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Strecke Hannover-Göttingen - Die Bahn saniert ICE-Trassen

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Zugausfälle, Verspätungen: Die Deutsche Bahn ist seit Jahren in der Kritik. Da soll sich was ändern. Im Schienennetz macht die ICE-Trasse von Hannover nach Göttingen den Anfang.

Bahn-Reisende müssen aufgrund der Bauarbeiten mit längeren Fahrzeiten rechnen. Betroffen sind vor allem Dauer-Pendler. Der erste Bauabschnitt betrifft die ICE-Strecke Hannover-Göttingen.

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Die Gründe für die Kritik sind schnell ausgemacht: zu wenig Personal, zu wenige moderne Lokomotiven, zum Teil veraltete Bahnhöfe, zu wenig Weichen und ein teilweise marodes Schienensystem. Einiges davon wollen die Verantwortlichen bei der Bahn nun ändern, 1.500 Fahrdienstleister sollen alleine in diesem Jahr eingestellt werden, neue Zugführer werden ausgebildet, Bahnhöfe sollen restauriert werden, neue Züge sind geplant. Und auch das Bahnnetz wird saniert, die ICE-Trasse von Hannover nach Göttingen wird jetzt in Angriff genommen.

Karin Weber-Klatt pendelt täglich von Göttingen zu ihrem Arbeitsplatz nach Hannover. 120 Kilometer in 35 Minuten - bisher. In den nächsten sechs Monaten wird sie fast doppelt so lange für ihren Arbeitsweg brauchen, denn vom 11. Juni bis zum 14. Dezember ist die Trasse wegen der Baumaßnahmen nicht befahrbar. Stattdessen fährt dann der ICE auf einer Nebenstrecke, auf der er langsamer unterwegs sein muss, auf der auch der Regionalverkehr abgewickelt wird. "Mit dem Auto würde es noch länger dauern", sagt die Richterin, "das ist keine Alternative."

Mehr als 800 Millionen für Streckensanierung

2020 ist dann die Strecke Mannheim - Stuttgart dran, 2021 die Trasse Göttingen - Kassel, ab 2022 Fulda - Würzburg. Mehr als 800 Millionen Euro kosten die Bauarbeiten, die natürlich auch die Reisezeiten verlängern, wie die Bahn AG informiert. Betroffen sind Fahrgäste auf den Verbindungen Stuttgart - Frankfurt, Stuttgart - Köln und Stuttgart - Berlin. Zumindest den Dauerpendlern kommt die Bahn entgegen, zehn Prozent Rabatt gibt es auf die Bahncard. Zu wenig, kritisiert Gerd Aschoff vom Fahrgastverband Pro Bahn. "25 Prozent wären da kundenfreundlicher, denn die Belastung für die Pendler ist gewaltig."

Dass jetzt längere Trassenstücke wegen Sanierungsarbeiten gesperrt werden, ist ein hausgemachtes Problem, erklären Bahnexperten wie Christoph Riedel. "Die Bahn ist in den letzten drei Jahrzehnten auf Verschleiß gefahren, um rentabel zu sein. Das zu lange Abwarten der Netzsanierung muss nun der Kunde ausbaden. Vielfach ist das Schienennetz bundesweit marode, es wurde gespart, wo es ging."

Abbau von Weichen auf Kosten der Flexibilität

Mit System, denn kleinere Reparaturen zahlt die Bahn AG aus eigener Tasche. Wird großflächig neu gebaut, übernimmt der Bund die Kosten. "Also warum selbst zahlen, wenn man so die Kosten auf den Steuerzahler abwälzen kann", erläutert der Verkehrsexperte Heiner Monheim. Besonders gravierend sei auch der Abbau von Weichen gewesen, die wartungsintensiv und damit teuer sind. Doch mit dieser Sparmaßnahme aus den Zeiten von Bahnchef Hartmut Mehdorn ging dem Schienennetz Flexibilität verloren. Ein ICE, der auf einen langsameren Zug auffährt, kann manchmal nicht überholen, weil viele Weichen von der Hochgeschwindigkeitstrasse zur Nebenstrecke nicht mehr vorhanden sind - das kostet Zeit und führt unter anderem zu den Verspätungen.

Ob die nach der großspurigen Trassensanierung Geschichte sind? Es wird besser, sagen die Verkehrsexperten, aber kein Vergleich zu der Pünktlichkeit, wie sie in anderen europäischen Ländern der Fall ist, glaubt Monheim. Er fordert, das Schienennetz in staatliche Hände zu geben, wie das Straßennetz, wobei das Unternehmen Deutsche Bahn AG ja eigentlich zu 100 Prozent dem Bund gehört. Das ist aber ein Teil des Problems. Denn ein Teil der Gewinne musste die Bahn an den Bund abführen - Steuerlöcher stopfen.

Bahn-Tochter Arriva soll verkauft werden

Abgeben, kleiner werden, gesundschrumpfen: Diese Diskussion läuft gerade bei der Bahn. So soll die Bahn-Tochter Arriva mit Sitz in England verkauft werden, möglichst noch in diesem Jahr. Bis zu vier Milliarden könnten so eingefahren werden. Damit ist zwar der hehre Anspruch, "globaler Mobilitätskonzern" zu sein passé, man könnte sich aber auf die Aufgaben in Deutschland wieder stärker konzentrieren. Pendlerin Karin Weber-Klatt und die restlichen Bahnfahrer hierzulande würde das sicherlich freuen.

Oliver Deuker ist Redakteur im ZDF-Studio Hannover.

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