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Kreml stellt sich hinter Maduro

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Geostrategische Interessen - Kreml stellt sich hinter Maduro

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Moskau stellt sich trotz der Menschenrechtsverletzungen des Maduro-Regimes hinter Caracas. Dahinter stecken wirtschaftliche, aber auch geostrategische Interessen.

Russisches Flugzeug auf dem Flughafen von Caracas, Venezuela (Archivbild vom 24.03.2019)
Russisches Flugzeug auf dem Flughafen von Caracas.
Quelle: Reuters

"Hands off Venezuela" lautet eine der Parolen der sozialistischen Regierung von Präsident Nicolas Maduro in Caracas. Sie richtet sich vor allem gegen eine militärische Intervention der USA und ihrer Verbündeten aus Brasilien und Kolumbien. Venezuela soll unabhängig und frei von imperialen Attacken bleiben, sagt Maduro und erntet dafür vor allem im linken Lager viel Zuspruch. In einigen europäischen Städten gab es sogar kleinere Demonstrationen unter dem Motto: "Kein Blut für Öl".

99 Soldaten und 35 Tonnen Material

Nun sind keine amerikanischen Soldaten in Caracas angekommen, sondern russische Militärs. Zwei russische Flugzeuge mit Soldaten und Gütern sind auf dem Flughafen der venezolanischen Hauptstadt Caracas gelandet. Die Maschinen seien "im Rahmen der technischen und militärischen Kooperation" zwischen beiden Ländern nach Venezuela geflogen, berichtete die russische Nachrichtenagentur Sputnik. Zuvor hatten User die Bilder von den russischen Maschinen ins Netz gestellt. An Bord seien 99 russische Soldaten und 35 Tonnen Material gewesen, so die offizielle Mitteilung. Zuvor hatten besorgte Venezolaner die Bilder einer russischen Maschine ins Netz gestellt, die auf dem Flughafen gelandet war.

Die spanische Europa-Parlamentarierin Beatriz Becerra kritisierte via Twitter die Landung der Russen in Caracas. Wo seien jene, die vor einer möglichen militärischen Intervention in Venezuela gewarnt hätten. "Was wäre, wenn diese Militärs keine Russen, sondern Amerikaner wären?", fragt Becerra via Twitter. Sowohl die venezolanische als auch die russische Regierung hielten sich bislang zu der Kooperation bedeckt. Aus der Botschaft heißt es, es handele sich lediglich um eine Umsetzung einer lange geplanten militärischen Kooperation.

Kooperation dauert schon länger an

Die militärische Kooperation beider Länder dauert in der Tat schon längere Zeit. Beide Länder absolvierten gemeinsam Militärmanöver, zudem sorgte die Verlegung von zwei atomwaffenfähigen Langstreckenbombern nach Venezuela jüngst für Aufsehen. In den vergangenen Jahren reisten auch immer wieder ranghohe Repräsentanten Russlands nach Venezuela.

Russland beliefert das Regime in Caracas seit Jahren mit Waffen, zudem ist Moskau neben China einer der wichtigsten Geldgeber des angeschlagenen staatlichen Erdölsektors in Venezuela. Der russische Energiekonzern Rosneft soll rund 17 Milliarden in Venezuela investiert haben, um Zugriff auf die höchsten Ölvorkommen weltweit zu bekommen.

Seit Jahren geht die Ölproduktion in Venezuela zurück, die alles dominierende Einnahmequelle des venezolanischen Staates. Schuld daran sind nach Experteneinschätzungen die fehlenden Investitionen in die Infrastruktur sowie ein Fachkräftemangel. Vor Jahren entließ der damalige Revolutionsführer Hugo Chavez regierungskritische Mitarbeiter des staatlichen Ölkonzerns PDVSA, weil diese mit der Unternehmenspolitik nicht einverstanden waren. Der Konzern wird seitdem fast ausschließlich von sozialistischen Parteimitgliedern oder Armeegenerälen geführt.

UN-Resolution blockiert

Russland hat neben dem Schutz seiner Investitionen auch ein geopolitisches Interesse an Venezuela. Im globalen Machtkampf mit den USA stellt sich Moskau trotz der von den Vereinten Nationen sowie Hilfsorganisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch kritisierten Menschenrechtsverletzungen des Maduro-Regimes hinter Caracas.

Russland blockierte bislang im UN-Sicherheitsrat eine Resolution über Hilfslieferungen an Venezuela. Maduro erklärte zuletzt, Russland habe selbst tonnenweise Hilfsgüter gebracht. Neben Kuba hätte Russland damit einen weiteren Verbündeten vor der Haustüre der USA. Die Vereinigten Staaten wiederum liebäugeln damit, neben Kolumbien auch Brasilien als Partner für die NATO zu gewinnen.

Maduro fürchtet Militärschlag

Die venezolanische Regierung streitet bislang ab, dass es eine humanitäre Krise im Land gibt und sieht den Versuch der venezolanischen Opposition, Hilfslieferungen ins Land zu holen, als den Versuch, eine militärische Intervention vorzubereiten. Die USA und rund 50 weitere Staaten, darunter auch Deutschland, haben sich hinter Oppositionsführer Juan Guaidó gestellt, der sich im Januar vor dem von Maduro entmachteten Parlament zum Übergangspräsidenten vereidigen ließ. Washington hat ein militärisches Vorgehen gegen Maduro nicht ausgeschlossen - das wiederum veranlasste Caracas dazu, seine Verteidigungsbereitschaft zu stärken.

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