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Alternativer Zustandsbericht - Schlechte Noten für den deutschen Wald

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Es fehlen alte Bäume, die wichtig für den Klimaschutz wären. Und die biologische Vielfalt schwindet. Fazit: Um den deutschen Wald ist es schlecht bestellt.

Archiv: Umgefallene Bäume in einem Waldstück in der Nähe von Lohmar
Umgefallene Bäume in einem Waldstück: Deutschlands Wälder befinden sich in einem schlechten Zustand Quelle: imago

Der deutsche Wald ist ein Dauerpatient. In den 1980er Jahren drohte er zu sterben. Ursache dafür war der saure Regen. Er zerstörte die Wurzeln, und das führte zum Absterben der Bäume. Seither stehen Laub- und Nadelbäume unter forstbehördlicher Beobachtung. Und seitdem gibt es ein alljährliches Wald-Monitoring, bei dem die Laub- und Nadelverluste in der Baumkrone bewertet werden. Die Ergebnisse liest man Jahr für Jahr im Waldzustandsbericht, den das Bundeslandwirtschaftsministerium herausgibt.

Was dort aber fehlt, ist eine sogenannte naturschutzfachliche Bewertung, welche die Komplexität und Nachhaltigkeit von Entwicklungen berücksichtigt. Diese findet sich nun im ersten "Alternativen Waldzustandsbericht", herausgegeben von der Naturwald Akademie in Berlin. Die Datengrundlage für den Bericht hat das Bundesamt für Naturschutz sowie das Thünen-Institut geliefert. Um den alternativen Waldzustandsbericht erstellen zu können, haben sich die Wissenschaftler unter anderem folgendes genau angesehen: die naturnah bewirtschafteten Wälder in Deutschland, den Bestand wertvoller Eichen- und Buchenmischwälder, die Zahl der ökologisch wichtigen Altbäume sowie die Ausweisung von Waldschutzgebieten.

Verarmte Wälder sind zu jung

Archiv: Ein Waldstück auf einem Hügel nach einem Sturmschaden
Beispiel Sauerland: Mangelnde Vielfalt führt auch zu größeren Sturmschäden. Quelle: imago

Ein alarmierendes Ergebnis der Studie ist: Viele heimische Waldökosysteme drohen auszusterben. Denn auf den meisten Waldflächen wachsen nur wenige unterschiedliche Baumarten. Zudem sind es oft Baumarten, die in Deutschland nicht natürlich vorkommen. Beispiel: die Douglasie. Die Heimat des Nadelbaums ist Nordamerika. Da er eine hohe Wuchs- und Wertleistung besitzt und gute holztechnologische Eigenschaften aufweist, ist er auch bei deutschen Forstwirten sehr beliebt geworden.

Die Analyse zeigt auch, dass Deutschlands Wälder zu jung sind. Das wirkt sich negativ auf das ökologische Gleichgewicht aus. Nur noch wenige Bäume dürfen alt werden. Alte Bäume sind aber existentiell für das Leben von zahlreichen Tier-, Pilz- und Pflanzenarten. Lediglich auf 4,5 Prozent naturnaher Waldflächen wachsen Bäume, die älter als 140 Jahre sind. "Trotz anderer Verlautbarungen aus der Forstwirtschaft drängt diese die naturnahmen Waldökosysteme zurück und handelt somit gegen das von Deutschland ratifizierte, internationale Naturschutzabkommen", kritisiert Torsten Welle von der Naturwald Akademie und Co-Autor der Studie.

Durch den Mangel an alten Bäumen geht auch ein wichtiges Potential im Klimaschutz verloren. "Junge Wälder können nicht annähernd so viel klimaschädliches Kohlendioxid langfristig binden, wie Wälder mit einem höheren Anteil an Altholz", meint Wissenschaftler Welle.

Mehr Schutz für alte Bäume gefordert

Nur eine Fläche von 8,2 Prozent der deutschen Wälder ist laut Studie aus ökologischer Sicht gut bis sehr gut bewirtschaftet. Diese sind meist kleine, vor allem schwer zugängliche Waldflächen wie in Mooren und Schluchten. Der Zustand vieler Wälder hat sich aus naturschutzfachlicher Sicht in den letzten 30 Jahren bezogen auf die Fläche nicht verbessert. "Unsere Analysen zeigen eindeutig, dass die Nachhaltigkeitsversprechungen in Sachen Naturschutz weitestgehend unerfüllt bleiben", kritisiert Pamela Scholz von der Naturwald Akademie.

Insgesamt will der erste "Alternative Waldzustandsbericht" mit seiner naturschutzfachlichen Analyse einen neuen Input für die Fortwirtschaft und die zuständige Forstpolitik liefern. Und so formuliert die Studie auch Handlungsempfehlungen.

So sollten zeitnah individuellere Bewirtschaftungskonzepte entwickelt werden. Heimische Baumarten müssten wieder verstärkt angepflanzt werden. Zudem müssten alte Bäume mehr Schutz erhalten, da sie klimawirksam sind. "Bund und Länder sind gefordert. Sie müssen besonders die seltenen, restlichen Eichenwälder sofort unter Schutz stellen", das empfehlen die Autoren der Studie. Und sie sehen in der Entwicklung unterschiedlicher Waldtypen auch die Entfaltung der bislang zurückgedrängten Artenvielfalt im deutschen Wald.

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