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Saudi-Arabien und Israel - In Feindschaft vereint

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Saudi-Arabiens Kronprinz Bin Salman sagt überraschend, Israel stehe ein eigener Staat zu. Eine Annäherung, die Nahost-Experte Henner Fürtig auf einen gemeinsamen Feind zurückführt.

Der jüdische Staat Israel wurde vor 70 Jahren gegründet. Noch immer haben ihn aber viele islamisch geprägte Staaten in der Nahostregion nicht anerkannt. Im erzkonservativen Königreich Saudi-Arabien scheint sich überraschend ein Umdenken anzubahnen.

Beitragslänge:
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heute.de: Wie kommt so eine Aussage zustande?

Henner Fürtig: Es ist ja schon eine ganze Weile bekannt, dass sich das Verhältnis zwischen Israel und Saudi-Arabien deutlich verbessert hat.

heute.de: Woran liegt das?

Fürtig: Das liegt vor allem daran, dass beide einen gemeinsamen Gegner ausgemacht haben: die Islamische Republik Iran. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich die Kontakte zwischen Israel und Saudi-Arabien in den letzten Monaten deutlich verstärkt haben.

Zur Person:

heute.de: Wie zeigt sich das?

Fürtig: Es werden Geheimdienst-Informationen ausgetauscht. Alles im beiderseitigen Bestreben, die außenpolitische Wirksamkeit des Gegners Iran gering zu halten.

heute.de: Man kann sagen, der Feind meines Feindes ist mein Freund?

Fürtig: Das passt hier sehr gut.

heute.de: Der politische Einfluss Irans wird immer größer. Will man so gegensteuern?

Fürtig: Nein, ich glaube, dass was Mohammed bin Salman da gemacht hat, ist ein Schritt in eine neue Richtung. Es wäre auch durchaus möglich gewesen, diese Zusammenarbeit unterhalb des Radars der Öffentlichkeit weiter zu betreiben. Dass er diesen Schritt gegangen ist, ist schon ein deutliches Zeichen dafür, dass in absehbarer Zukunft auch eine offizielle Annäherung zwischen beiden Staaten denkbar erscheint. Das wäre ein fast revolutionärer Schritt, wenn man bedenkt, dass es bislang überhaupt nur zwei arabische Staaten gibt, die einen Friedensvertrag mit Israel unterschrieben haben - Jordanien und Ägypten.

heute.de: Besteht die Möglichkeit eines Friedensvertrags?

Fürtig: Ich will nicht sagen, dass ein nächster Friedensvertrag bevorsteht. Aber zumindest der Weg offizieller Verhandlungen zwischen beiden Staaten ist damit zumindest nicht mehr unmöglich.

heute.de: Kommt da auch Druck durch Iran?

Fürtig: Iran würde auf jeden Fall versuchen, das zu verhindern. Seitens Irans besteht kein Interesse daran, dass Israel und Saudi-Arabien sich verständigen.

heute.de: Wie wird Iran auf Mohammed bin Salmans Aussage reagieren?

Fürtig: Iran wird das Ganze als besonders perfiden Verrat an den Interessen der Palästinenser brandmarken. Wird sagen, dass Bin Salman sich aus Washington Befehle abgeholt hat, dass er nicht aus eigenen Stücken handelt. Das sind natürlich Spekulationen, aber es ist völlig klar, dass Iran das mit allen Mitteln kritisieren wird.

heute.de: Iran wird sich das also zunutze machen.

Fürtig: Für Iran ist das propagandistisch eine sehr günstige Situation. Wenn ich vorhin sagte, dass die Verbindungen und Kontakte zwischen Saudi-Arabien und Israel schon lange bekannt waren, dann war das eine informelle Kenntnislage. Man hatte Indizien, aber keine offizielle Bestätigung dafür. Da konnte man propagandistisch auch nicht aus allen Rohren schießen. Aber jetzt, wo Mohammed bin Salman sich an die Öffentlichkeit wendet und ein derartiges Statement abgibt, ist es natürlich für die iranische Propaganda leichter sich auf etwas Offensichtliches einzuschießen.

heute.de: Vom saudischen Kronprinzen war das also wohl kalkuliert?

Fürtig: Auf jeden Fall. Es kann auch kein Zufall sein, dass das unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Washington passierte. Da hat man mit Sicherheit über diese Thematik gesprochen.

heute.de: Ein Frieden im Nahen Osten könnte also greifbar werden?

Fürtig: Es gab von Saudi-Arabien schon in der Vergangenheit Friedenpläne für den Nahen Osten. Den bekanntesten von 1982. Aber da gab es immer die Bedingung, dass Frieden mit Israel erst möglich ist, wenn sich Israel aus allen besetzten Gebieten von 1967 zurückzieht. Was jetzt völlig neu ist, dass Kronprinz Mohammed bin Salman quasi das Existenzrecht Israels ohne Vorbedingungen bestätigt und Israel somit ein gleiches Recht auf Staatlichkeit zubilligt wie den Palästinensern. Da man das offiziell gemacht hat, kann man davon ausgehen, dass dahinter politisches Kalkül steckt. Von ihm ist durchaus zu erwarten, dass er weitere Schritte im Sinne einer Normalisierung gehen könnte. Sonst hätte er diese Ankündigung nicht getan.

heute.de: Eine Entspannung liegt somit in der Luft?

Fürtig: Eine Entspannung zwischen Saudi-Arabien und Israel. Das bedeutet ja nicht, dass andere Protagonisten im Nahen Osten begeistert reagieren werden. Es ist durchaus möglich, dass andere arabische Staaten - oder auch der sogenannte Mann auf der Straße - mit großer Vehemenz dagegen opponieren werden. 

Das Interview führte Florence-Anne Kälble. Folgen Sie ihr auf Twitter.

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