Sie sind hier:

RWE-Hauptversammlung - Der Energieriese und die Kohlekommission

Datum:

Der Umbruch des Energiekonzerns RWE verläuft mühsam. Bei der Hauptversammlung bietet nun die Situation des Konzerns nach den Vorschlägen der Kohlekommission Diskussionsstoff.

RWE Konzernzentrale in Essen
Bei der RWE-Hauptversammlung ist die Situation des Konzerns nach den Vorschlägen der Kohlekommission ein wichtiges Thema.
Quelle: Reuters

Die Vertreter der Dortmunder Stadtwerke werden einigermaßen entspannt zur Hauptversammlung des Energiekonzerns RWE nach Essen reisen. Mit fast 24 Millionen Aktien ist die Stadt (über die Tochtergesellschaft Dortmunder Stadtwerke DSW21 und die KEB Holding) größter kommunaler Anteilseigner bei RWE, hält damit 3,8 Prozent der Aktien. Das entspricht beim derzeitigen Aktienkurs von 22,50 Euro einem Buchwert von mehr als einer halben Milliarde Euro.

1,7 Millionen Dividende für die Stadt Dortmund

An einen Verkauf der RWE-Anteile denken sie in Dortmund aber noch lange nicht. Denn immerhin spült alleine der Besitz der Papiere wieder eine ordentliche Dividende in den Stadtsäckel. 70 Cent pro Aktie wird das Unternehmen für das abgelaufene Geschäftsjahr zahlen, wenn die Aktionäre am Freitag zustimmen. Die Stadt Dortmund bekommt nächste Woche also wahrscheinlich knapp 1,7 Millionen Euro ausgezahlt. Für das laufende Geschäftsjahr soll die Dividende dann noch einmal um 10 Cent angehoben werden.

Das war nicht immer so. 2015 und 2016 schockte das Unternehmen mit einer Null-Dividende. Nicht nur die kommunalen Aktionäre, auch andere Großinvestoren und Kleinanleger gingen auf die Barrikaden. Die Stimmung auf den Hauptversammlungen war – gelinde gesagt – angespannt. Seitdem versucht Vorstand Rolf Martin Schmitz, das Unternehmen in ruhigere Fahrwasser zu manövrieren. Auch der Aktienkurs hat sich in den vergangenen Jahren einigermaßen stabilisiert – im September 2015 lag er noch bei etwa 12,60 Euro.

Stromproduktion aus erneuerbaren Energien

Friede, Freude, Eierkuchen also in der Essener Unternehmenszentrale? Keineswegs, denn im vergangenen Geschäftsjahr brach der Gewinn um mehr als 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Und der Umbruch des Konzerns verläuft mühsam und steinig. "Der künftige Fokus von RWE liegt auf der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien", lautete vergangene Woche der erste Satz einer Pressemitteilung, in der das Unternehmen die Pläne zum Bau des – laut Eigendarstellung - "modernsten Braunkohlekraftwerks der Welt" einstampfte. "BoAplus" hieß das Projekt in Bergheim-Niederaußem, also "Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik", und sollte mit 1.100 Megawatt Leistung im Rheinland sechs Millionen Menschen mit Strom versorgen. Vier alte Kraftwerksblöcke sollten dafür abgeschaltet werden.

Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und treiben die Energiewende konsequent voran.
Rolf Martin Schmitz, Vorstand RWE

Lange wurde im Konzern mit der Entscheidung, das BoA-Projekt zu stoppen, gerungen. Jetzt aber haben die Manager realisiert, dass selbst neue, moderne Braunkohlekraftwerke nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können. Der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten deutschen Strommix liegt inzwischen schon bei rund 40 Prozent. "Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und treiben die Energiewende konsequent voran", lässt sich Rolf Martin Schmitz in der Pressemitteilung zitieren.

Ein erster Schritt war bzw. ist das noch nicht endgültig vollzogene Tauschgeschäft mit dem Konkurrenten E.On. Im März 2018 hatte RWE bekannt gegeben, dass es seine Mehrheitsbeteiligung am Energieversorger Innogy an E.On abtreten wird. Im Gegenzug soll RWE noch in diesem Jahr die Bereiche "Erneuerbare Energien" von Innogy und E.ON sowie weitere Vermögenswerte bekommen. Die EU-Kommission muss dem Deal noch zustimmen. RWE will so zu "einem der führenden Anbieter bei den erneuerbaren Energien aufsteigen", wie der Konzern mitteilte.

Abschied aus der Kohleverstromung ein Kraftakt

Der Abschied von der Kohleverstromung ist längst eingeleitet. Mit der Empfehlung der sogenannten "Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" Anfang des Jahres, bis 2038 aus der Kohle auszusteigen, begann für RWE eine neue Zeitrechnung. Die ersten Kraftwerke soll der Konzern bis 2023 vom Netz nehmen. Rolf Martin Schmitz nennt das einen "Kraftakt".

Die Vorschläge der Kohlekommission waren aber auch der Beginn eines Verhandlungsmarathons mit der Bundesregierung, bei dem viele offene Fragen geklärt werden müssen: Wie viel Kohle wird bis dahin überhaupt noch gebraucht? Werden die Grenzen der Tagebaue Garzweiler und Hambach neu gezogen? Können die kleinen Ortschaften am Nordwestrand des Tagebau Garzweiler und der umstrittene Hambacher Wald im Süden des Rheinischen Reviers erhalten bleiben? Welche Unterstützung bekommen die betroffenen Kommunen beim Strukturwandel?

Dampf und Rauch steigen aus dem RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaussem
Nach der Kohlekommission: RWE wird sich den Kohleausstieg so teuer wie möglich bezahlen lassen, fordert 1,5 Milliarden Euro pro Gigawatt Leistung, das abgeschaltet wird.
Quelle: dpa

Die Gespräche darüber haben gerade erst begonnen, ein Ergebnis wird nicht vor Sommer erwartet. Sicher ist: RWE wird sich den Kohleausstieg so teuer wie möglich bezahlen lassen, fordert 1,5 Milliarden Euro pro Gigawatt Leistung, das abgeschaltet wird. Derzeit sind noch zehn Gigawatt in Braunkohlekraftwerken installiert.

Umwelt- und Naturschützer werden bis zu einer Einigung (und wahrscheinlich auch darüber hinaus) weiter mobil machen und um den Erhalt der Dörfer und des Hambacher Waldes kämpfen. In diesem Jahr bekommen sie prominente Unterstützung: Weil RWE die Hauptversammlung ausgerechnet auf einen Freitag gelegt hat, ziehen die Schülerinnen und Schüler der "Fridays for Future"-Bewegung vor der Essener Grugahalle auf. Ihre radikalen Forderungen: Kohleausstieg bis 2030 sowie 100 Prozent erneuerbare Energien und kein CO2-Ausstoß mehr bis 2035. Man darf davon ausgehen, dass die RWE-Manager in der Halle derartige Zukunftsvisionen höflich ignorieren werden.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.