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Russland, China, Iran - Kritik an US-Atomstrategie

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Die USA wollen neue Nuklearwaffen von kleiner Größe entwickeln, um damit in erster Linie Russland abzuschrecken. Russland, China und Iran kritisieren diese Entscheidung.

Testabschuss einer Cruise Missile von einem B-52-Bomber
Testabschuss einer Cruise Missile von einem B-52-Bomber Quelle: reuters

Die Ankündigung der US-Streitkräfte zur Modernisierung ihres Atomwaffenarsenals ist auf scharfe Kritik gestoßen. Das chinesische Verteidigungsministerium erklärte, das Pentagon-Papier enthalte "wilde Vermutungen" über Pekings Absichten und übertreibe das chinesische Atomwaffenpotenzial. Das Ministerium erklärte, Frieden und Entwicklung seien unumkehrbare weltweite Trends. Die USA als Land mit dem weltgrößten Atomwaffenarsenal sollten diesem Trend folgen statt sich ihm entgegenzustellen.

Das russische Außenministerium zeigte sich bereits am Samstag "zutiefst enttäuscht" und erklärte, der "kriegerische und antirussische Charakter" des entsprechenden Dokuments springe bei der ersten Lektüre ins Auge. Man werde die nötigen Maßnahmen treffen, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten.

Das russische Außenministerium sprach vom Versuch der USA, Russlands "Notwehrrecht in Frage zu stellen" und die eigene Verantwortung für die Verschlechterung der internationalen und regionalen Sicherheitslage auf andere abzuwälzen. Das 75-seitige Pentagon-Papier strotze vor "antirussischen Klischees". Russland versichere, seine Verpflichtungen bezüglich aller internationaler Verträge einzuhalten. Es sei trotz allem bereit, mit Washington zugunsten einer "stabilen Beziehung" und dem "Erhalt der strategischen Stabilität" zusammenzuarbeiten.

Iran kritisiert Drohung an Russland

In einem Pentagon-Papier zur US-Atomwaffendoktrin heißt es, neue Nuklearwaffen von kleinerer Größe sollten entwickelt werden und in erster Linie der Abschreckung Russlands dienen. Die neuen taktischen Atomwaffen seien die Antwort auf die Ausweitung der russischen Nuklearwaffenkapazität. Die bisherigen Atomwaffen würden durch neue Sprengkörper ersetzt. Das US-Atomwaffenarsenal werde dadurch nicht ausgeweitet.

Iran warf den USA daraufhin Heuchelei vor. "Die USA drohen Russland schamlos mit einer neuen Atomwaffe", sagte Präsident Hassan Rohani. "Die gleichen Leute, die den Einsatz von Massenvernichtungswaffen angeblich für ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit halten, reden über neue Waffen, um Rivalen zu bedrohen oder anzugreifen."

Atomwaffen weltweit: Sieben Fakten

Außenminister Mohammad Dschawad Sarif warnte, die US-Doktrin bringe die Menschheit der Auslöschung näher. Es entstamme der gleichen, von gefährlicher Dummheit geprägten Haltung, mit der US-Präsident Donald Trump versuche, das Atomabkommen zu kippen. Rohanis Politik gilt als moderat und hatte 2015 die Einigung auf die Atomvereinbarung ermöglicht. Sie begrenzt das iranische Atomprogramm im Gegenzug für die Aufhebung von Sanktionen gegen Iran.

Pentagon: Stärkung gegen Russland

Das Pentagon argumentiert, dass die strategischen Atomwaffen mit ihrem gigantischen Zerstörungspotenzial zur Abschreckung nicht reichten. Russland setze womöglich darauf, dass die USA diese Waffen niemals einsetzen würden - da das Risiko wegen eines zu befürchtenden atomaren Gegenangriffs von ähnlicher Dimension zu hoch sei. Staaten wie Russland werde dadurch ihr "irregeleitetes Vertrauen" genommen, dass sie bei einem Einsatz ihrer eigenen kleinen Atomwaffen nicht mit einem atomaren Gegeneinsatz der USA rechnen müssten.

Russland besitze eine größere Zahl und Vielfalt von nicht-strategischen Atomwaffen als die USA und glaube, dass ein begrenzter atomarer Erstschlag dem Land in Krisen oder kleineren Kriegen einen Vorteil bringen könne, heißt es in dem Papier des US-Ministeriums. "Jüngste russische Erklärungen zu dieser sich gerade entwickelnden Atomwaffen-Doktrin scheinen die Schwelle für einen atomaren Erstschlag durch Moskau herabzusetzen." Dies habe Russland auch bei zahlreichen Manövern demonstriert. Diese falsche Lageeinschätzung Russlands zu korrigieren, sei aus strategischer Sicht zwingend.

Kritiker warnen vor Wettrüsten

Kritiker warnen vor einem neuen atomaren Rüstungswettlauf. Zudem weisen Experten darauf hin, dass die USA bereits Atomwaffen mit vergleichsweise begrenzter Sprengkraft in ihrem Arsenal haben. Dabei handelt es sich um die 150 B-61-Bomben, die in Europa gelagert sind. Auch die kleinformatigen Atomwaffen haben immer noch eine enorme Sprengkraft, insofern ist ihre Bezeichnung als Mini-Nukes verharmlosend. Die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki würden nach heutiger Definition als Mini-Nukes eingestuft. Sie hatten eine Sprengkraft von etwa 15 und 20 Kilotonnen. Als kleine Atomwaffen gelten heute solche mit einer Sprengkraft von bis zu 20 Kilotonnen.

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