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Rushdie-Roman "Golden House" - Trumps Amerika - ein "beschädigtes Land"

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"Golden House" heißt das neue Werk von Salman Rushdie. Er habe einen Gesellschaftsroman schreiben wollen, "über die Zeit, in der wir leben", sagt der Autor in New York. Rushdie zeigt sich tief besorgt über die Entwicklung in Amerika und spricht von einem "beschädigten Land".

Ungeachtet von Morddrohungen und der Jagd des Iran auf ihn veröffentlicht Salman Rushdie seinen neuen Roman. In "The Golden House" beschreibt der Schriftsteller den amerikanischen Zeitgeist der vergangenen Jahre, von der Wahl Obamas bis heute.

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Wir treffen Salman Rushdie in Manhattan in der 25. Straße in einem schicken "Co-Working-Space": Büro- und Konferenzräume, die mit anderen geteilt werden. Rushdie, über dem immer noch die Fatwa - das islamische Todesurteil - schwebt, das Irans einstiger religiöser Führer Ayatollah Khomeini über ihn verhängt hat, und auf den ein Kopfgeld von mittlerweile vier Millionen Dollar ausgesetzt ist, lebt seit dem Jahr 2000 in New York.

Tief besorgt über das Trump-Amerika

Amerika - ein Zufluchtsort für so viele, nicht nur für ihn. Doch im Gespräch merkt man ihm sofort die tiefe Sorge an über das, was sich in den USA gerade abspielt. Amerika durchlebe eine Tragödie, eine amerikanische Tragödie, sagt er uns. Der Moment der Hoffnung, der die Wahl Barack Obamas zum Präsidenten markierte, sei durch seine Antithese ersetzt worden. "Die Spaltung, der Hass, das Selbstbewusstsein, das Neofaschisten verspüren, wenn sie durch die Straßen marschieren, das ist neu in Amerika."

Vor diesem Hintergrund spielt Rushdies neuer Roman "Golden House", der am 5. September erscheint. "Golden House" ist die Geschichte der Familie Golden, des rücksichtslosen korrupten Baulöwen Nero Golden und seiner drei Söhne, die nach Amerika auswandern, um vor ihrer Vergangenheit zu fliehen. Sie suchen Frieden in New York, dem Paradies, doch sie können ihrem Schicksal nicht entrinnen, nicht vor sich selber fliehen.

Es ist ein Roman über die großen Fragen der Menschheit, über Liebe, Hass, Zweifel und Verzweiflung, über die Fragen, wer wir sind und warum wir tun, was wir tun. Eine griechische Tragödie, geschrieben fast in Echtzeit.

Wenn Lügner ihre Gegner der Lüge bezichtigen

"Ich wollte genau diesen Moment der Zeit, in der wir leben, einfangen. Was bedeutet es, wenn du aufwachst und das Land, von dem du geglaubt hast, es zu kennen, nicht mehr wiedererkennst?"

Worte würden im Amerika dieser Tage ihrer Bedeutung beraubt, die Lügner würden die, die die Wahrheit aussprechen - Künstler, Schriftsteller, Journalisten - der Lüge, der Fake News bezichtigen, ein Angriff auf die Wahrheit sei das. Einen Roman zu schreiben, so nah an der Gegenwart, sei kreativ ein großes Risiko gewesen, eine große Herausforderung. Aber deswegen auch sehr spannend, sagt Rushdie.

Dänemark gibt es noch

In dem Roman wird dieser Angriff angeführt von "Joker", dem Comic-Superschurken, und es gibt keinen Zweifel daran, wer damit gemeint ist. "Er ist die Verkörperung der gesellschaftlichen Katastrophe", sagt Rushdie. In der realen Welt würden Menschen mit echten Problemen kämpfen, Washington aber sei mittlerweile bevölkert mit grotesken Comic-Superhelden und Superschurken. Die dunklen Mächte seien von der Kette gelassen, Amerika sei ein schwer beschädigtes Land, und es werde lange dauern, bis sich diese große Nation davon erholen werde.

Während der Joker und seine Bande der Superschurken dabei sind, mit obszöner Anstandslosigkeit das Land auseinanderzunehmen, entwickelt sich Nero Golden, der Baulöwe und Gangster, im Angesicht seines Schicksals zur tragischen Figur Shakespearschen Formats. Zweifelnd bleibt er auf der Suche, bleibt Mensch, doch seinem Schicksal kann er nicht entrinnen. Eine griechische Tragödie in modernem Gewand.

Bei all der Tragik aber bleibe Hoffnung, sagt Rushdie: "Der Punkt der Tragödie ist, dass nur weil Hamlet stirbt, das nicht heißt, dass es kein Dänemark mehr gibt."

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