktionen gekämpft.

"Sensible Informationen"

Eingefädelt worden war das Treffen von einem Bekannten von Trump Jr., Rob Goldstone. In einer seiner E-Mails hatte Goldstone an Donald Jr. geschrieben: "Das sind offensichtlich hochrangige und sensible Informationen, aber es ist Teil der Unterstützung Russlands und der Regierung für Herrn Trump (...)". Der junge Donald antwortete: "... wenn es das ist, was Du sagst, dann liebe ich es." Damit war die Bombe geplatzt. Der "Washington Post"-Kommentator Dan Balz konstatierte: "Die E-Mails enthalten die bisher klarsten Hinweise, dass Vertreter des Trump-Lagers zumindest willens waren, mit einem Gegenspieler im Ausland zusammenzuarbeiten, um das gemeinsame Ziel zu erreichen, Hillary Clinton auszuschalten."

Dass der Kreml das als "Seifen-Oper" sieht und die Anwältin nichts mit der Regierung in Moskau zu tun haben will, ist für Trump nur sehr bedingt hilfreich. Von den Medienenthüllungen getrieben, machte Trump Jr. den E-Mail-Wechsel selbst öffentlich. Zunächst nur die unverdächtigen Mails, wenig später dann noch weitere, am Abend ließ er sich dann auch noch von Trumps Haussender Fox News interviewen.

"Vergeudete Zeit"

Nach Darstellung von Donald Trump Jr. war das Treffen mit der Anwältin eher "vergeudete Zeit". Die E-Mails stellen keinen Beweis dar, dass das Trump-Lager oder gar der Präsident selbst mit den Russen zusammengearbeitet hat. Sie legen aber mehr als nahe, dass die Hilfe aus Russland im Wahlkampf mehr als nur willkommen war. Der schillernde Brite Goldstone, Mittelsmann und Musikmanager, hat Kontakte zu dem russischen Popsänger Emin Agalarow. Dessen Vater, Aras Agalarow, ist ein einflussreicher russicher Oligarch, mit dem der heutige US-Präsident und damalige Geschäftsmann Donald Trump 2013 in Moskau eine "Miss-Universum-Wahl" organisiert hatte. Fernsehbilder von damals zeigen, wie Trump Agalarow als "Great Man" bezeichnet, "sehr reich, sehr freundlich".

Aras Agalarow wiederum werden sehr gute Kontakte zu Russlands Präsident Wladimir Putin nachgesagt. Dieser hatte Agalarow 2013 die russische Ehrenmedaille verliehen. Trump soll den Kontakt zu Agalarow nie abreißen lassen haben. Der Oligarch, mit einem Vermögen von knapp zwei Milliarden Dollar laut Forbes-Liste Nummer 51 unter den reichsten Männer Russlands, taucht auch in einem Dossier auf, das ein ehemaliger britischer Geheimagent zusammengestellt hat und das kompromittierendes, aber nicht verifiziertes Material über Trumps Russland-Kontakte enthält.

Trump in Bedrängnis

Wegen dieser Gemengelage sehen politische Gegner den US-Präsidenten inzwischen immer stärker in Bedrängnis. Dass Vizepräsident Mike Pence bereits Erklärungen abgibt, er habe von alldem nie etwas gewusst und sei damals noch gar nicht Mitglied der Wahlkampagne Trumps gewesen, lässt zumindest aufhorchen. Böse Zungen in Sozialen Netzwerken behaupten, Pence wisse bereits, welche Krawatte er tragen werde, wenn er in der Nachfolge Trumps als US-Präsident vereidigt werden würde.

Doch soweit ist der Prozess in Wahrheit längst nicht gediehen, auch wenn sich Parlament, FBI und Sonderermittler Robert Mueller brennend für das interessieren, was in den E-Mails steht und Querverbindungen zu anderen belastbaren Materialien nicht auszuschließen sind. Rein juristisch ist Trump Jr. nur schwer beizukommen. Seinem Vater, dessen Anwalt Jay Sekulow auf die Festellung wert legt, der Präsident habe erst vor wenigen Tagen von der Sache erfahren und sei damals weder dabei noch unterrichtet gewesen, wird man in der Sache konkret strafrechtlich zunächst einmal gar nichts vorwerfen können. Dies wäre aber nötig, um ein Amtsenthebungsverfahren zu rechtfertigen.

Flucht nach Paris?

Der Präsident selbst verlegt sich auf das, was er in solchen Fällen stets tut: Er twittert und betreibt Medienschelte. Moralisch jedoch ist Präsident Trump in höchster Not. Die Einschläge der Russland-Affäre kommen immer näher, betreffen inzwischen den engsten Familienkreis, eigentlich das Allerheiligste der Trumpschen Machtstrukturen. Bei dem Treffen mit der russischen Anwältin war auch Jared Kushner anwesend, Trumps Schwiegersohn, der schon wegen Kontakten zu Russlands Botschafter in Washington, Sergej Kisljak, und zu einer kremlnahen russischen Bank in der Schusslinie steht.

Der Abflug zum Bastille-Tag nach Frankreich wirkt da fast wie eine Flucht. Nach der sicherlich beeindruckenden Militärparade auf den Champs-Elysees und einem Dinner mit Präsident Emmanuel Macron im Eiffelturm eilt Trump wieder nach Hause zurück. Auf die Begrüßung sind alle schon jetzt gespannt.

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