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Bilanz der Deutschen Bank - Lieber Speedboat als großer Tanker

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Prozesse, sinkende Erträge, gierige Banker: Lange war die Deutsche Bank in den Schlagzeilen. Damit sollte 2018 nun endlich Schluss sein, aber die Wende gelang noch nicht - noch.

Zum dritten Mal in Folge hat die Deutsche Bank rote Zahlen geschrieben. Vorstandschef John Cryan ist jedoch zuversichtlich, auf einem guten Weg zu sein.

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Die diesjährige Jahresmedienkonferenz der Deutschen Bank in Frankfurt sollte mal keine Krisenveranstaltung mehr werden – die letzten Jahre waren hart genug. Die vielen Baustellen von Gerichtsprozessen bis zu sinkenden Erträgen waren lange genug Gegenstand von Kritik, Spekulation, Unverständnis. Aber die Wende gelang nicht.

Fast, beinahe, annähernd hätte die Deutsche Bank einen Gewinn erzielt – wenn, ja wenn nichts dazwischengekommen wäre. In diesem Fall war es die Steuerreform des US-Präsidenten Donald Trump, die umfangreiche Neubewertungen "latenter Steueransprüche" nötig machte und den ohnehin bescheidenen Gewinn des großen Geldhauses von 1,4 Milliarden Euro vor Steuern pulverisierte, so dass unter dem Strich ein Verlust von 500 Millionen blieb. Amerika war schuld. Wirklich nur Amerika?

Eine Bank, die mit Geld umgehen lernt

Die Deutsche Bank wollte dieser Tage allerdings beweisen, dass sie in ihrer Heimat jedenfalls mit Geld umgehen kann. Daran waren ja in den letzten Jahren durchaus Zweifel aufgekommen, und Chef John Cryan konstatierte bei der Präsentation der Ergebnisse, dass sein Programm strikter Kostendisziplin bei den Führungskräften der Bank einen Kulturwandel erforderte, der ihnen nicht leichtgefallen sei. Man kann erahnen, welche ernsthaften Diskussionen da vorgekommen sein müssen. Kostenbewusstsein als Kulturwandel?

"Keine Gewinne, hohe Boni, das erregt die Gemüter der Aktionäre" der deutschen Bank, wie ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann berichtet.

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Überhaupt: Fast alles, was der Vorstandschef so sagte, drehte sich um das Drehen der Bank. Das Alte abzuschütteln, endlich "aus der Grütze zu kommen" (kein Zitat), das prägt den derzeitigen Auftritt des Instituts, dessen Schwächen in den letzten Jahren man ihm früher nie zugetraut hätte.

Hilfe naht  - vielleicht

Der deutsche Fels in der internationalen Brandung war gründlich unterspült worden. Bezeichnend: Der Vorsteuergewinn 2017 war der erste seit 2014. Und das bei einer Bank! In Zukunft wird es aber besser – Donald Trump hilft dann nämlich auch der Deutschen Bank mit seinen niedrigeren Steuersätzen.

Generell hob man solche meist externen Förderungsfaktoren hervor – das zündende neue Geschäftsmodell fand sich nicht. Der Jahrespressekonferenz vorausgegangen war eine Konferenz mit Analysten und Finanzmarktexperten – wie das gelaufen sein muss, sah man nach Börseneröffnung am Kurs: Steil bergab, mit zeitweise sechs Prozent minus eine Katastrophe.

Das Schlimmste war wohl wahr

John Cryan bestätigte nun auch all das, was in den Medien seit Jahren konstatiert und immer heftig zurückgewiesen worden war: Es gab Zweifel an der Kapitalausstattung, die Kontrollsysteme funktionierten nicht wie es notwendig gewesen wäre, die IT war rückständig und viel zu komplex, das Geschäft zersplittert und die Reputation am Boden. All das zu erwähnen und gleichzeitig festzustellen, dass man noch längst nicht mit den Fortschritten zufrieden sei, dürfte auch der Jobsicherung des Chefs dienen: Es gibt schließlich noch viel zu tun.

Denn die Diskussion um einen Führungswechsel war in letzter Zeit ja auch wieder aufgekommen – obwohl die Deutsche Bank unter den vielen Problemen, die sie hat, sicherlich nicht die zu lange Verweildauer von Vorständen einordnen müsste. Bleibt John Cryan angesichts der Fortschritte, oder geht das alles zu langsam?

Neuland Informationstechnologie

Bezeichnend in seinen Äußerungen: Man habe die Zahl der im Konzern verwendeten IT-Betriebssysteme von 45 – eine unglaubliche Zahl – entscheidend verringert. Auf – 32! Das erscheint immer noch vielleicht ein ganz klein wenig zu viel. Aber man kann ungefähr ermessen, was eine Umstellung der IT-Systeme in einem Bankkonzern bedeutet.

Die bekannten Erfahrungen bei der Commerzbank nach der Übernahme der Dresdner sind ja deutliches Beispiel: Es dauerte Jahre, und es knirschte. Und das ist kein Randgebiet. An der IT und den Netzaktivitäten, Technologieentwicklung und dergleichen hängt die Zukunft einer Bank im Zeitalter von Fintechs und Jungen Wilden auch im Kreditwesen. Der große Tanker Deutsche Bank muss da steuern wie ein Speedboat, und das wird nicht einfach.

Daumen drücken

Jedenfalls peilt man 2018 einen Gewinn an. Nur zur Verdeutlichung führte Cryan an, dass eine auch nur einprozentige Zinsanhebung der EZB zu Erträgen von 1,4 Milliarden Euro führen würde. Das war nicht nur eine Feststellung, da schwang auch heimliche Hoffnung mit: Hilfe von oben wäre jedenfalls willkommen. Wie man ahnt, wird es dieses Jahr nichts mehr mit einer Zinserhöhung. Insgesamt hätten derart bescheidene Zielsetzungen zu Zeiten eines Hermann Josef Abs, eines Alfred Herrhausen und Nachfolgern zu einem öffentlichen Aufruhr geführt. Heute ist man fast geneigt, aus purem Mitgefühl die Daumen zu drücken.

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