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Vergifteter Ex-Spion - London: Russland hat Skripals lange ausgespäht

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Großbritannien wirft Russland vor, Sergej Skripal und seine Tochter jahrelang beobachtet zu haben. Moskau reagiert wie gewohnt - und streitet alles ab.

Julia Skripal (Archivbild)
Julia Skripal (Archivbild) Quelle: ap

Russische Geheimdienste haben nach britischen Angaben mindestens fünf Jahre lang den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia ausgespäht. Der russische Militärgeheimdienst GRU habe die E-Mail-Accounts der Tochter etwa seit 2013 ausgespäht, schrieb der britische Sicherheitsberater Mark Sedwill in einem Brief an NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Das Schreiben wurde am Freitag auf einer Website der britischen Regierung veröffentlicht.

In dem Schreiben wiederholt Großbritannien den Vorwurf, dass Russland in den vergangenen Jahren kleine Mengen des Kampfstoffes Nowitschok produziert und gelagert habe. "Nur Russland hat die technischen Mittel, die Erfahrung und ein Motiv für den Anschlag auf die Skripals", heißt es. Es gebe keine andere plausible Erklärung für das Attentat.

OPCW-Bericht lässt Fragen offen

Mit russischen Spezialeinheiten ist laut Sedwill auch das Aufbringen von Nervengiften auf Türgriffen erprobt worden. So soll das Attentat vor knapp sechs Wochen auf die Skripals ausgeführt worden sein. Der russische Botschafter in London, Alexander Jakowenko, sagte zu dem Brief: "Falls jemand ausspioniert worden sein sollte, warum haben dann die britischen (Geheim-)Dienste sich nicht darüber beschwert?"

Durch den jüngsten Expertenbericht der OPCW sah sich Russland derweil nicht belastet. Dort stehe nichts, was die britischen Vorwürfe stütze, sagte Außenminister Lawrow. Der am Donnerstag veröffentlichte Bericht der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) hatte ebenso wie britische Untersuchungen ergeben, dass Skripal mit einem Nervengift angegriffen wurde, das noch in der Sowjetunion entwickelt worden war: der Kampfstoff Nowitschok. Doch wer für den Angriff verantwortlich ist, schrieb die OPCW nicht.

Briten: Russen haben Skripal jahrelang beobachtet

Großbritannien hatte die OPCW mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt. Die Experten entnahmen Bodenproben und ließen auch Gewebe- und Blutproben der Opfer in internationalen Labors untersuchen. Russland hatte am Donnerstag klargestellt: Man akzeptiere keinerlei Ermittlungsergebnisse, so lange Moskau keinen Zugang zu den Untersuchungen Großbritanniens und der OPCW erhalte, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa. In dem Bericht gebe es keine Hinweise, wie, wo und unter welchen Umständen Proben genommen wurden. Dies werfe bei russischen Experten Fragen auf. Sie bekräftigte aber Russlands Bereitschaft zur Zusammenarbeit.

Skripal und seine Tochter waren Anfang März bewusstlos im britischen Salisbury gefunden worden. Inzwischen geht es ihnen wieder besser. Großbritannien wirft Russland vor, für den Anschlag verantwortlich zu sein und verweist auf zusätzliche Erkenntnisse, die es aber nicht veröffentlicht hat. Russland bezeichnet die Vorwürfe als Teil einer Verleumdungskampagne, die die öffentliche Meinung manipuliere und Tatsachen unterschlage.

EU schickt Botschafter zurück nach Moskau

Die EU hat inzwischen ihren Russland-Botschafter Markus Ederer zurück nach Moskau geschickt. Der wegen des Giftanschlags in Salisbury nach Brüssel zurückbeorderte deutsche Diplomat sei seit Donnerstag wieder an seinem Dienstort in der russischen Hauptstadt, teilte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini mit.

Die EU hatte vor drei Wochen beschlossen, Ederer aus Protest gegen die Politik des Kremlchefs Wladimir Putin vorübergehend zurück nach Brüssel zu holen. Zuvor hatte sie mitgeteilt, man stimme mit der britischen Regierung darin überein, dass Russland mit hoher Wahrscheinlichkeit die Verantwortung für den Anschlag in Salisbury trage, und dass es keine plausible alternative Erklärung gebe.

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