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Russland will Kurden Sicherheit garantieren

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Lage in Nordsyrien - Russland will Kurden Sicherheit garantieren

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Die Kämpfer sollen aus Nordsyrien abziehen, aber den kurdischen Zivilisten will Russland Sicherheit garantieren. US-Präsident Trump inszeniert sich derweil als Friedensstifter.

In Ain Al-Rab in Syrien patroullieren russische Streitkräfte am 23. Oktober 2019 mit gepanzerten Fahrzeugen an der syrischen Grenze.
Russische Streitkräfte sind an der syrischen Grenze vorgerückt und patrouillieren dort mit gepanzerten Fahrzeugen.
Quelle: dpa

Russland hat kurdischen Zivilisten in nordsyrischen Grenzregionen Sicherheit garantiert. Das habe der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu dem kurdischen Militärkommandeur Maslum Abdi in einem Telefongespräch am Mittwoch versprochen, teilte das Ministerium mit. Garanten für Sicherheit seien die russische Militärpolizei und die syrischen Grenzsoldaten, sagte Schoigu demnach in dem Gespräch mit SDF-Kommandeur.

Abdi zeigte sich demnach dankbar über die russische Hilfe. Der Kommandeur bestätigte, dass Russen und Syrer ihre Posten bezogen hätten. "Wir leisten ihnen jede Hilfe und Unterstützung", wurde der General zitiert.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte syrisch-kurdischen Kämpfern geraten, sich dem türkisch-russischen Abkommen gemäß zurückzuziehen. Andernfalls würden die russischen und syrischen Soldaten zurücktreten und "die verbliebenen kurdischen Einheiten würden von der türkischen Armee niedergewalzt". Peskow sagte, die USA hätten die Kurden verraten. Abdi dagegen äußerte den USA gegenüber Dank. Die Waffenruhe in Nordsyrien mit der Türkei wäre ohne Trumps Einsatz nicht möglich gewesen, ließ er über einen Sprecher mitteilen.

Trump sieht sich als Friedensstifter

Wir haben die Leben von vielen, vielen Kurden gerettet.
Donald Trump, US-Präsident

Trump klopfte sich für die Waffenruhe selbst auf die Schulter: "Wir haben die Leben von vielen, vielen Kurden gerettet." Die Türkei habe mitgeteilt, dass sie die fünftägige Feuerpause zeitlich nicht begrenzen werde. "Dies war ein Ausgang, der von uns geschaffen wurde", sagte der US-Präsident. Er kündigte die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei an, warnte jedoch, sie wieder einzuführen, sollte die Türkei gegen die Waffenruhe verstoßen.

Russland und die Türkei begannen derweil mit der Umsetzung ihres Abkommens für Nordsyrien. Dieses sieht gemeinsame Patrouillen russischer und türkischer Soldaten entlang fast der gesamten nordöstlichen Grenze zwischen Syrien und der Türkei vor. Russische Militärpolizisten patrouillierten in der Stadt Manbidsch, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch. Das russische Fernsehen berichtete, ein Konvoi russischer Soldaten bewege sich in Richtung der Stadt Kobane. Von der Türkei unterstützte syrische Kämpfer hissten laut einem türkischen Fernsehbericht ihre und türkische Fahnen in der Stadt Ras al-Ain, um die es während der fast zweiwöchigen türkischen Offensive heftige Kämpfe gegeben hatte.

Offensive begann nach US-Rückzug

Trump hatte vor gut zwei Wochen den Rückzug von US-Soldaten aus dem Nordosten Syriens beschlossen und syrische Kurden damit dem Militärangriff der Türkei ausgesetzt. Die syrischen Kurden waren zuvor mit den USA gegen die Terrormiliz Islamischer Staat verbündet gewesen. Angesichts des türkischen Vormarsches hatten die Kurden die mit Russland verbündete syrische Armee zu Hilfe gerufen, die in Kurdengebiete einrückte.

Nach Beginn des türkischen Feldzugs vermittelten die USA vergangene Woche eine Waffenruhe, die kurdischen Kräften vorschrieb, sich von der syrischen Grenze zur Türkei zu entfernen. Diese lief am Dienstagabend aus. Kurz vor diesem Termin vereinbarten der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan in Sotschi, dass sich kurdische Kämpfer innerhalb von 150 Stunden aus einem etwa 30 Kilometer breiten Grenzgebiet zurückziehen sollten.

Moskau fordert vollständigen Abzug der US-Truppen

Das türkische Verteidigungsministerium machte danach deutlich, dass die Türkei ihre Offensive nicht wieder aufnehmen werde. Die USA hätten den vollständigen Abzug der syrisch-kurdischen Kämpfer aus Gebieten nahe der Grenze verkündet, in die die Türkei einmarschiert war, erklärte das Ministerium. Allerdings drohte Außenminister Mevlüt Cavusoglu, die Türkei werde syrisch-kurdische Kämpfer "neutralisieren", sollte sie diese in dem Gebiet antreffen. Trump sagte, fast alle US-Soldaten würden Syrien verlassen. Nur einige sollten bleiben, um Ölfelder in Syrien zu beschützen.

Dagegen forderte der russische Vizeaußenminister Sergej Werschinin, die USA müssten auch ihren Stützpunkt in Tanf nahe der jordanischen Grenze aufgeben. Die syrische Regierung wolle die volle Kontrolle über ihr Territorium. Die Anwesenheit von US-Truppen in Syrien sei daher unzulässig.

In den beinahe zwei Wochen während der türkischen Offensive wurden nach Angabe der Vereinten Nationen mehr als 176.000 Menschen vertrieben. Darunter seien fast 80.000 Kinder, sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric.

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