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Zukunft der Weltraumindustrie - Jeden Tag ein Bild von allen Punkten der Erde

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50 Jahre nach der Mondlandung laufen private Raumfahrtunternehmen den staatlichen den Rang ab. In der New Space Economy steht der nächste große Durchbruch gerade bevor.

Satellit im Weltall (Illustration)
5.000 Satelliten befinden sich derzeit im Erdorbit.
Quelle: AP

Wer nachts nach oben in den Himmel blickt, könnte dort seit wenigen Wochen Überraschendes entdecken: ein längliches Lichtgebilde, das aussieht wie eine Perlenkette aus Sternen. Sie sind das Werk eines Mannes, der selten eine Chance auslässt, um der Welt seine Visionen mitzuteilen: "Ich denke, es gibt zwei mögliche Wege", sagte Elon Musk 2016 auf dem Internationalen Astronautenkongress im mexikanischen Guadalajara. "Der erste ist, dass wir für immer auf der Erde bleiben." Dann aber käme es irgendwann zur Ausrottung der Menschheit. "Die Alternative ist, eine multiplanetare Spezies zu werden - das ist, was wir wollen!", sagte Musk mit einem Fingerzeig hinter sich auf ein monumentales Abbild des Roten Planeten. Mars oder Verderben, so das Mantra des Milliardärs, dessen Unternehmen SpaceX alle paar Wochen eine Rakete in den Himmel schießt - 21 im Jahr 2018.

Gewimmel im Kosmos wird ständig mehr

SpaceX Gründer Elon Musk spricht auf einer Konferenz in Los Angeles.
SpaceX-Gründer Elon Musk auf einer Konferenz in Los Angeles.
Quelle: reuters

50 Jahre nach der Mondlandung ist nun also der Mars das Ziel? Das ist nur die halbe Wahrheit. Beim New Space Race geht es weit weniger um politische Visionen wie die Besiedelung anderer Planeten. Davon zeugt auch die leuchtende Himmelskette. Es sind die ersten 60 Satelliten der Starlink-Konstellation, die SpaceX Mitte Mai mit seiner Rakete "Falcon 9" in den Erdorbit brachte. Ihre Zahl soll bis 2027 auf 12.000 anwachsen. Und schon in zwei bis vier Jahren will Musk den gesamten Globus mit schnellem Internet versorgen. Es ist ein Riesengeschäft: Rund 50 Prozent der Weltbevölkerung sind noch immer ohne Internet.

Der allererste Satellit hieß Sputnik. Die Russen schossen ihn 1957 ins All. Seitdem haben 80 Staaten fast 9.000 Satelliten in den Erdorbit gebracht. Rund 5.000 sind noch immer dort, aber nur 2.000 davon funktionieren noch und versorgen die Welt mit Navigations- und Wetterdaten, Radio und Satelliten-TV. Trotz zunehmender Vermüllung wird das Gewimmel im Kosmos ständig mehr. Glaubt man Prognosen, dann steht das goldene Zeitalter der Satellitentechnik gerade erst bevor.

Internet der Dinge als Motor

"Das Transportgewerbe hat zum Beispiel solche Anforderungen. Reedereien verlieren relativ oft ihre Fracht. Wenn alle Container mit Sensoren ausgestattet wären, könnte man jeden wiederfinden", sagt Ernst Messerschmid, der Mitte der 80er selbst ins All flog. Heute gehört der emeritierte Professor für Raumfahrt zum Vorstand von Sat4M2M, einem Start-up, das mit eigenen Satelliten seinen Kunden sichere Maschinenkommunikation ermöglichen will. Denkbar wäre zum Beispiel, dass Güterverkehrsunternehmen selbst in den entlegensten Regionen permanent den Zustand von Schienen abfragen, über Daten, die Sensoren an den Zugrädern erfassen. Das Internet der Dinge, selbstfahrende Autos, Drohnen und Schiffe werden nie dagewesene Informationsfluten verursachen und neue Satellitenheere sollen diese um den Globus schicken. "Wir hatten eine ähnliche Idee schon vor zwanzig Jahren, konnten aber jetzt erst die ESA zu einem Test Anfang nächsten Jahres auf der ISS überzeugen", sagt Messerschmid. Ist dieser erfolgreich, will SAT4M2M demnächst bis zu 20 eigene Kleinsatelliten betreiben. Auch andere Unternehmen planen eigene Orbit-Flotten. Im Februar schickte OneWeb die ersten sechs Satelliten ins All, über 600 sollen noch folgen. Amazon plant über 3.000, die kanadische Firma TeleSat etwa 300.

Der Hype rührt nicht nur von der wachsenden Nachfrage: Viele der Satelliten können heute kleiner und somit kostengünstiger gebaut werden. Und SpaceX hat einen unschlagbaren Wettbewerbsvorteil: Das Unternehmen schickte 2017 erstmals einen Satelliten mit Hilfe einer wiederverwendbaren Trägerrakete ins All. Beides drückt den Preis für Satelliten massiv und fördert entsprechend den Markt für ihre Services.

Erdbeobachtung wird zur Industrie

Immer gefragter sind auch Satelliten, die Bilder von der Erdoberfläche machen. "Man kann zum Beispiel aus der Luft über Jahre hinweg beobachten, welche Bäume sich in Wüstenregionen besonders gut entwickeln, aber auch, ob Hilfsgelder ankommen und damit in schwer zugänglichen Regionen Häuser oder Schulen aufgebaut werden", sagt Till Adams, Geschäftsführer des Bonner Unternehmens Mundialis. Für das EU-Programm Copernicus umkreisen sechs Satelliten die Erde und sammeln Daten, die Mundialis auswertet. Die Fotos sind nicht besonders detailreich, aber sie erlauben Langzeitbeobachtungen größerer Flächen. Etwa alle fünf Tage entsteht von jedem Fleck der Erde ein neues Bild. Das soll helfen, Klimaschäden zu erfassen.

Die Daten interessieren aber auch Landwirte, Börsenhändler, Versicherungen, Verkehrsunternehmen, Kanzleien, Geheimdienste und die europäische Grenzschutzagentur Frontex. Konkret wurde der Nutzen durch den Millennium Tower in San Francisco. Die Copernicus-Satelliten wiesen nach, dass das Gebäude jedes Jahr ein paar Zentimeter absinkt - und damit auch an Wert verliert.

Doch der Hunger nach kleinteiligeren Bildern wächst. 140 Satelliten steuert das Unternehmen Planet von Berlin aus um die Welt. Sie liefern täglich ein Bild von jedem Punkt der Erde, auf Kundenwunsch wird ihr Blick auf eine bestimmte Region noch häufiger und ziemlich genau. Die Bilder zeigen den Aufbau einer Chemiefabrik in Nordkorea, das schnelle Wachsen einer Solarfarm in China, illegale Minen in Peru und den Umbau eines Flughafens im Iran. Datenschützer hat das bislang erstaunlicherweise kaum auf den Plan gerufen, vielleicht weil man Menschen auf den Bildern nicht erkennen kann - noch. Russland soll sich schon beschwert haben über das ungewollte Shooting seines Hoheitsgebiets. Bislang aber ohne Erfolg. Anders als im Luftraum bis etwa 100 Kilometer Höhe greift im All kein nationales Recht.

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