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Safer Internet Day - Der hohe Preis für einen Klick

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Wie bewegt man sich sicher im World Wide Web? Welche Risiken birgt das Surfen? Diese Fragen rückt der Safer Internet Day in den Fokus. Die Antworten sind nicht immer beruhigend.

Symbolbild - Sicherheit im Internet
Symbolbild - Sicherheit im Internet
Quelle: dpa

heute.de: Wir sind alle ganz selbstverständlich im Internet unterwegs, suchen nach Informationen, geben Persönliches preis. Inwieweit trügt der Schein, dabei stets alles unter Kontrolle zu haben?

Lisa Krammel: Es ist ein Irrglauben, wenn wir denken, alles unter Kontrolle zu haben. Natürlich erleichtern uns die vielen Dienste, die wir Tag für Tag meist kostenlos nutzen, auf den ersten Blick den Alltag. Doch mit den Daten, die wir bei jeder Suchanfrage, bei jedem Post und bei jedem "Gefällt mir" preisgeben, bezahlen wir einen hohen Preis. Alles wird gespeichert, ausgewertet und vor allem weiterverarbeitet. Wir füttern die Technologieriesen mit unseren Daten und verhelfen ihnen damit kostenfrei zur Expertise, ihre Produkte besser zu machen. Im Gegenzug werden wir irgendwann für die Suche nach Informationen oder den kürzesten Weg von A nach B bezahlen müssen. Am Ende ist es so: Wer unsere Kommunikationswege kontrolliert, kontrolliert letztendlich uns.

heute.de: Soziale Netzwerke, Foto-Communities und Chat-Apps stehen insbesondere bei Jugendlichen hoch im Kurs. Sind die Schattenseiten, wie Cyber-Mobbing oder sexualisierte Selbstdarstellung, präsent genug?

Krammel: Gerade was Cyber-Mobbing betrifft, habe ich schon den Eindruck, dass es in dieser Hinsicht zumindest in der Theorie nicht allzu viel Nachholbedarf gibt. Vielen Jugendlichen ist bewusst, welch schlimme Auswirkungen Verleumdung, Belästigung oder Nötigung im virtuellen Raum auch auf das reale Leben haben. Anders sieht es beim Thema sexualisierte Selbstdarstellung aus. Jugendliche denken immer noch, sie würden sich in einem geschützten Raum bewegen, wenn sie beispielsweise Nacktfotos von sich verschicken oder posten. Dass ein solches Foto zwar vielleicht über einen Messenger-Dienst zunächst verschlüsselt ist, am Ende aber wieder für Dritte auf dem Gerät des Empfängers eingesehen werden kann, scheint vielen nicht bewusst zu sein. Einmal gepostet oder verschickt, ist ein solches Foto in der Welt und kaum mehr zurückzuholen.

heute.de: Sie haben die Verschlüsselung angesprochen. Messenger-Dienste wollen uns glauben lassen, dass wir uns beruhigt zurücklehnen können, weil Nachrichten verschlüsselt werden. Alles nur Fassade?

Krammel: Es ist schön, wenn die Nachrichten verschlüsselt werden. Aber das schützt unsere Privatsphäre nicht. Denn alleine durch das Sammeln der Metadaten verdienen die Unternehmen ein Vermögen. Wer kommuniziert wie oft mit wem? Welche Internetseiten werden wo und wann besucht? Welche Kommentare werden in sozialen Netzwerken hinterlassen? All diese Algorithmen verraten genügend, um genaue Rückschlüsse auf eine Person und deren Verhalten zu ziehen, ohne Inhalte auswerten zu müssen. Außerdem muss man sich immer vor Augen führen, dass es mitunter nicht nur uns selbst betrifft, was mit unseren eigenen Daten im Netz passiert. Sobald ich mein Adressbuch bei einem Messenger-Dienst hochlade, stelle ich diesem gleichzeitig alle dort gespeicherten Kontaktdaten zur Verfügung, ohne die Betreffenden um Zustimmung gefragt zu haben.

heute.de: Inwieweit hinterlassen wir selbst Spuren, wenn wir uns im World Wide Web bewegen, ohne uns bewusst darüber zu sein?

Krammel: Alleine durch installierte Schrifttypen auf dem Computer, die Bildschirmauflösung oder die eingestellte Sprache lassen sich Benutzer im Web problemlos wiedererkennen und sogar über mehrere Webseiten hinweg verfolgen, ohne sich zuvor irgendwo angemeldet zu haben. Es könnte also sein, dass ich mehr für eine Reise zahlen muss als mein Nachbar, weil der Anbieter womöglich weiß, dass ich mir es finanziell besser leisten kann. Doch das Problem ist viel weitreichender: Diese Form der kommerziellen Überwachung ist diskriminierend und kann bis zum Scheitern von Lebensentwürfen führen. Etwa, wenn beispielsweise ein Kredit aufgrund der Daten, die über uns gesammelt wurden, nicht genehmigt wird. Denkbar ist darüber hinaus, dass Krankenkassen womöglich die Beiträge erhöhen könnten, weil man in eine Suchmaschine einmal zu oft den Begriff einer Krankheit eingegeben hat.

heute.de: Welche Handlungsspielräume haben wir, um die eigene Identität im Netz zu schützen?

Krammel: Genauso vielfältig wie die Gefahren sind, gibt es dafür letztendlich auch Möglichkeiten. Viele davon sind beinahe schon banal, wie die Verwendung von alternativen Suchmaschinen. Statt beim Onlineshopping seine Daten zu hinterlassen, könnte man beim nächsten Einkauf auch einfach mal wieder in ein Geschäft um die Ecke gehen und dort ganz anonym einkaufen. Man kann sich außerdem die Frage stellen, ob man wirklich auch schon seine Pizza per App bestellen muss und dafür Zugriffsrechte auf sein Adressbuch und seine Standortdaten gewähren sollte. Langfristig ist es kein Ziel, sich aus dem digitalen Leben zurückzuziehen. Wir müssen die Kontrolle über unsere eigenen Daten zurückgewinnen und Datenschutz auf die politische Agenda setzen.

Das Interview führte Michael Kniess.

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