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Mit Fußball gegen Neonazis

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Sächsische Kleinstadt wehrt sich - Mit Fußball gegen Neonazis

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Der Ostritzer Fußballverein wird 100 Jahre alt. Gleichzeitig fallen die Neonazis wieder über den Ort herein. Bürger und Sportler wollen ihnen gemeinsam die Stirn bieten.

Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Cacau. Archivbild
Cacau ist Integrationsbeauftragter beim Deutschen Fußball Bund - und will beim Fußballfest in Ostritz ein Zeichen setzen.
Quelle: Boris Roessler/dpa

Ostritz hat dieser Tage allen Grund zum Feiern. Der Fußballverein "Ostritzer Ballspiel Club" wird 100 Jahre alt. Nun fallen ausgerechnet an diesem Wochenende wieder Neonazis über den sächsischen Ort herein. Mit 750 Teilnehmern wird gerechnet. Zum vierten Mal treffen sie sich auf dem Privatgelände eines hessischen Geschäftsmannes zu einem sogenannten Schild-und Schwert-Festival. Die NPD, die politisch kaum noch eine Rolle spielt, organisiert das Happening.

Ostritz wehrt sich

Jede Verharmlosung ist hier fehl am Platz. Das dürfte spätestens jetzt, nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, mutmaßlich durch einen Rechtsextremen, klar sein. Die, die sich in Ostritz versammeln, meinen es ernst. Auf den Rechtsrockkonzerten lassen sie keinen Zweifel, wen sie im Visier haben: Andersdenkende, Juden, Migranten. Bei Kampfsportevents wird für den Straßenkampf geübt. Außer, dass sich die Szene vernetzt und organsiert, bringen diese Treffen Geld, die Konzerte kosten Eintritt.

Ist es rechtlich in Ordnung, dass solche Veranstaltungen vom Versammlungsrecht geschützt sind? Nicht nur die Bürgermeisterin von Ostritz, Marion Prange, fordert schon seit langem, dies kritisch zu hinterfragen. Diese Woche haben Sachsen und Thüringen vereinbart, härter gegen Rechtsrockkonzerte vorzugehen. Die Ankündigung wird sich daran messen lassen müssen, ob auch Taten folgen.

Ostritz hat sich von Anfang an gegen das rechte Treiben gewehrt - mit einem Friedensfest. Unter den Organisatoren der ersten Stunde: Der Fußballclub, viele Vereine, die Feuerwehr. Von 62 Bürgermeistern in der Region haben drei viertel eine Erklärung gegen die Neonazis unterschrieben. Mehr als 3.000 Menschen kamen jedes Mal, um den Rechtsextremen die Stirn zu bieten.

Karte von Deutschland mit Ostritz
Karte von Deutschland mit Ostritz
Quelle: ZDF

Fußball feiern - und Rechten die Stirn bieten

An der Spitze des Protests: Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Unter dem Eindruck der Ermordung Lübckes bekräftigte Kretschmer diese Woche, der gewaltbereite Rechtsextremismus sei die größte Bedrohung für die Demokratie in Deutschland.

Wir wollen ein Zeichen des Zusammenhalts setzen und alles dafür tun, dass es eine tolle Jubiläumsfeier wird.
Michael Schlitt vom Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal

Die AfD unterstützt den Protest gegen die Rechtsextremen nicht. Vertreter der Partei liefen im vergangenen Jahr in Chemnitz Seite an Seite mit Neonazis, die auch zum Netzwerk der Treffen in Ostritz zählen.

Und ein Friedensfest wie bisher wird es an diesem Wochenende nicht geben: Die Organisatoren wollen den Fußball feiern und dabei klare Kante zeigen. "Wir wollen ein Zeichen des Zusammenhalts setzen und alles dafür tun, dass es eine tolle Jubiläumsfeier wird", sagt Michael Schlitt vom Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal. Auf dem Markt wird ein künstlicher Strand aufgeschüttet. Es gibt Sand, Liegestühle, Wasserbassins. Für Samstagvormittag ist ein Soccer-Turnier geplant.

Feiern mit prominenter Unterstützung

Und schon Freitag kommt ein Fußball-Held: Claudemir Jeronimo Barreto - bekannt als Cacau. Der gebürtige Brasilianer spielte in der National-Elf, war Torschütze bei der Fußball-WM 2010. Heute ist er Integrationsbeauftragter beim Deutschen Fußball Bund. "Bei uns steht niemand im Abseits - Wir bleiben am Ball für Weltoffenheit, Demokratie und Toleranz"- so das Motto der Ostritzer zum Fußball-Jubiläum.

Für Samstag sind auch Kundgebungen und Demonstrationen breiter Bündnisse und linker Gruppen angekündigt. Um was es hier geht, das hat am Donnerstagabend eine Lesung auf dem Fußballplatz in Ostritz klar gemacht: "Annes Kampf". Eine Gegenüberstellung von Zitaten aus dem Tagebuch von Anne Frank und aus Adolf Hitlers "Mein Kampf". Anne Frank wäre dieser Tage 90 Jahre alt geworden. Das jüdische Mädchen war 15 Jahre alt, als sie 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen sterben musste. Wir wissen doch, wie alles geendet hat.

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