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"Schichtwechsel" - Wenn Fußball-Profis Fahrräder reparieren

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Fußballer reparieren Bremsen, Mitarbeiter aus der Fahrradwerkstatt gehen dafür trainieren: Beim "Schichtwechsel" tauschen behinderte und nichtbehinderte Menschen einen Tag Jobs.

Niklas Stark, Alexander Esswein und Per Skjelbred in einer Fahrradwerkstatt.
Fußballer von Hertha BSC beim Aktionstag "Schichtwechsel"
Quelle: DPA

Platte Schläuche und defekte Bremsen - mit solchen Dingen beschäftigt sich Hertha-Fußballprofi Per Skjelbred, wenn es um das Rad seiner Tochter geht. "Es gibt immer wieder Probleme, bei denen ich nicht weiß, wie ich sie beheben kann", sagt der 32-Jährige. Am Montag hatten der Mittelfeldspieler und seine Teamkollegen Alexander Esswein und Niklas Stark Gelegenheit, ihr Wissen rund um Fahrräder aufzupolieren.

Die drei haben den Rasen einen Tag lang gegen eine Fahrradwerkstatt für Menschen mit Behinderung getauscht. Unter Anleitung lernten sie, wie man einen Schlauch wechselt oder eine Bremse richtig einstellt. Der Arbeitsplatzwechsel ist Auftakt für den Aktionstag "Schichtwechsel", der an diesem Donnerstag in Berlin und erstmals auch in anderen Bundesländern stattfindet.

Ziel: Wahrnehmung verändern

"Allein in Berlin werden 530 Menschen ihren Arbeitsplatz tauschen, bundesweit sind es 700", sagt Initiatorin Bettina Neuhaus von der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen. Menschen mit Behinderungen gehen in Unternehmen wie Siemens, zur Feuerwehr, Polizei, in Hotels, Handwerksbetriebe, Kultureinrichtungen oder auch Stiftungen. Mitarbeiter von dort können jeweils die Arbeit in einer Behindertenwerkstatt kennenlernen.

"Wir machen das, weil, wir festgestellt haben, dass es immer wieder Vorurteile, veraltete Bilder in den Köpfen und nur wenig Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung gibt", erläutert Neuhaus. Das gemeinsame Arbeiten verändere die Wahrnehmung. Wer Menschen mit Behinderung bei der Arbeit in der Werkstatt erlebe, sehe deren Können statt nur Defizite, sagt Geschäftsführerin Neuhaus. "Ich glaube mehr an diese Aktion als an irgendwelche Tage der offenen Tür".

Lehrreicher Werkstattbesuch für Hertha-Profis

Ziel sei es, künftig deutlich mehr Teilnehmer zu gewinnen, sagt Neuhaus. "Wir wollen so bekannt werden wie der Girls Day", sagt sie. Die beiden bisherigen Aktionstage seien erfolgreich gewesen. "Eigentlich wollten wir nur einen Tag organisieren, aber der brachte so viele Impulse", so Neuhaus. Dank der vielen Kontakte hätten drei Mitarbeiter aus Werkstätten sogar einen Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gefunden, außerdem wurden fünf Praktika vermittelt.

Für die Hertha-Spieler war der Werkstattbesuch lehrreich. Skjelbred und Kollegen bewiesen Geschick beim Schlauchwechsel. "Ich würde es jetzt auch einmal zu Hause versuchen. Wenn man sich die Zeit nimmt, kann es klappen", sagt Alexander Esswein, den die Kompetenz seines zuständigen Werkstatt-Mitarbeiters Robert Matz begeisterte. "Ich habe ein paar Dinge gelernt, die ich lernen wollte", berichtet Skjelbred - der allerdings versehentlich eine Bremse kaputtmachte.

Hertha-Training für 40 Werkstatt-Mitarbeiter

Bereits 2018 hat sich Fernseh- und Radiomoderator Volker Wieprecht am "Schichtwechsel" beteiligt - in der Bonbon-Produktion. "Kein komplexer Job, aber doch einer der Einführung, Begleitung und Anweisung erfordert", erinnert sich der Berliner. Er sei total begeistert gewesen von der feinfühligen Wertschätzung, die ihm dabei zuteil geworden sei. Niemals in den letzten 30 Jahren habe jemand neben ihm gestanden und gesagt: "Das machen Sie aber toll!".

Laut Neuhaus sind in Berlin rund 10.000 Menschen in Werkstätten wie diesen beschäftigt. Etwa 40 von ihnen schaffen jedes Jahr den Schritt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. "Viele von ihnen kommen bereits von da, etwa mit einem Burnout und wollen nicht unbedingt wieder zurück", sagt die Initiatorin. Der „Schichtwechsel“ biete ihnen Gelegenheit, in andere Berufe zu schnuppern, ohne dass es ernst werde. Bei Hertha geht es am Donnerstag für 40 Beschäftigte aus den beteiligten Werkstätten jedenfalls rund. Dann steht für sie ein Training an.

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