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Diskussion um Pkw-Maut - Eine Maut kann viel mehr als nur Geld einbringen

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Während in Deutschland noch über die Folgen der gescheiterten Maut-Pläne diskutiert wird, ist man woanders schon viel weiter. Ideen für effiziente Verkehrs-Steuerung gibt es genug.

Leuchtspuren auf der A2 bei Hannover
Leuchtspuren auf der A2 bei Hannover
Quelle: dpa

Die Pkw-Maut für ausländische Fahrer, wie von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer geplant, ist Geschichte. Mittlerweile aber fordern Kommunen im Süden Deutschlands ein viel umfassenderes Maut-Modell - und zwar für alle Autofahrer und alle Straßen. "Wir brauchen eine Maut für alle", sagt Roger Kehle, Präsident des baden-württembergischen Gemeindetags der Deutschen Presse-Agentur. Auch sein bayerischer Amtskollege Uwe Brandl (CSU) verlangt ein einheitliches Modell für alle Straßen.

Lenkungsabsicht: Staus vermeiden

Andere Länder sind in Sachen Maut seit Jahrzehnten weiter. Es gibt noch andere Möglichkeiten außer der pauschalen Kosten für Autofahrer, etwa die Vignette in der Schweiz (jährlich 36,50 Euro) oder das Pickerl in Österreich (jährlich 89,20 Euro). In Frankreich, Spanien und Italien gibt es Maut-Stationen, in denen pro Fahrt kassiert wird.

Andere Mautkonzepte haben eine Lenkungsabsicht: Sie versuchen, Staus zu vermeiden, indem sie die Fahrten zu Stoßzeiten verteuern. So erhält der Autofahrer einen Anreiz, früher oder später loszufahren. Oder Gruppenfahrten zu organisieren. In den USA und in Kanada gibt es viele Highways mit "High-occupancy vehicle lanes" (HOV lanes), oder auch "carpool lanes" für Fahrgemeinschaften. Auf dieser Spur darf nur fahren, wer mindestens zu zweit im Auto sitzt.

Zur Sondersitzung des Verkehrsausschusses des Bundestags brachte Verkehrsminister Scheuer (CSU) ordnerweise Akten mit. Die Frage: Hat er die Verträge zur Maut voreilig abgeschlossen und stehen den möglichen Betreiber somit hohe Schadenersatzansprüche zu?

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Stockholm und Singapur Vorreiter

Laut Alexander Eisenkopf von der Zeppelin Universität Friedrichshafen gibt es auch in London Lenkungskonzepte über pauschale Zahlungen. "Oder die Maut wird für das Durchfahren eines bestimmten Bereichs erhoben", sagt Eisenkopf. Stockholm oder Singapur seien Vorreiter: Hier werde "nach der Tageszeit und Belastung differenziert".

In Singapur erfolgt die Abrechnung über einen Transponder. In Stockholm oder Göteborg nimmt eine Kamera das Kennzeichen des Autos auf. Dann wird die Maut monatsweise in Rechnung gestellt. Entfernungsabhängige Tarife, differenziert nach Stausituation und Umwelteffekten, sind laut Eisenkopf aber noch nicht in größerem Maßstab umgesetzt.

Forderung nach lokaler City-Maut

Ein differenziertes Maut-System würde vorsehen, je nach Fahrverhalten, Emissionen und Belastung der Straße einen eigenen Maut-Tarif zu berechnen. Mit Belastung der Straße ist die Schwere des Fahrzeugs gemeint. Was oft unterschätzt wird: Die Fahrt eines SUV nutzt eine Straße 32 mal mehr ab als die eines leichten PKWs. Allerdings glaubt Eisenkopf nicht an eine Einführung entsprechender Systeme in Deutschland.

Praktikabler als ein differenziertes Modell sei eine "pauschale Maut, die die Finanzierung der Infrastruktur sicherstellt", sagt Eisenkopf. Die Mineralölsteuer sorge für eine "entfernungsabhängige Komponente". Laut Eisenkopf stelle sich die Frage neu, "wenn sich die Elektromobilität am Markt wirklich durchsetzt und damit die Bedeutung der Mineralölsteuer erodiert". Und doch gibt es etwas, was die Politik konkret tun könne: "Lokale City-Maut-Modelle in Ballungsgebieten sollten vorangetrieben werden", fordert der Professor.

Transponder besser als Smartphones

Mittlerweile gibt es auch Forderungen, die Maut mit dem Smartphone zu bezahlen. Aber gerade hier gibt es Bedenken, so Stefanie Peer von der Uni Wien: "Ständiges GPS-Tracking frisst ziemlich viel Akku." Auch gibt die Forscherin zu bedenken: "Was passiert, wenn der Akku aus ist oder das Smartphone abgeschaltet wird, um die Maut zu umgehen?"

Hinzu kämen Datenschutzfragen: "Man wird ständig getrackt, weil man ja jederzeit potenziell in einem Auto sitzen könnte", sagt Stefanie Peer. Zudem sei es "oft schwierig zu unterscheiden, ob jemand überhaupt im Auto ist oder zum Beispiel nur an einer Straße entlang geht, in einem Bus sitzt oder mit dem Rad fährt". Das Probleme potenziere sich in Städten, wo aufgrund von hohen Gebäuden das GPS-Signal schlecht sei, sagt Peer: "Es spricht einiges dafür, im Auto fix verbaute Geräte zu verwenden."

Mit Material von dpa

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