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Cloud-Lösungen - SAP will Milliardenübernahme stemmen

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SAP will wachsen. Für 2,4 Milliarden Dollar will das Unternehmen aus Walldorf einen amerikanischen Cloud-Anbieter übernehmen. Gegenwind kommt für SAP vom starken Euro.

Serverraum der Firma SAP (Archivbild)
Serverraum von SAP (Archivbild) Quelle: ap

Als erster der 30 größten deutschen Börsenunternehmen im DAX hat der Softwarekonzern SAP seine Geschäftszahlen für das abgelaufene vierte Quartal vorgelegt. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Geschäftsverlauf. Und wir sehen uns auch auf Kurs, unseren Ausblick und unsere Ziele einzuhalten", sagte der Finanzvorstand von SAP, Luka Mucic gegenüber heute.de.

Cloud-Geschäft boomt

Vor allem im zukunftsträchtigen Geschäft mit Mietsoftware über das Internet – die Datenwolke oder "Cloud" – hat SAP starke Zuwächse verbucht. Um rund 20 Prozent sind die Umsätze in diesem Bereich im Weihnachtsquartal gestiegen. Im Gegenzug sind die Umsätze im Geschäft mit traditioneller Lizenzsoftware um rund fünf Prozent gefallen. Damit setzt sich ein Trend in der Branche unvermindert fort: Verbraucher und Unternehmen fragen weniger Software nach, deren Lizenz man einmal bezahlt – also kaufen muss. Sondern der Trend geht dahin, Anwendungen zu mieten. Daten und Anwendungen verbleiben also meist auf den Servern von Unternehmen wie SAP. Und der Kunde greift darauf zu, wenn er sie benutzen will.

Um dieses Geschäft weiter auszubauen hat SAP zudem angekündigt, einen Cloud-Anbieter in den USA übernehmen zu wollen. "Callidus Software" heißt das Unternehmen; die wenigsten Menschen hierzulande dürften Callidus kennen. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, Softwarelösungen für Vertriebsmitarbeiter zu entwickeln. Damit können die sich beispielsweise direkt mit der Finanzabteilung des eigenen Unternehmens verbinden, während sie bei ihren Kunden sind. "Das sind alles Prozesse, die in Unternehmen große Abteilungen beschäftigen. Wir werden das in Zukunft weitgehend automatisieren können", sagte Finanzvorstand Mucic. 2,4 Milliarden Dollar will SAP sich die Übernahme der US-Softwareschmiede kosten lassen. Die Aktionäre des Unternehmens und die Wettbewerbsbehörden müssen der Übernahme noch zustimmen.

"Guter Zeitpunkt für den Zukauf"

Der geplante Kauf von Callidus Software sei aber nicht der Startschuss für eine Einkaufswelle bei SAP. Das Unternehmen wolle vor allem weiter "aus eigener Kraft" wachsen und nur dort zukaufen, wo sich Lücken bei SAP finden. Der Zukauf hat Sinn, meint Christoph Schmidt, Branchenanalyst beim Vermögensverwalter Fegra Capital. "Es ist ein guter Zeitpunkt, Callidus zu kaufen, auch wenn der Preis recht hoch ist. Denn im Bereich der Cloud findet derzeit vor allem das Wachstum statt".

Während sich SAP für die Zukunft in der Cloud rüstet, machen dem Unternehmen aus Walldorf – wie vielen anderen exportierenden Unternehmen auch – Währungsschwankungen zu schaffen. Deswegen weisen Konzerne wie SAP bei der Präsentation ihrer Bilanz auch "währungsbereinigte" Zahlen und Daten aus, sprich: Unternehmenskennzahlen, aus denen Währungsschwankungen heraus gerechnet sind. Denn Währungsschwankungen können sich negativ auf die Bilanz auswirken. Sie sagen aber wenig darüber aus, wie der Konzern ohne diese Schwankungen wirtschaftet. So ist der Umsatz von SAP im abgelaufenen vierten Quartal nur um ein Prozent gewachsen. Rechnet man den Anstieg des Euro aber heraus, liegt das Wachstum deutlich höher.

Die Marge soll weiter steigen

"Der derzeitige Anstieg des Euro macht vor allem Exportunternehmen zu schaffen", meint auch Christoph Schmitt von Fegra Capital. Rund ein Drittel des Umsatzes macht SAP im Dollar-Raum. Und so rechnet Finanzvorstand Mucic vor: Sollte es bei Euro und Dollar auf dem Niveau vom Beginn des Jahres weiter gehen, rechnet der Konzern mit einem Rückgang von Erträgen und Umsätzen für das laufende Geschäftsjahr.

Abgesehen von möglichen Währungsproblemen in der Bilanz aber sieht sich SAP für seine Ziele bis 2020 auf Kurs. "SAP hat bisher doch immer seinen Ausblicke eingehalten", sagt Finanzvorstand Luka Mucic. Das solle auch in Zukunft so bleiben. Für Aktionäre von SAP ist das eine gute Nachricht. Denn im vergangenen Quartal ist die Marge, also der Gewinn gemessen am Umsatz, wieder gestiegen. Und das soll auch in den kommenden Monaten weiter gehen. Anleger zeigen sich einigermaßen zufrieden – wohl auch wegen der angekündigten Übernahme in den USA: Nach leichten Verlusten zu Handelsbeginn in Frankfurt haben sich Aktien von SAP kurz darauf in die Gewinnzone vorgekämpft.

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